Kathrin Dörfeld in Insider Daily zum Thema Aktien
vom
seit September letzten Jahres steht die frühere eBay-Chefin Meg Whitman an der Spitze des weltgrößten PC-Herstellers Hewlett Packard und räumt auf - im wahrsten Sinne des Wortes. Man hatte große Hoffnungen in Whitman gesetzt, dass sie den Computerriesen aus der wirtschaftlichen Misere ziehen würde, aber diesen Auftrag konnte sie wohl kaum innerhalb eines so kurzen Zeitfensters stemmen. Der kalifornische Konzern steckt auch acht Monate nach dem Wechsel auf dem Chefsessel noch immer bis zur Unterlippe in finanziellen Schwierigkeiten.
Drucker-Sparte läuft auf Sparflamme
Das Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley leidet vor allem darunter, dass immer mehr Kunden zu einem Tablet-Computer oder ihrem Smartphone greifen und sich den Kauf eines neuen PCs sparen. Zusätzlich erschwerend kamen in der Vergangenheit hausgemachte Probleme wie Querelen und konfuse Entscheidungen im Management dazu, die sich negativ auf die Entwicklung des IT-Konzerns auswirkten. Hewlett Packard verkauft nicht nur weniger Computer, sondern auch weniger der ehemals so ertragreichen Drucker. Der Umsatz der Drucker-Sparte ging im abgelaufenen Quartal um satte 10% zurück. Meg Whitman hatte aber bereits im März angekündigt, die Drucker- mit der PC-Sparte wieder zusammenzulegen, nachdem ihr Vorgänger, der aus Deutschland stammende Leo Apotheker, das PC-Geschäft abspalten und sich nur noch auf IT-Dienstleistungen und Software konzentrieren wollte. Die Fusion der Sparten ist eine radikale Abkehr von Apothekers ehemaligen Plänen, mit der Whitman eine Verbesserung bei Produktion, Einkauf, Kundendienst und Marketing verfolgt. Aber gut Ding will Weile haben. Momentan droht dem Unternehmen leider noch immer der Verlust der PC-Marktführerschaft. Denn entgegen dem allgemeinen Trend konnte der chinesische Rivale Lenovo merklich zulegen.
Schwache Zahlen zwingen zum Mitarbeiterabbau
Im zweiten Geschäftsquartal von Februar bis April ging der Umsatz des US-Konzerns um 3% auf 30,7 Mrd. Dollar zurück. Der Gewinn sackte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31% auf 1,6 Mrd. Dollar ab. Das schleppende Geschäft treibt den PC-Hersteller nun zu einem radikalen Job-Abbau: Voraussichtlich 27.000 Mitarbeiter müssen das Unternehmen bis zum Herbst 2014 verlassen. Das entspricht ungefähr 8% der Belegschaft. Kurzum, circa jeder zwölfte HP-Beschäftigte muss innerhalb der nächsten zwei Jahre seinen Arbeitsplatz räumen. "Ein Stellenabbau ist niemals leicht, aber in diesem Fall ist er absolut notwendig", erklärte die ehemalige eBay-Lenkerin am Mittwoch. Die IG Metall befürchtet, dass auch hierzulande hunderte Arbeitsplätze wegfallen. Der Computerriese unterhält unter anderem Standorte in Böblingen und München. Der rund 330.000 Mitarbeiter beschäftigende Konzern will den Stellenabbau aber weitgehend ohne Entlassungen über die Bühne bringen und stattdessen Frühpensionierungen anbieten.
HP fasst Boden unter den Füßen
Ein gutes Zeichen ist, dass sich der Umsatz- und Gewinnrückgang im Vergleich zum vorangegangenen Weihnachtsquartal verlangsamt hat. Auch Experten sehen erste Anzeichen dafür, dass der Computer-Spezialist nach einem turbulenten vergangenen Jahr mit zwei Chefwechseln wieder Fuß fasst. "Ich würde noch nicht so weit gehen zu sagen, wir haben die Kurve gekriegt, aber wir machen Fortschritte", sagte Whitman in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Es dauere, HP wieder auf die richtige Spur zu bringen. Der Stellenabbau solle jährlich jedenfalls bis zu 3,5 Mrd. Dollar sparen. Das gesparte Geld will die Konzernchefin dann in die Forschung und Entwicklung stecken, um den Rückstand bei den Kernprodukten Drucker und PCs aufzuholen. Zudem wagt Hewlett Packard einen zweiten Versuch, ins lukrative Geschäft mit Tablets vorzustoßen.
"Der Abbau ist in diesem Fall absolut entscheidend für die langfristige Gesundheit des Unternehmens", schätzte Whitman die Lage ein. Und vielleicht ist ja gerade der radikale Personalabbau der Befreiungsschlag und verhilft dem angeschlagenen Computerhersteller zu besseren Zeiten.
Ich wünsche Ihnen ein schönes und erholsames Pfingstwochenende.
Ihre
Kathrin Dörfeld