Ich würde JETZT die Aktie "Politik" kaufen ...
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 01. Juli 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Man muss sich wirklich daran gewöhnen. Der Dax entwickelt sich einfach anders als die amerikanischen Indizes. Zwar nicht wirklich unabhängig, aber anders. Während es früher wirklich gut funktionierte, die US Indizes, den Dax und den Euro Stoxx zu analysieren und, sofern sich ähnliche Analyseergebnissen ergaben, eine klare Marschrichtung zu finden -
vergessen Sie das heutzutage ...
Nachdem die amerikanischen Indizes gestern deutlich nachgaben, steht der Dax nun wieder im Plus, beachtliche 0,5 %. Das sind alles bullishe Signale. Ich weiß nur nicht, wann sich das endlich in den Köpfen der Anleger durchsetzt.
Ein kleines Problem besteht. Gegen einen stark fallenden US-Markt wird sich auch der Dax nicht behaupten können, aber ich weiß, wenn die Amis einigermaßen stabil bleiben und der Ölpreis nicht noch weiter steigt, wird der Dax durchstarten. Wenn, wenn ... Der Ölpreis ist und bleibt im Moment der marktentscheidende Faktor.
Die Fed hat auch nichts Neues oder Unerwartetes gesagt: Das Statement blieb unverändert, alles beim alten. Die US-Zinsen steigen das neunte Mal in Folge auf jetzt 3,25 %. Obwohl es mehr als vermessen ist, schaue ich mal Old Greeny unauffällig in die Karten: Aha, das gesuchte "ausgewogene" Maß steht zurzeit bei 3,75 – 4 %, je nach Entwicklung des Arbeitsmarktes und des Ölpreises, hier sollte erst einmal Schluss sein.
Die WM beginnt zu wirken
Ein Grund, warum der Dax den US-Märkte schlagen wird, ist, wie gesagt, die WM. Dass unsere Jungs einen so guten Fußball demonstriert haben, kann für die Entwicklung in Deutschland sehr wichtig werden. Überall hört man jetzt positive Statements, Hoffnung macht sich breit und viele Fußballfans freuen sich mittlerweile so richtig auf die WM, das war vorher noch anders.
Kein Wunder, denn mit 56 Toren war der Confed Cup in Deutschland der torreichste in seiner Geschichte.
Auch die Investoren werden diesen Wandel bemerkt haben und vielleicht mehr investieren. Zumal auch die Sicherheitskräfte offenbar alles im Griff hatten, na ja, fast.
Diese erfreuliche Entwicklung kann ein Funke sein, ein Funke, an dem sich ein Feuer entzündet, welches zumindest im Jahr 2006 die allgemeine Stimmung heben kann, aber auch die Wirtschaft und den Einzelhandel positiv beeinflussen wird.
Wie viele Fußballfans werden sich nun, nach diesem gelungenen und spannenden Confed Cup neue, größere Fernsehen anschaffen, Videorekorder, Beamer, Digitalkameras, etc etc. Wer wird sich alles überlegen, vielleicht doch eine neue Couch vor der WM zu kaufen, oder danach, weil die alte dann hin ist. Vom WM-Merchandising ganz zu schweigen – es könnte was werden im nächsten Jahr.
Einer zeigt den Weg
Klinsmann zeigt einer Nation, die mehr psychisch als tatsächlich am Boden ist, was es bewirken kann, sich von alten Strukturen zu trennen, neuen frischen Wind zu wagen, neue Wege zu gehen, sich von dem Ballast der "Bürokratie" zu befreien. Aber er zeigt auch etwas anderes: Eine freiere Konkurrenz kann beleben, Spaß machen.
Ich kann nur hoffen, dass sich die Politik von diesem Wind anstecken lässt, dass der Mut da sein wird, zu verändern, Altes und Verstaubtes zu entsorgen.
Heute wurde die Vertrauensfrage gestellt, ich will mich den ganzen leidlichen Diskussionen nicht wirklich anschließen, mir ist hier schon wieder viel zu viel Motzki-Mentalität am Werk.
Wer glaubte vor kurzem noch an den deutschen Fußball?
Ich möchte in diesem Zusammenhang nur daran erinnern, wann Klinsmann und wie er Trainer wurde. Auf einem der Tiefpunkte des deutschen Fußballs, so schrieb damals die Presse. Wir erinnern uns. Hätten irgendjemand damals (kurz bevor Klinsmann gefunden wurde) öffentlich verkündet, dass dieser Tiefpunkt der Beginn einer neuen Chance, der Beginn einer großen Fußballrallye in Deutschland sein wird, er wäre verhöhnt, ausgelacht und verspottet worden, ob seiner unglaublichen Unkenntnis! Und nun reibt sich der geneigte Fußballfan verwundert die Augen ... es geht doch!
Die Aktie "Politik"
Steter Wechsel ist Kern aller Dinge, das Helle folgt dem Dunklen: Auch die Politik steht aktuell in finsterer Nacht. Aus antizyklischer Sicht kann es nur besser werden.
Die Börse ist nur ein Abbild der Realität und kann somit wiederum helfen, die Realität besser zu verstehen. Wir erleben gerade den Sell Off der Politik, gäbe es eine Aktie "Politik", ich würde ich sie jetzt kaufen, zu einem Zeitpunkt, wo keiner sie mit der Kneifzange anfassen wollte ...