Ich kann nicht anders
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 01. März 2006 18:00 Uhr
ENL5454
Mir wird oft vorgeworfen, dass ich mein Geburtsland – ich bin in den USA geboren – schlecht mache. Ein Leser hat mir Folgendes geschrieben:
"Nachdem ich den Investor's Daily gelesen hatte, untersuchte ich in einer Datenbank (www.economist.com/countries), wie hoch genau das Verhältnis von Schulden zu Bruttoinlandsprodukt in den USA sei. Ich war schockiert, als ich das Resultat sah."
"Europa hat das gleiche Schuldenproblem wie die USA. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich liegt der Schuldenstand bei rund 60 % des BIP, das ist fast der gleiche Wert wie in den USA. Die jährlichen Defizite dieser Länder sind mit zwischen 3 % und 4 % niedriger als in den USA (5 %), aber zumindest ein Teil dieser 5 % ist in den USA dem Krieg zuzuschreiben, der – wie alle Kriege – irgendwann enden wird. OK, bei der Leistungsbilanz sieht es für Europa besser aus: +2 % im Vergleich zu -5 % bei den USA, aber ich bin mir nicht sicher, ob das beim derzeitigen EUR/US$ Kurs nicht bereits eingepreist ist ...
"Und Japan hat einen absoluten horrormäßigen Schuldenstand in Höhe von rund 150 % des BIP, mit jährlichen Defiziten von 8 % des BIP. Ich weiß, dass es heutzutage schicker ist, auf die USA einzuschlagen, aber die anderen Staaten sind wirtschaftlich nicht besser."
"Ein Freund von mir (ein ehemaliger Hedgefondsmanager) möchte noch hinzufügen, dass Italien einen Schuldenstand in Höhe von 100 % des BIP hat, und die Erweiterung der Eurozone um osteuropäische Staaten wird die Situation sicher noch verschlechtern."
"Und was die Pensionsfondsverpflichtungen betrifft – da ist die Situation auch in Europa und Japan schlimm, wo die Bevölkerung noch stärker altert und die Staatspensionen größer sind."
"Was die Bewertungen der Aktien angeht – da kann man drüber streiten, ob die japanischen oder europäischen Aktien wirklich 'billiger' als die US-Titel sind ... in Europa und Japan mögen zwar die Kurs/Buchwertverhältnisse niedriger als beim S&P 500 sein, aber in Japan ist das zu einem großen Teil (immer noch) künstlich hochgerechneten Vermögenswerten zu verdanken. Und in Europa sind die Wachstumsraten deutlich niedriger – was auch für ein niedrigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) spricht. Ich will nicht sagen, dass der US-Markt billig ist, aber auch eine Sony mit einem KGV von 90 oder deutsche Banken mit einem KGV von Mitte 20 oder ein französischer Luxusartikelhersteller mit einem KGV von 30 und mehr ist nicht billig ..."
"Offensichtlich sind die USA nicht das perfekteste Beispiel für fiskalisches Verantwortungsbewusstsein. Aber Europa ist genauso schlecht, und Japan ist schlechter."
Ok, dazu möchte ich einen Kommentar abgeben. Japan und Europa sehen aus verschiedenen Blickwinkeln nicht gut aus. Ihre Volkswirtschaften sind in der Klemme.
Aber ich beschäftige mich mit den USA. Denn ich bin gebürtiger Amerikaner, und ich kann die Welt nicht durch andere Augen als durch meine eigenen sehen. Wenn es so aussieht, als ob ich die USA schlecht machen will, dann aus diesem Grund: Ich kann nicht anders, ich glaube, dass eine Nation, die glaubt, dass sie sich den Weg in den Reichtum konsumieren kann – nicht das bekommt, was sie erwartet, sondern das, was sie verdient. Und wenn das nicht so ist, nun, dann sollte es so sein.