Ifo-Index: Enttäuscht die Enttäuschten
Tom Firley in Investors Daily Update
vom 18. Dezember 2008, 10:30 Uhr
Liebe Leser,
wie das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) heute bekannt gab, sank der Ifo-Geschäftsklimaindex im Dezember auf 82,6 Punkte (Vormonat: 85,8). Gleichzeitig ist dies der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung.
Experten rechneten mit etwa 84 Punkte, somit enttäuschte das Ergebnis. Aber ist dieses schlechte Ergebnis nun wirklich so verwunderlich? Überall hören Sie, dass wir in der schlimmsten Krise seit den 7 Plagen sind. Allenortens wird die Angst vor „Depression" immer prägnanter.
Aus Berlin hören wir, dass 2009 eines der schlimmsten Wirtschaftsjahre (oder DAS schlimmste Jahr) der Bundesrepublik sein wird.
Es vergeht kein Tag, an dem nicht auch der ignoranteste Bundesbürger mit dem Wort Rezession konfrontiert wird.
Und da sollen wir enttäuscht sein, dass der ifo-Index enttäuscht?
Ich denke, es wird wohl keinen ernsthaft wundern, dass die für den ifo-Index 7000 befragten Firmen die aktuelle Lage, als auch die Erwartungenn (noch) schlechter einschätzen als im Vormonat. Aber bitte vergessen Sie nicht:
Im Grunde genommen sollte die Krise wirklich auch als große Chance genutzt werden. Zum Beispiel werden Auto-Titanen wie General Motors, Ford, Chrysler etc. zum Umdenken gezwungen, somit zu „besseren" - im Sinne der Effektivität - Autos, wenn sie nicht von der Bildfläche verschwinden wollen. Alte Zöpfe werden und müssen abgeschnitten werden.
Allerdings - und hier sehe ich streckenweise die Crux diverser Rettungspakete - muss dafür auch ein Ruck durch fast alle Wirtschafts-Bereiche gehen. Manager müssen sich an die eigene Nase fassen und vielleicht auch mal in den Montage-Hallen vorbeigucken, um die Stimmung ihrer Mitarbeiter einzufangen. Nebenbei können sie dann so auch feststellen, was da eigentlich so produziert wird... Aber:
Das Problem bei den Finanzspritzen für ausgeblutete Konzerne vergleichen wir einmal so: Wenn ein Pfarrer einem Bettler auf der Straße einen Euro in den Hut wirft, wird der Bettler dann auf einmal gläubig? Vermutlich nicht. Sein Leben würde er sicherlich auch nicht ändern?
Würde er gläubig werden und sein Leben ändern, wenn der Pfarrer ihm 10.000 Euro in den Hut wirft?
Vielleicht, aber sicher ist das auch nicht.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
Artikel weiterempfehlen