Ifo-Geschäftsklimaindex: Hoffnung für den DAX?
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 26. Januar 2009, 09:18 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
wenn die Veröffentlichung von Konjunkturdaten ansteht geht auch der Blick der deutschen Marktteilnehmer häufig in die USA. Die Leitfunktion der US-Wirtschaft für die Entwicklung der globalen Konjunktur dürfte der eine, die Vielfältigkeit der Statistiken ein anderer Grund sein. Die Statistiken der europäischen Behörde Eurostat mögen dabei nicht weniger interessant sein, doch ihre Aussagekraft erscheint aufgrund der deutlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftsräumen in der EU noch nicht die Bedeutung zu besitzen, wie sie die USA aufweisen können. Immerhin, ein Wirtschaftsindikator aus Deutschland findet auch in den USA größere Beachtung und wird mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt: der Ifo-Geschäftsklima-Index. Das ifo Geschäftsklima bezieht sich auf ungefähr 7.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels. Die Teilnehmer beschreiben darin ihre aktuelle Geschäftslage sowie ihre Einschätzung der Entwicklung für die nächsten sechs Monate. Damit ist eigentlich schon kurz erklärt, welche Funktion der Indikator nicht nur für die deutsche, sondern auch für die europäische Wirtschaft hat.
Die Reflektionen von allen Unternehmensgrößen und -branchen schließt aus, dass es zu einer verzerrt, einseitigen Wahrnehmung von Entwicklungen kommt. Der Index hat zudem Vorlaufcharakter, das heißt er nimmt die wahrscheinlichen Entwicklungen der nächsten sechs Monate vorweg. Im Verhältnis zum DAX hat sich diese Frühwarnfunktion schon etwas abgeschwächt, viel mehr ist häufig ein Gleichlauf zwischen Indikator und Index zu beobachten. Von Interesse für Händler, Makler und Ökonomen sind allerdings das Tempo, mit dem sich Aufwärts- bzw. Abwärtsbewegungen vollziehen sowie mögliche Wendepunkte, die sich im Ifo-Index deutlicher abzeichnen als in den Aktienindizes, für diese aber gleichzeitig auch Signalwirkung entfalten. Im aktuellen Zyklus erreichte der Ifo-Geschäftsklimaindex seinen Höhepunkt bereits in der zweiten Jahreshälfte 2006 und begann danach eine moderaten Abstieg, der bis zum Frühjahr 2008 noch in überschaubaren Bahnen verlief. Der DAX konnte seine Rallye demgegenüber sogar noch ein weiteres Jahr fortsetzen und brach dafür dann aber zu Beginn des Jahres 2008 umso heftiger ein. Die Vorlauffunktion hat zu diesem Zeitpunkt noch einen deutlichen zeitlichen Puffer.
Seit Mitte 2008 hat sich die Abwärtsdynamik im Einklang mit der Verschärfung der Finanz-und Wirtschaftskrise in den USA erhöht. Auch die beiden Komponenten „Einschätzung der aktuellen Geschäftslage" und „Geschäftserwartungen" deuten noch keine Stabilisierung an. Die aktuell niedrigen Kursniveaus um 75 Punkte sah der Index letztmalig in den Rezessionsjahren 1992/1993. Auch damals löste erst der Wechsel von US-Präsident Bush zu Bill Clinton eine Trendwende aus. Während sich in den USA bereits im Herbst 1993 erste Aufschwung-Signale zeigten, benötigte Deutschland bis nach der Bundestagswahl im Herbst 1994 um sich langsam wieder aus dem Keller heraufzuarbeiten. Von der Dynamik einer Erholung der US-Wirtschaft wird deshalb auch abhängen, wann sich Trendwendesignale im ifo-Index zeigen. Von der Veröffentlichung an diesem Dienstag dürfte wohl kaum eine Trendwende zu erwarten sein, erste Stabilisierungsansätze könnten sich aber im Sommer zeigen. Das wäre dann wohl auch kleiner Wink für die DAX-Bullen.
