Hyper-Deflation auf den Straßen von Paris
Bill Bonner, Kapitalschutz Akte vom 01.07.2009 07:30
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Kaum einen Block von meinen Pariser Büro entfernt ist ein monetäres Phänomen der Finanzpresse entgangen. In einer der teuersten Ökonomien der Welt kann man ein Damen-T-Shirt für 2 Euro kaufen. Ein Kleid? Vier Euro. Ein Herrenjacket für den Preis einer Tasse Kaffee.
Der Laden wird von chinesischen Händlern geführt... die offenkundig französische Arbeitsgesetze umgehen, indem sie nur Familienmitglieder beschäftigen. Das Unternehmen umgeht auch die hohen Mieten, indem man den Bürgersteig nutzt, unter improvisierten, blauen Dächern.
Wie kommen so billige Fälschungen in eine derart teure Stadt? Die jüngsten Zahlen zeigen eine negative Verbraucherpreisinflation in 14 Ländern. In Irland brechen die Preise um 4,7% ein. In den Vereinigten Staaten fallen sie jährlich um 1,3% - das ist der stärkste Einbruch in 59 Jahren. In Großbritannien ist die Verbraucherpreisinflation immer noch im positiven Bereich... aber sie fällt dennoch. Aber die Preise der Kleider auf dem Boulevard de la Villette scheinen aus einem Flugzeug gefallen zu sein. Das ist keine Deflation mehr, das ist Hyper-Deflation.
Was könnte das hervorgerufen haben?
Eine Vermutung: übermäßige Kapazitäten, inspiriert durch ein Übermaß an Krediten, Konsum und Unsinn während der Epoche der Blasen. Angetrieben durch das, was wie ein nicht zu stillendes Verlangen durch die Vereinigten Staaten und Großbritannien wirkte, haben die Asiaten überzählige Fabriken gebaut... die Griechen haben zu viele Schiffe gekauft... und die Amerikaner haben zu viele Malls gebaut.
Jetzt stecken die Füße in anderen Schuhen - in billigen Schuhen. Die Aktion der Blasenjahre führt zu einer gleichwertigen aber entgegengesetzten Reaktion: Ein Angebotsüberschuss verteufelt den Markt. Unfähig die überschüssige Markenbekleidung zu verkaufen, befreit der Lumpenhandel den Markt von den Alligatoren und den Polostöcken und wirft die Kleider auf die Ausverkaufskisten.
In der vergangenen Woche habe ich wegen der extrem destabilisierenden Auswirkungen der Hyperdeflation gewarnt. An dem einen Tag sparen die Männer der Mittelschicht noch für die Aussteuer ihrer Töchter. Am nächsten schwimmen sie mit einem Messer zwischen ihren Zähnen durch den Rhein.
Heute leugnen wir die Hyperdeflation dreimal ehe der Hahn kräht... und dann leugnen wir, dass wir sie verleugnet haben. Zuerst schreibt Professor Alan Blinder in der New York Times: die deutliche und gegenwärtige Gefahr, sowohl jetzt als auch in den nächsten ein bis zwei Jahren ist nicht die Inflation, sondern die Deflation."
Und dann führt die Business Week aus:
Die inflationären Auswirkungen des neuen Geldes werden vollständig ausgeglichen oder sogar mehr als ausgeglichen durch die weit reichenden und lang andauernden Einflüsse der Schuldenrückzahlungen der Haushalte. Ob es freiwillige Sparsamkeit ist oder aufgrund des Zwangs der Kreditgeber dazu kommt, die Amerikaner haben abrupt von einem Leben über die Verhältnisse zu einer Steigerung der Sparraten geführt und sie zahlen die Schulden ab, die sie in den Blasenjahren haben anlaufen lassen."
Und zuletzt schreibt Ambrose Evans Pritchard im Telegraph: Die Bemühungen der Zentralbank die Geldmenge zu steigern, kommen dem deflationären Schock kaum hinterher. Der Stimulus gewinnt keine Zugkraft. Das Kreditsystem hat Schaden genommen.
Professor Blinder erklärt, warum das so ist:
In normalen Zeiten, wollen die Banken keine zusätzlichen Reserven, die keine Profite einbringen. Deswegen verleihen sie alle trägen Finanzmittel, die sie erhalten. Unter diesen Bedingungen führt eine Erweiterung der Bankreserven der Zentralbank zu einer Expansion der Kredite und der Geldmenge und wenn es davon zu viel gibt, dann führt dies schließlich zu Inflation. Wenn man jedoch in abnormen Zeiten wie diesen die ängstlichen Banken mit Reserven versorgt, die sie verlangen, dann wird das weder ein Wachstum des Geldes noch der Kredite führen - und es ist daher nicht inflationär."
Reserven sind das, was in den Blasenjahren niemand wollte. Jetzt leben wir in einer Welt voll von Hamstern. Die Banker erweitern ihre Reserven, genauso die einzelnen Bürger und die Unternehmen. Die Amerikaner haben seit den Dreißigern im Schnitt 7% des frei verfügbaren Einkommens zur Seite gelegt. In der Blase der Jahre 2002 bis 2007 ist der Anteil auf Null gefallen. Jetzt liegt er wieder bei 5% und er steigt weiter. Die Sparsamkeit erlebt ein Comeback. Die Leute schneiden sich heute selbst die Haare und bepflanzen ihre eigenen Gärten.
Wenn die Verbraucher nicht weiter konsumieren, dann hören die Produzenten auf zu produzieren. Und die Frachtunternehmen haben nicht zu verfrachten. Der Welthandel ist um mehr eingebrochen als in den frühen Phasen der Weltwirtschaftskrise. Und bei einer Kapazität von 65% der Kapazität, gibt es in Amerika heute mehr lahmliegende Fabriken als zu irgendeiner anderen Zeit seit man nach dem Zweiten Weltkrieg aufgehört hat, Panzer und Flugzeuge zu bauen.
Die Unternehmenseinkünfte fallen, und es ist keine Preismacht in Sicht. In dieser Hinsicht ist dieser Abwärtstrend noch deflationärer als die Rezession in Japan in den Neunzigern. Als Japan in die Krise ging, setzte der Rest der Welt sein Wachstum fort. Japan konnte auch weiterhin produzieren und Produkte exportieren - und das mit Gewinn. Doch bei einer derartig hohen überzähligen Kapazität sind die Herstellerpreise in neun von zehn Jahren zurückgegangen.
Und jetzt zur Leugnung:
Diese Kommentatoren haben Recht; die Deflation ist das unmittelbare Problem. Ich gehe davon aus, dass sie noch tiefer und noch ärgerlicher ausfallen wird, als sie selbst es sich vorstellen können.
Die Geldmaschine der Regierung ist kaputt.
Man kann Reserven ergänzen. Man kann die Reserven in eine Preisinflation auf Verbraucherniveau verwandeln. Die Folge: Deflation... vielleicht auch eine Hyperdeflation. Aber anstatt die Gefahr einer Hyperinflation zu beseitigen, garantieren fallende Preise sie praktisch.
Mit anderen Worten ist es nicht die Inflation, um die wir uns Sorgen machen müssen. Es ist ein Mangel an Inflation. Nicht in der Lage, die Inflation auf die übliche Weise hervorzurufen, ist die Regierung gezwungen, außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen.
Nur Zentralbanker, die mit dem Rücken zu Wand stehen - wie in Deutschland in den Zwanzigern... oder in Argentinien in den Achtzigern... oder in Simbabwe in den frühen Jahren dieses Jahrhunderts... würden es wagen, eine Hyperinflation zu riskieren. Aber wenn die Bemühungen, eine milde Preisinflation hervorzurufen, nicht funktionieren, dann werden sich die Vereinigten Staaten am Ende in einer verzweifelten Lage wiederfinden.
Das dicke Ende kommt erst noch!
Griechenland war nur die Blaupause für weitere Bankrotte mitten in der EU. Das Problem:
Deutsche Banken sind Hauptgläubiger in Griechenland! Darunter so „solide" Adressen wie die Hypo Real Estate (!) und mehrere Landesbanken.
Das nächste Land hat bislang noch keiner auf dem Radar (kein PIIGS-Land!). Obwohl seine Staatsanleihen „auf einem Bett aus Nitroglycerin" ruhen.
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