Ideen zur Sicherung von Cash-Beständen
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 14. Januar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Wie ich gestern schrieb, unterscheide ich zwischen virtuellen und "What you see is what you get"-Anlagen. Ich werde diese kleine Serie zum Thema Absicherung nun Stück für Stück fortsetzen. Heute stelle ich die Frage: Was sollten Sie tun, wenn Sie größere Mengen Cash-Bestände haben, diese aber nicht bei einer Bank lagern wollen und auch den meisten deutschen Staatsanleihen misstrauen?
Hier gibt es mehrere Möglichkeiten (welche Ihnen am ehesten zusagt, wissen Sie sicherlich selbst am besten):
- Verteilung der Beträge auf mehrere Banken: Dies ist ein erster, oft empfohlener Schritt. Er geht sicher in die richtige Richtung, wird aber Anleger und Sparer, welche sich wirklich ernsthafte Sorgen machen, wohl selten zufriedenstellen
- "Kompromisslösung" 10 Euro-Münzen: Der Tipp ist eigentlich schon älter, aber ich erwähne ihn hier trotzdem nochmals. In Deutschland sind 10-Euro-Silber-Gedenkmünzen offizielles Zahlungsmittel. In anderen Worten: Sie können einen 10 Euro Schein gegen eine 10-Euro Silbermünze ohne Aufschlag bei jeder Bank tauschen. Diese Münzen enthalten etwa eine halbe Feinunze 925er Silber und besitzen somit einen inneren Wert. Gleichzeitig sind die Münzen gesetzliches Zahlungsmittel. Sie zahlen somit, im Gegensatz zu herkömmlichen Investments in Goldmünzen z.B., keinen Aufschlag. Gleichzeitig können Sie die Münzen problemlos wieder in herkömmliches Geld umtauschen, wenn Sie es sich anders überlegen. Seien Sie jedoch gewarnt: Kaum eine Bank wird sich bei solchen Vorhaben kooperativ zeigen, da Sie so der Bank Geld von den Büchern nehmen. Dennoch liegen mir Berichte vor, dass nachdrückliches Auftreten und Drohung mit Kündigung sämtlicher anderer Geschäftsverbindungen mit der Bank manchmal Wunder bewirken können. Bei einer guten Bank sollte es eigentlich nicht soweit kommen müssen, aber wer weiß, wie eng manchen Bankern bereits die Schlinge um den Hals liegt...
- Teildiversifikation in Goldmünzen: Eine andere Variante etwa ist eine Teilanlage der zu sichernden Cash-Bestände in Goldmünzen bzw. bei größeren Beträgen auch kleinere Barren
- Wer unbedingt zum Staat will: Auch wenn ich es nicht tun würde, so gibt es auch die Möglichkeit, wenn Sie furchtbare Sehnsüchte nach dem Staat verspüren sollten, in sehr kurzläufige Bundesanleihen einen Teil zu parken. Ich würde es nicht tun, obwohl es laut vielen Experten als relativ sicher gilt. Wenn Sie aber glauben, die Krise ist nur vorübergehend und wird sich bald legen, so könnte dies ebenfalls eine Möglichkeit für Sie sein...
In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf eine Leser-Zuschrift eingehen, welche ich kürzlich erhielt:
Sehr geehrter Herr Hahn,
eine Strategie zur Vermögenssicherung in Krisenzeiten sucht sicher jeder.
Ich kann natürlich mein ganzes Geld in Gold und Silber anlegen. Ertrag = Null. Was ich damit direkt in der Krisenzeit anfangen kann ist auch fraglich. Nach der Krise (Währungsreform oder ähnliches) bin ich sicher gut im Rennen. Bis dahin aber gilt es eiserne Nerven zu bewahren.
Schuldentitel vom Bund oder Land zu kaufen ist sehr riskant und für mich nicht akzeptabel.
Grosse Aktien sollten ihren Wert behalten (auch hier gilt: Eiserne Nerven sind gefragt). Längere Durststrecke muss eingeplant werden
Irgendwelche ETF´s und ähnliches auf Gold und Silber oder sonstige Rohstoffe erscheinen mir auch nicht sehr sicher (letztendlich ist es doch Papier und ob ich als Kleinanleger nach einem grossen Crash auf ein Depot in Amerika zugreifen kann ?)
Alles in CHF und in der Schweiz anlegen erscheint dagegen relativ sicher. Vor allem kann ich damit in der Zwischenzeit Erträge generieren. Dies wird zwar unsere Regierung nicht gerne hören - aber was interessiert die schon ein Kleinanleger.
Kennen Sie eine bessere Lösung?
So sehr ich dem Leser hier in einigen Punkten zustimmen möchte, so sehr möchte ich doch vor dem Irrglauben, der Schweizer Franken sei, überspitzt gesagt, die Lösung aller Probleme, warnen. Auch beim CHF handelt es sich um eine "Fiat"-Währung und die Schweiz hat mit ihren eigenen Bankenkrisen wie etwa bei der UBS ihre gehörigen Probleme. Natürlich können Sie einen Teil im Ausland parken (nicht zwangsläufig illegal), denn letztlich steht hinter dem Euro ja auch ein Staatenverbund und hinter dem CHF ein Staat. Der CHF kann somit nicht zerfallen, der Euro könnte es theoretisch schon.
Was ich damit sagen möchte: Es ist sicher nicht unklug, etwas auch über ausländische Währungen wie den CHF zu diversifizieren, aber vergessen Sie bitte nicht, dass wir uns in einer weltweiten Abwertungsspirale aller Währungen befinden. In anderen Worten: In Relation zueinander wird sich bei den einzelnen Währungen vielleicht nicht sehr viel tun (Wer druckt am schnellsten?), aber gegen Sachwerte dürfte sich dies mittelfristig relativ bemerkbar machen.
Eine vernünftige Cash-Absicherung kann daher aus meiner Sicht nicht ohne eine Teilabsicherung durch "reale" Werte erfolgen. Eine meiner Lieblingsvarianten ist hierbei die 10 Euro Silbermünze.
Morgen geht es mit der Serie zu dieser Thematik weiter!