Hüpfende Korken auf dem ökonomischen Ozean
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 10. Oktober 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Es gibt drei Arten von Ökonomien, sagen die ortsansässigen Wirtschaftler in Argentinien. Es gibt die entwickelten Ökonomien, es gibt die unentwickelten Ökonomien. Und es gibt Argentinien.
Ich werde mich gleich wieder Argentinien zuwenden. Aber zuerst will ich nachsehen, was gerade in den Vereinigten Staaten los ist.
Das ist nicht genauso leicht wie Schlagzeilen zu lesen. Das Problem ist, dass alles im Schwimmen ist. Es ist so, als versuche man, die genaue Position eines Korkens zu bestimmen, der auf dem Atlantik schwimmt. Der Wind weht ihn weiter. Die Ströme ziehen ihn mit sich. Und ehe man sich versieht, ist man in Kapstadt.
Als der Dow also am vorvergangenen Montag einen neuen Rekord verzeichnete, da musste ich mich fragen: Im Vergleich wozu?
Bemessen am Dollar war der Dow nie zuvor mehr wert. Die Spieler am Aktienmarkt fühlen sich ziemlich gut. Die großen Firmen an der Wall Street sagen ihren Kunden, die guten Zeiten lägen immer noch vor ihnen. Selbst Alan Greenspan sagt, dass die kritische Situation bei den Krediten langsam nachließe.
Jetzt verteilt die Zentralbank noch mehr Geld ... die glücklichen Zeiten sind wieder zurückgekehrt. Nicht nur der Dow ist gestiegen, auch die Rohstoffe sind gefallen. Öl ist unter 80 Dollar gefallen, der Euro liegt immer noch bei über 1,40 Dollar, aber nicht so hoch wie in der Woche zuvor. Und Gold musste Schläge einstecken. Doch einen Augenblick noch: Gold liegt momentan deutlich höher als noch vor einem Jahr, oder vor zwei Jahren ... oder vor drei Jahren ...
Die Aktien sind heute so wertvoll, weil man sie verkaufen kann und das Geld für Dinge verwenden kann, die man haben will. Man kann ein Aktienzertifikat nicht essen. Man kann in einem Aktienzertifikat nicht leben. Man kann damit nicht zur Arbeit fahren. Alles, worum es wirklich geht, (abgesehen von den Dividenden), ist der Preis, für den man die Aktien verkaufen kann und was man mit dem Geld tun kann.
Nun, vor fünf Jahren, am Tiefspunkt der Korrektur – hätte man mehr Öl für den Aktienerlös kaufen können als heute ... ungefähr doppelt so viel.
Und Weizen? Ja, auch davon hätte man mehr kaufen können ... deutlich mehr.
Und natürlich auch von Gold. Bemisst man den Dow von seinem Gipfel 2000 bis zu seinem neuen Gipfel im Jahr 2007, könnte man immer noch nicht so viel Gold mit den Dow-Aktien kaufen wie vor sieben Jahren. Um genau zu sein, kann man die Aktien heute, sogar zu einem höheren Preis verkaufen, und immer noch nur halb so viel Gold dafür kaufen.
Die Aktien mögen steigen … aber die Währung, in der sie ausgezeichnet sind, fällt noch schneller.
Und jetzt sagt Bill Gross, der Vorsitzende eines der größten Anleihenfonds der Welt, dass er davon ausgeht, dass die Zinssenkungen durch die Zentralbank gerade erst begonnen hätten. Er geht davon aus, dass das Problem bei den Immobilien nicht so bald verschwinden wird ... und dass die Zentralbank gezwungen sein wird, als Reaktion darauf einen weiteren Prozentpunkt vom Leitzinssatz zu nehmen.
Gute Nachrichten für die Aktien? Viele Leute gehen davon aus. Geringere Zinssätze sind normalerweise gut für Wertpapiere, sagt man. Und viele gehen davon aus, dass ein geringerer Dollar auch für die amerikanischen Exporteure gut sein wird. Die amerikanischen Preise sind günstig und werden noch günstiger. Schon bald wird Amerika ein wirtschaftliches Kraftwerk –angefeuert von den Exporten – sein, genauso wie Japan oder China! Bald werden die Leute Autos kaufen, die in den Vereinigten Staaten hergestellt wurden ... amerikanische Parfums ... amerikanische Schnäpse ... amerikanische Computer ... amerikanische Geräte. Die Unternehmensprofite in den Vereinigten Staaten werden steigen. Die Löhne in den Vereinigten Staaten werden zuletzt auch steigen. Und auch die Aktien werden steigen, während die Erträge in den Himmel schießen.
Alles ist möglich. Aber ich gehe davon aus, dass der Dollar schneller fallen wird, als die amerikanischen Aktien steigen werden ... wenn sie überhaupt steigen werden.
Außerdem gehe ich auch nicht davon aus, dass all diese anderen kleinen Korken, die an den Weltmärkten herumdümpeln, still sitzen werden, während Dollar-Anlagewerte im Wert von Billionen Dollar durch die Inflation ausgelöscht werden. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass sie den Dollar fallen lassen werden ... und ihr eigenes Geld in ihre eigenen Ökonomien zurückführen ... und damit die amerikanischen Zinssätze nach oben treiben ... selbst wenn die amerikanischen Finanzvertreter noch versuchen, die nominalen Zinssätze unten zu halten ... und damit die Vereinigten Staaten in einen ernsten Konjunkturrückgang schicken werden.
Ähnliches passiert auch anderswo. Besonders auffällig in Argentinien.