Hoher Spread? So viel ist erlaubt!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 9. Juni 2010, 12:00 Uhr
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Ein Leser schrieb mir zu einem von ihm gekauften Schein:
„Ich erinnere mich nicht mehr, wie hoch der Spread gestern genau war, aber er lag irgendwo zwischen 3 und 7 %. (Einen Tag später) wurde der Spread auf über 11,5 % erhöht (zu so einem Spread hätte ich das Zertifikat nicht gekauft). Nun sehe ich gerade im Geld/Brief-Chart der Boerse Stuttgart, dass der Spread kurz vor 16:00 Uhr auf 6% zurückgeht. Möglicherweise hängt das mit den Öffnungszeiten der Amerikanischen Börsen zusammen? Jetzt meine Fragen: Gibt es irgendwelche Grenzen oder Regularien für die Höhe der Spreads oder können die Emittenten diesen nach freiem Gutdünken festlegen? Immerhin kann sich ein bereits investierter Anleger ja nicht mehr wehren (im Gegensatz zu einem noch nicht investierten, der Scheine mit zu hohem Spread einfach nicht kauft). Verstößt so eine massive Erhöhung eines ohnehin schon sehr hohen Spreads nicht gegen Treu und Glauben gegenüber dem schon investierten Anleger? (Theoretisch könnte der Emmitent den Spread ja sonst auf 100% erhöhen, dort belassen und alle investierten Anleger enteignen.)"
Meine Antwort:
Zunächst eine Klarstellung des Begriffs „Spread": Bei Zertifikaten bezeichnet das die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs. Ist eben „Trader-Jargon".
Kennt man, so eine Spanne: Macht ja jeder Händler so. Wenn Sie z.B. einen Wagen an einen Händler verkaufen, würden sie mehr zahlen müssen, wenn Sie direkt danach zurückkaufen möchten. (Theoretisch; denn kein wahres Mitglied der Trader´s Daily-Gemeinde würde sich so verhalten.)
Grundsätzlich gilt: Wenn der Emittent den Spread erhöht, können wir nichts machen und müssen das hinnehmen.
ABER: Nur, solange diese Spread-Erhöhung in gewissen Grenzen bleibt.
Wie hoch diese „gewissen Grenzen" sind, können Sie leicht selbst überprüfen! Und zwar so:
1. Gehen Sie auf die Seite www.boerse-stuttgart.de und geben Sie dort die WKN des betreffenden Scheins ein.
2. Dann erscheint rechts eine Liste mit diversen Kennzahlen. Wichtig für das heutige Thema sind die Punkte „Bezugsverhältnis" und „max. homog. Spread in Euro".
Das „max. homog. Spread in Euro" steht für: "Maximaler homogenisierter Spread in Euro."
Bedeutet verständlich: So groß darf der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs maximal sein. Bezogen auf ein Bezugsverhältnis von 1:1, das ist wichtig! (Das bedeutet in diesem Zusammenhang "homogenisiert": Umgerechnet auf ein Bezugsverhältnis 1:1.)
Und hier kommt das Bezugsverhältnis ins Spiel: Wenn es nicht bei 1:1 liegt, sondern bei 100:1, dann muss der angegebene „max. homog. Spread in Euro" durch 100 geteilt werden. Bei einem Bezugsverhältnis von 1000:1 durch 1000, bei 10:1 durch 10 usw.
Dazu ein Beispiel:
Es wird ein „max. homog. Spread in Euro" von 40,00 Euro genannt, und ein Bezugsverhältnis von 100:1.
Bedeutet für den maximalen Spread: Dieser darf bei 0,40 Euro liegen (40,00 Euro geteilt durch 100).
Sie können sicher sein: Der Emittent wird bei der Größe „max. homog. Spread in Euro" einen möglichst hohen Wert angeben.
Es gilt: Betroffen sind in erster Linie Optionsscheine, die „aus dem Geld notieren", d.h. keinen inneren Wert haben. Und Basiswerte, zu denen vielleicht nur ein Emittent einen Schein herausgebracht hat. Denn auch hier gilt: Konkurrenz belebt das Geschäft, d.h. führt zu tendenziell niedrigeren Spreads.
Mein Rat: Auf jeden Fall sollten Sie vor dem Kauf eines Scheins nachschauen, was der Emittent als maximal möglichen Spread angegeben hat.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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