Horror-Zahlen
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 8. Dezember 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
In der abgelaufenen Handelswoche ging es beim deutschen Leitindex wieder einmal talwärts. Am Freitag stand ein Wochenverlust von sechs Prozent auf den Tafeln.
Etwas glimpflicher kamen indes der Nikkei bzw. der S&P500 davon. Hier fielen die Verluste mit drei bzw. 2,25 Prozent relativ bescheiden aus.
Absturz am US-Arbeitsmarkt
Alles andere als glimpflich fielen indes die jüngsten November-Daten vom US-Arbeitsmarkt aus. Mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze wurden abgebaut. Dabei handelt es sich um den größten Stellenabbau seit 1974. Die Arbeitslosenquote schnellte auf 6,7 Prozent hoch, den höchsten Wert seit 1993. Selbst in den normalen" Medien wurden die jüngsten Zahlen als katastrophal bezeichnet. Volkswirte nahmen in ihren diversen Kommentaren der Arbeitsmarktzahlen die Adjektive desaströs, schockierend, unfassbar schlecht" in den Mund.
Konsum bricht weg
Auch beim Konsum zeigt sich immer deutlicher die Dramatik des Abschwungs. Im November brach der US-Einzelhandelsumsatz um fast drei Prozent ein. Das ist der heftigste Absturz seit 35 Jahren. Und, es spricht sehr, sehr wenig für eine wirklich nachhaltige Erholung. Wir stehen ja erst am Beginn der zweiten großen US-Depression. Und, insofern haben wir das Schlimmste noch lang nicht hinter uns.
Anhaltende Flucht in Staatsanleihen
Vor dem Hintergrund der desolaten Rahmendaten verwundert es nicht, dass der extreme Run" in die Staatsanleihen in jüngster Vergangenheit zu historischen Rendite-Tiefständen führte. Inzwischen notieren Drei-Monats-US-Staatsanleihen nahe null, zweijährige US-Staatsanleihen mit 0,92 Prozent. Selbst erfahrene Rentenmarktstrategen sprechen nunmehr schon von einer Rallye, die in bisher ungeahnte Gefilde" geführt hat. Dennoch, mit Blick auf die langen Laufzeiten ist es nicht unangebracht, auf einem derart hohen Niveau auf den Verkaufsknopf zu drücken.
Rohstoffpreise unter Druck
Apropos Verkaufsknopf, bei den Rohstoffen ging in der vergangenen Woche der Ausverkauf weiter. Der Ölpreis erlebte seinen größten Wochen-Absturz seit dem Golfkrieg, der Zusammenbruch bei den Industriemetallen ging ebenfalls in eine neue Runde. Es ist mehr als fraglich, ob die diversen Minen-Schließungen und drastischen Produktionskürzungen der Unternehmen den dramatischen Preiszerfall kurzfristig aufhalten können.
Gold mit relativer Stärke
Auffällig war erneut, dass das gelbe Edelmetall gegenüber den Rohstoffen relative Stärke aufwies. Zwar kam auch Gold unter Druck, konnte sich am Freitag aber bei einem Preisniveau über 750 Dollar bzw. 592 Euro stabilisieren.
Es könnte in den nächsten Wochen durchaus so sein, dass Gold von Umschichtungen aus anderen Anlageklassen durchaus profitiert und weiter relative Stärke zeigt.
Mögliche temporäre Taucher selbstverständlich nicht ausgeschlossen.