Ideen zur Vermögenssicherung
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 13. Januar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Sie kennen diese Art von Schlagzeilen aus den Finanz-Massenmedien bestimmt genauso wie ich (fiktive Beispiele):
"Rohstoffwerte versprechen gutes Aufholpotential"
"In der Wirtschaftskrise auf Substanzwerte setzen"
"Analyst XY sagt, das Schlimmste ist jetzt vorbei."
"Aktien sind unterbewertet."
Einmal davon abgesehen, dass solche Tipps in der Regel zu spät sind, manchmal leider nicht fundiert genug recherchiert bzw. so gut wie immer keinen Ausstiegspunkt nennen, so kommt noch dazu, dass oftmals die Flut der öffentlich geäußerten Meinungen völlig konträr zueinander ist. Dies verwirrt sicher eine ganze Reihe von Anlegern, welche versuchen allein durch Lesen der Finanzmassenmedien herauszufinden, was wirklich "Sache" ist.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, sich mit gewissen Dingen selbst auseinanderzusetzen und die Meinungen und Gedanken anderer zu nutzen um zu überprüfen, wie sinnvoll der eigene Ansatz bzw. vollständig der eigene Erkenntnisgewinn ist. Gerade beim Thema "Krisenvorsorge" bzw. "Vermögenssicherung" gibt es auch die verschiedensten Ansichten und Überzeugungen, die von ihren jeweiligen Vertretern teilweise religiös gepredigt werden. Oftmals ist hier auch das Schüren von Angst und Horrorvisionen ein beliebtes Hilfsmittel, denn dort wo Menschen Angst empfinden, werden sie manipulierbar und nicht selten folgen sie leicht demjenigen, welcher "Lösungen" präsentiert (eine Methodik, die übrigens auch wunderbar von der Politik gegenüber der Bevölkerung angewendet wird. Wenn Sie dies einmal genau im Alltag und in den Details der Reden vieler Politiker beobachten, werden Sie sich wundern, wie manipulativ, hier teilweise vorgegangen wird und die "Schafherde" willig folgt. Es gibt wohl kaum ein effektiveres Mittel als Manipulation von Menschen durch Angst...). Ich kann nur raten, sich hiervon nicht einnehmen zu lassen, denn Angst blockiert nicht selten die Fähigkeit, ausgewogene und gut durchdachte Entscheidungen zu treffen. Was immer auch kommt, wird kommen. Es sollte für Sie m.E. zunächst viel mehr darum gehen, auf der richtigen Seite zu stehen, denn jede Krise hat ihre Gewinner. Dies ist beinahe derart sicher wie der Wechsel von Tag und Nacht.
Genau von diesem Weg der Schilderung der ökonomischen Untergangs möchte ich mich distanzieren. Ich werde mich nicht als von den schlaflosen Nächten gequälter, mit blutunterlaufen Augen predigender Nostradamus der Wirtschaftsapokalypse betätigen. Nicht etwa, weil ich mit irgendjemandem "unter eine Decke" stecken würde bzw. daran "von oben" "gehindert" oder den wirklichen Ernst der Lage verkennen würde, sondern einfach deshalb, weil keiner letztlich wissen kann, wie sich die Situation mit 100%iger Sicherheit weiter entwickelt. Man kann sehr gut vermuten, aber es gibt zu viele Variablen, welche nicht mit 100%iger Sicherheit vorhersehbar sind.
Aus meiner Sicht macht es daher mehr Sinn, das Geschehen einfach in seinem Verlauf zu beobachten, bewusst und entschlossen entsprechend vorbeugend zu agieren, mit jedem Schritt, mit dem sich die Situation verschlimmert, und sich dabei aber nicht das eigene Leben von Ängsten vermiesen zu lassen.
Ich möchte Ihnen daher heute ein paar grundsätzliche Ideen vorstellen, wie ich es mit der eigenen Absicherung halte. Vielleicht ist dies für den ein oder anderen von Ihnen ein Gedankenanstoß; vielleicht widerspricht der ein oder andere Leser aber auch und würde die Sache völlig anders angehen.
Kommen wir also zum Thema:
Grundsätzliches zu Vermögensaufteilung (Asset Allocation)
Ihnen und mir ist sicherlich bekannt, dass es gerade beim Thema Diversifikation verschiedenste Ansätze und Theorien gibt. Sicher kennen die meisten z.B. (das von Banken im Marketing gut eingesetzte) Markowitz Prinzip.
Dies sind jedoch alles Punkte, auf die ich heute weniger eingehen möchte.
Viel mehr erscheint mir angesichts der Krise eine andere Herangehensweise etwas zweckdienlicher: Ich spreche von der Unterscheidung in sog. "What you see is what you get"-Anlagen und virtuellen Werten. Primär interessiere ich mich dabei dafür, Vermögen erst einmal zu halten und zu sichern, dann erst gehe ich zum offensiveren Teil über.
Was meine ich damit? Unter dem ersten Ausdruck verstehe ich alles, was einen tatsächlichen, "greifbaren" Wert darstellt.
Nehmen wir als Beispiel eine 1-Unzen-Goldmünze. Diese können Sie zu Hause oder in einem Schließfach lagern. Die Aktienmärkte können abstürzen, die Anleihemärkte können zusammebrechen oder welche Entwicklung auch immer kann eintreten. Am Ende haben Sie stets, nach wie vor, eine Goldmünze. Lediglich der Kurs mag eben schwanken, relativ zu entsprechenden Währungen. Ein kompletter Wertverfall ist ausgeschlossen.
Anders ist die Situation z.B. bei Aktien. Zwar handelt es sich hier auch um einen Unternehmensanteil, also gewissermaßen um einen realen Wert von Produktivvermögen, jedoch erhalten Sie diesen nur in Form eines Stück Papiers, was sie nicht einmal selbst zu sehen bekommen, sondern von Ihrer Bank verwahrt wird. Solche Dinge bezeichne ich als "virtuellen Wert". In anderen Worten bedeutet dies: Sie haben hierauf keinen tatsächlichen Zugriff, wenn es darauf ankommt. Es braucht nur einen Bankfeiertag oder wirklich extremes Chaos im Finanzbereich und ihr virtueller Wert ist für Sie nicht mehr erreichbar. Zu virtuellen Werten zähle ich übrigens auch Festgeld, auf das Sie nicht jederzeit Zugriff haben.
Innerhalb dieser beiden Kategorien unterscheide ich für mich zwischen verschiedenen Stufen der Sicherheit, die ich auf einer Skala von 1-5 einteile (5 am risikoreichsten, 1 am sichersten).
Eine erste Stufe des Risikomanagements bzw. der Absicherung betreibe ich also darüber, dass ich in der momentanen Zeit den Prozentsatz von virtuellen Werten nicht über 30% kommen lasse (meine persönliche Risikotoleranz).
(Fortsetzung morgen)