Ifo-Geschäftsklima Index weist auf konjunkturelle Erholung hin
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 28. Juli 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Es sollte eine Party werden! Der Ifo-Geschäftsklimaindex sollte das dritte Mal in Folge steigen. Dies wird als Anzeichen dafür gesehen, dass sich die Konjunktur in ca. sechs Monaten erholen wird.
"Eigentlich" sollte es eine Party werden – der Dax reckte sich auch bereits im Vorfeld dem letzten Bewegungshoch bei 3430 Punkten entgegen. Doch die Erwartungen der Analysten wurden nicht erfüllt. Sie hatten mit Werten zwischen 89,5 bis sogar 90,8 Zählern gerechnet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex notiert allerdings nur bei 89,2 Zählern. Gerade mal 0,4 Zähler höher als beim letzten Mal. Was war geschehen?
Der Unterschied zwischen Hoffnung und Sein ist das Problem. Die Hoffnungen sind hoch, die Bewertung der aktuellen Lage ist immer noch katastrophal. So sank (!) der Wert, der die Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage umfasst, von 79,4 Zähler auf 78,7 Zähler. Das war so nicht erwartet worden und der Geschäftsklimaindex wäre auch wesentlich schlechter ausgefallen, wenn gleichzeitig nicht die Hoffnung von 98,6 zuvor auf über 100, nämlich 100,2 Zähler angestiegen wäre. Damit wurde wieder das Niveau vom August letzten Jahres erreicht. Auch damals gab es einen ähnlichen Unterschied zwischen Hoffen und Sein.
Ich könnte nun böse sagen: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder aber etwas zynisch daran erinnern, dass die Hoffnung immer dann am höchsten ist, wenn es dem Menschen am dreckigsten geht. Aber das tue ich nicht. Denn diesen Ifo-Geschäftsklimaindex sollte man ernst nehmen. Auch wenn der Ifo -Index bereits in den Monaten März bis April dreimal hintereinander angestiegen war und damit ein Fehlsignal generiert hatte.
Diesmal ist es ein wenig anders. Denn natürlich erhöht eine vorgezogene Steuerreform, die wenigen Feiertage und andere Faktoren (auch die aktuelle Rallye tut ihr Übriges) tatsächlich die Wahrscheinlichkeit, dass es im nächsten Jahr konjunkturell etwas besser aussehen könnte, als in diesem Jahr. Doch darum geht es gar nicht.
Es geht um die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung. Es geht darum, ob diese Erholung die Kraft hat, zu einem Selbstläufer zu werden. Ob sie die Kraft hat, die strukturellen Probleme, wie Rentenkollaps, Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung, Gesundheitssystem etc. etc. wieder in den Griff zu kriegen.
Es geht nämlich auch darum, ob es zu einer konjunkturellen Erholung kommt, die der aktuellen Rallye den fundamentalen Boden verschafft. Mir wäre es wesentlich lieber, wenn ein langsamer Anstieg, mit einigen Rückschlägen und wenig Euphorie die Börsen getrieben hätten. Denn das sind zumeist die Bewegung aus denen nachhaltige Verbesserungen entstehen. Diese aktuelle Euphorie an den Börsen ist und bleibt gefährlich. Ich will noch einmal daran erinnern, dass die Geschichte gelehrt hat: Nach großen Haussen folgen meistens 15–20 Jahre Baisse, in denen zwischen 5–7 große Bearmarktrallys mit Kursgewinnen von zum Teil über 50 % die Anleger sehr verwirrten.
Zusammengefasst: Die Konjunktur sowohl in Amerika als auch in Europa zeigt erste leichte Erholungstendenzen. Die nun entscheidenden Frage: Wird diese konjunkturelle Erholung stark genug sein, die von den Börsen vorweggenommene Erwartung zu erfüllen. Die meisten Faktoren sprechen dagegen. Bei 2100 Punkten war der Dax unterbewertet, bei 3500/4000 Punkten wäre er überbewertet. Dazwischen liegt die Wahrheit: Folge: Seitwärts ... Zur weiteren kurzfristigen Entwicklung siehe nächsten Beitrag.