Ich sage nur: Zucker!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 13. Oktober 2004 12:00 Uhr
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Sie wissen ja, dass ich mich intensiv mit den Rohstoffmärkten befasse – und auch mit "Rohwaren" wie Zucker, Kaffee, Kakao, den legendären "Schweinebäuchen" und so weiter ...
Warum? Nun, auch bei den Rohwaren stimmen die Voraussetzungen für einen jahrelangen Bullenmarkt: Die Ackerflächen werden laufend weniger (Erosion, sich ausbreitende Städte, Versalzung der Böden etc.), die Weltbevölkerung wächst weiter und dann treten vermehrt Naturkatastrophen wie Hurrikanes auf, die die Ernten schlecht ausfallen lassen.
Welche Rohware mir derzeit am besten gefällt? Gar keine Frage: Zucker!
Trader's Daily-Leser Hans L. schrieb mir dazu eine interessante Email:
"Ich wohne hier mitten in einer Zuckerregion, und die Ernte der Rüben hat soeben begonnen. Ich gebe ihnen mal die neusten Zahlen: Das Vorjahresergebnis mit 63 Tonnen pro Hektar wird nicht erreicht. Es wird mit 60 Tonnen gerechnet. Auch der Zuckergehalt wird um einiges niedriger sein. Genaue Zahlen hierzu liegen allerdings noch nicht vor. Die EU plant eine Reduzierung der zulässigen Produktionsmenge von 16 %! All dieses dürfte nicht gerade zur Entspannung am Zuckermarkt beitragen ..."
Da hat er völlig Recht. Allerdings möchte ich direkt hinzufügen, dass Deutschland als Zuckerproduzent auf dem Weltmarkt keine große Rolle spielt. Die ganz Großen sind hier Staaten wie Brasilien und Indien. Aber auch die bestätigen das Bild, dass Zucker dieses Jahr knapper (und damit teurer) werden wird.
Nehmen wir Indien: Hier wird die Ernte in diesem Jahr fast ein Drittel unter dem durchschnittlichen Ertrag bleiben (voraussichtlich 15 Millionen Tonnen, normaler Wert ca. 22 Millionen Tonnen). Ähnlich die Lage in Brasilien: Hier beträgt das Minus rund 20 %.
Gleichzeitig explodiert die Nachfrage!
Indien ist nicht nur ein großer Zucker-Produzent, sondern auch ein großer Zucker-Konsument. Im letzten Jahr verbrauchte der Subkontinent 16 Millionen Tonnen Zucker. Das konnte bequem durch die heimische Produktion abgedeckt werden, und mehr als das: Es blieben rund 6 Millionen Tonnen Zucker für den Export. Anders die Lage im laufenden Jahr: Da wird die Nachfrage bei voraussichtlich mindestens 20 Millionen Tonnen Zucker liegen. Wie gerade schon erwähnt kann das in diesem Jahr nicht mehr durch die heimische Produktion gedeckt werden! Indien ist deshalb vom Zucker-Exporteur zum Zucker-Importeur geworden.
Machen Sie sich das bitte klar: Einer der ganz großen Zucker-Exporteure muss jetzt auf einmal Zucker importieren! Gleichzeitig geht bei den anderen Zucker-Produzenten die Zuckerernte deutlich zurück, diese können die erhöhte Nachfrage deshalb nicht auffangen.
Dass dies zu steigenden Zuckerpreisen führen sollte, dürfte klar sein ...
Mehr dazu gleich – vorher aber noch das "Zitat des Tages"!