Ich halte weiter an Gold fest
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 09. November 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Sie haben jetzt eine klare Wahlmöglichkeit, liebe(r) Leser(in).
In den USA sind im Oktober 331.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. "Zumindest ist dies keine Wirtschaftserholung ohne neue Arbeitsplätze mehr", so die Anhänger von Bush-Greenspan. Der Dow Jones ist deshalb letzten Freitag gestiegen; Charttechniker dachten, dass sie einen Break nach oben gesehen haben. Jetzt, wo Bush weitere vier Jahre im Amt ist, könnte es da sein, dass wir von unseren wirtschaftlichen Sorgen und Nöten befreit werden?
Die Bush-Greenspan-Formel ist simpel genug – niedrigere Steuern, mehr Staatsausgaben, mehr Schulden, mehr Kredite, mehr Krieg. Sie glauben, dass diese Agenda zu genug Wachstum am Arbeitsmarkt, bei der Wirtschaft und beim Dow Jones führen wird. Sie denken auch, dass dieser angebotsorientierte Ansatz die finanziellen Ungleichgewichte der Welt lösen wird, weil er den Dollar langsam fallen lassen wird, während die US-Wirtschaft boomt. "Wir werden aus unseren Problemen herauswachsen", sagen sie.
Ich hatte es irgendwie geahnt, dass Bush gewinnen würde; er ist der Mann, den die Zeit erfordert. (Ja, die "nachdenkenden Konservativen" haben gegen ihn gestimmt – aber deren zwei Stimmen brauchte er nicht).
Die europäische Presse schildert den Präsidenten als einen Cowboy, der aus der Hüfte schießt und von seinen moderateren Beratern nicht zur Vernunft gebracht werden kann. Sie denken, dass er seinen weisen Beratern den Rücken zudreht und seinen Instinkten folgt.
Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Bush ist der Mann für diesen Job, weil er keine eigene kritische Urteilskraft hat; stattdessen folgt er den Vorschlägen jedes Opportunisten und Theoristen, der durch seine Tür kommt. Kein Ausgabenvorschlag ist zu absurd. Kein militärisches Abenteuer zu kostspielig.
Mehr Schulden? Kein Problem. Mehr Ausgaben? Hier sind sie. Ein Gesetz soll verabschiedet werden? Wo unterschreibe ich?
Was kann diese Entwicklung stoppen? Wenn sich eine Gruppe von Menschen auf dem Weg in den Ruin befindet, dann gibt es nichts, das sie stoppen könnte.
Nehmen wir zum Beispiel den Ersten Weltkrieg. 1916 war es für fast jeden offensichtlich, dass dieser Krieg zu nichts führte. Zehn Millionen Menschen waren bereits gestorben. Nichts war gewonnen worden, von keiner Seite. Nichts konnte gewonnen werden. Viele Menschen realisierten, dass die Situation hoffnungslos war, aber was konnten sie tun? Sie konnten Leserbriefe an Zeitungen schreiben, die nicht gedruckt wurden. Es war hoffnungslos. Der Krieg hatte seine eigene Logik; es war egal, was die Leute darüber dachten. Und so ging er weitere zwei Jahre weiter, und kostete weitere zehn Millionen Menschenleben.
Nach dem Krieg wendete sich Russland dem Kommunismus zu. Es war den meisten Russen – und selbst Lenin selbst – klar, dass dieses System nicht das Paradies auf Erden schuf, das versprochen worden war. Aber stellen Sie sich vor, dass ein Russe 1925 einer Zeitung geschrieben hätte:
"O.k., wir haben es versucht. Aber diese Sache scheint nicht zu funktionieren. Lasst uns dorthin zurückgehen, wo wir 1917 angefangen haben , und die Sache neu beginnen."
Wiederum hatte das System seine eigene Logik. Stalin kam, als die Zeit ihn verlangte, und er hielt die Nation auf dem Weg in den Ruin. Das ging 64 Jahre weiter so.
Und jetzt ist Amerika an der Reihe. Unser Konsumentenkapitalismus wird vielleicht nicht durch Kommunismus oder Terror zerstört werden, sondern durch seine eigenen Exzesse. Deshalb braucht es jetzt Führer, die Exzesse nicht nur erlauben, sondern ermutigen. Bush und Greenspan sind nach dieser Logik die Männer, die wir jetzt brauchen. Und wir können uns darauf verlassen, dass sie so viel Ruin wie möglich produzieren werden.
Während der Dow Jones letzte Woche gestiegen ist, ist auch der Goldpreis gestiegen – auf ein neues Hoch für diese Runde. Und der Euro ist auf fast 1,30 gestiegen.
Bush-Greenspan? Nein danke; ich werde die andere Seite des Trades nehmen: Das Gold. Dieses gelbe Edelmetall ist seit 1998 um fast 60 % gestiegen. Mit Aktien konnte man seitdem per Saldo fast nichts verdienen.
Ich halte weiter an Gold fest.
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