Ich habe es doch gewusst!
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 28. Juli 2006 07:30 Uhr
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*** Ich denke, gerade passiert genau das, wovon ich sowohl vermutete, dass es passieren würde und von dem ich meine, dass es passieren sollte: Den Verbrauchern geht das Geld genauso schnell aus wie mir die Vergleiche und Metaphern.
Aber wie kann ich das wissen? Nun, ich kann es nicht wissen, aber ich kann aufgrund der Beweise, die vor mir liegen, Vermutungen anstellen. Der Dow scheint seinen Höchstwert überschritten zu haben. Ebenso die Transporte. Immobilienpreise. Und die Wirtschaft selbst. Einzelhändler und Bauunternehmer befinden sich ganz deutlich auf dem Weg nach unten.
Die Reichen werden natürlich immer reicher. Aber das ist nur ein geringer Trost für den Windelhändler, den Autohändler oder für irgendeinen der anderen Anbieter von Dingen, die den Konsum am Laufen halten. Wenn man also liest, dass die durchschnittlichen Einkommen steigen oder dass der Durchschnittsverbraucher mehr Geld zur Verfügung hat, dann rufen Sie sich in Erinnerung, dass bei diesen Durchschnittswerten auch Bill Gates und Warren Buffett erfasst sind. Während die Reichen reicher werden, steigt die durchschnittliche Menge an Geld, dass die Leute zur Verfügung haben.
Aber der normale Bürger ist nicht reich und er wird auch nicht reicher. Tatsächlich verliert er sogar Einkommen. Und jetzt, bei den fallenden Immobilienpreisen verliert er vielleicht auch „Wohlstand“. Er zahlt außerdem mehr für Benzin und für Wärme als noch vor zwei Jahren. Und er blickt höheren Hypothekenzahlungen entgegen.
Normalerweise sind es nicht die reichen Leute, die Häuser über Hypotheken mit veränderlichem Zinssatz kaufen. Ihnen geht es nicht darum, die monatlichen Zahlungen gering zu halten. Sie denken nicht so. Sie interessieren sich für die Nettokosten. Sie kaufen also eher gleich bar oder sie benutzen einfachere und günstigere Finanzierungen.
Eine reiche Person kann den Preis für eine schicke Wohnung, einen besonders edlen Wein oder eine luxuriöses Haus in Greenwich oder Malibu in die Höhe treiben. Aber diese Leute kaufen trotzdem die gleiche Menge an Windeln, an Waschpulver und Benzin wie jeder andere auch. Und wenn diese Leute mehr Geld in die Finger bekommen, dann geben sie das Geld nicht bei Walmart für die Großpackung Frühstücksflocken aus.
Nein liebe Leser, die Verbraucherwirtschaft beruht nicht auf den Ausgaben der Reichen, sondern auf den Ausgaben des Durchschnitts, des normalen Verbrauchers. Es ist der Durchschnittsbürger, der sich bis über den Hals mit Hypotheken mit angleichbaren Zinssätzen verschuldet hat, um seinen Lebensstil finanzieren zu können. Anders als die Reichen, reagieren die Verbraucher der Unter- und Mittelschicht sehr sensibel auf kleinere Veränderungen des Einkommens. Sie leben ohne große Ersparnisse und selbst ein geringer Rückgang der Einkünfte muss ausgeglichen werden, entweder durch Schulden oder durch verringerten Konsum.
Natürlich haben diese Leute einst Geld für schlechtes Wetter zurückgelegt. Aber nachdem Greenspan die Kontrolle über das Wetter übernommen hat, sah niemand mehr die Notwendigkeit dafür. Die Sparquote sank gegen Null. Die Lumpenhaushalte gaben alles aus, was sie verdienten... und dann noch ein bisschen mehr. Der Lebensstandard stieg, während das Einkommen stagnierte oder sogar sank.
Wie war das möglich? Ganz einfach: Auch die Frau ging arbeiten und sie haben einen Kredit aufgenommen. Ich will kurz darauf hinweisen, dass ein nicht arbeitender Ehepartner eine Art von Ersparnis bedeutet und eine Investition. Der Ehepartner, der zuhause bleibt, hilft den Kindern vermutlich bei den Hausaufgaben, sorgt dafür, dass sie keine Probleme bekommen und formt ihre Haltung und ihren Geist für den Erfolg. Ich habe dafür keinen Beweis, aber ich würde glauben, dass die Kinder eines aufmerksamen Elternteils, der Zuhause bleibt, besser abschneiden, als Kinder mit zwei arbeitenden Eltern. (Über Singlehaushalte mit Kindern habe ich damit nichts gesagt.)
Wenn ein Ehepartner nicht arbeitet, dann bedeutet das eine Reserve für die Familie. Wenn sich der Brotverdiener ein Bein bricht, kann seine Frau z.B. eine Halbzeitstelle annehmen, während er sich erholt. Wenn auf diese Familie unerwartete Ausgaben zukommen, dann kann der Partner der zuhause bleibt, wieder am Arbeitsmarkt einsteigen und den Verlust ausgleichen.
Aber wenn beide Eltern arbeiten, dann decken sich bald die Gesamtausgaben mit dem gemeinsamen Einkommen des Paares. Was passiert, wenn einer seinen Job verliert? Nun, wofür sind Kreditkarten gut? Oder die Refinanzierungen über Hypotheken?
Zumindest solange der Immobilienboom noch andauerte, fühlten sich die Verbraucher reich, ohne dass sie Geld verdienten. Man besaß etwas, das man beleihen konnte. Und man konnte sich sagen, dass man nur einen Teil des „Eigenkapitals“ abschöpft, das einem ja schon gehörte.
Aber jetzt, wo der Immobilienboom vorbei ist – oder wo es so aussieht, als sei er vorbei – schwebt die Verschuldung nicht nur über den wenigen Verbrauchern, sondern auch über dem ganzen Land.
*** Noch eine Internetblase? Ich will es nicht hoffen. Die erste war nicht wirklich lustig.
Wieder einmal fließt das Geld in Sachen Internet wie das Bier an warmen Tagen – 5,6 Milliarden Dollar wurden allein im ersten Quartal in neue Deals gesteckt. Web Sites mit geringen Erträgen und wenig klaren Aussichten, mehr zu bringen, erzielen spektakuläre Preise.
Man sollte doch meinen, dass die Investoren es heute besser wissen. Aber die Investoren sind wie die Wähler. Sie können sich nie länger erinnern als über vier Jahre.