Hohe US-Arbeitslosenquote: Exit-Strategien jetzt noch zu früh?
Miriam Kraus in Investors Daily
vom 4. September 2009, 18:00 Uhr
ENL5462
Mein geschätzter Kollege Tom Firley weilt - wie Sie wissen - gegenwärtig im wohlverdienten Familienurlaub. Ich bin sicher, Sie gönnen ihm diesen ebenso sehr wie ich und nehmen dementsprechend heute einmal mit einem Beitrag aus meiner Feder vorlieb, auf dass Kollege Firley sich heute am Strand entspannen darf.
Apropos Entspannung....
Von Entspannung oder Erholung kann im US-Arbeitsmarkt bislang nicht die Rede sein
Heute hat das US-Arbeitsministerium die aktuellen Daten zum Arbeitsmarkt bekannt gegeben. So fielen im August weitere 216.000 Stellen weg. Damit hat sich der Jobabbau in den USA, sogar deutlicher als erwartet, verlangsamt. Der Konsens der Analysten hatte zuvor die Streichung von weiteren rund 230.000 Stellen erwartet. Im Vormonat Juli lag die Zahl der weggefallenen Stellen noch bei rund 276.000.
Doch die heutige Hiobsbotschaft war der unerwartet starke Anstieg der US-Arbeitslosenrate von 9,4% auf 9,7%!!
Der Arbeitsmarkt als Unsicherheitsfaktor
Sicher, die heute veröffentlichten Arbeitsmarktdaten zeigen, dass die Geschwindigkeit sinkt, mit welcher der Jobabbau vonstatten geht. Die Wirtschaft befindet sich zumindest am Beginn einer vagen Stabilisierung - dennoch, nach wie vor werden Stellen gestrichen, nach wie vor steigt die Arbeitslosenrate. Der US-Arbeitsmarkt steckt damit weiterhin in der Misere.
Und damit auch die Wirtschaftliche Leistung in den USA!
Denn der Arbeitsmarkt ist ein Unsicherheitsfaktor für die Konsumnachfrage. Insbesondere im Angesicht der traditionell schwachen Sparquote der Amerikaner. Wenn aber die Konsumausgaben nicht wieder kräftig ansteigen, bedeutet dies eine deutliche Bremse für die konjunkturelle Erholung. Denn immerhin rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in den USA wird durch Konsumausgaben bestritten. Zwar rechnet das Gros der Experten nicht damit, dass die Misere am Arbeitsmarkt die Konjunkturerholung insgesamt verhindern wird, Verzögerungen sind in meinen Augen aber durchaus denkbar.
Oder, um es mit den Worten von US-Finanzminister Geithner zu sagen: Wir haben bereits eine lange Wegstrecke hinter und gebracht, aber ich denke, wir müssen realistisch bleiben, denn es liegt noch ein weiter Weg vor uns!
Arbeitsmarktdaten unterstützen späte Exit-Strategie
Aufgrund des nach wie vor weiten zu beschreitenden Weges, hält Finanzminister Geithner es im Moment auch noch für verfrüht, Ausstiegsstrategien aus den fiskalpolitischen Stimulierungsmaßnahmen durchzuführen.
Somit ist auch ein baldiger geldpolitischer Strategiewechsel der US-Notenbank FED nach wie vor unwahrscheinlich. Ein Blick auf die Vergangenheit bestätigt diese Einschätzung. In vergangenen Rezessionen hatten die FED-Verantwortlichen immer erst eine sich abzeichnende Erholung am Arbeitsmarkt abgewartet, um die Zinsschraube wieder nach oben zu drehen.
Exit-Strategien - ein Thema dessen Erörterung am kommenden G-20-Wochenende mit Spannung erwartet wird.
Es wird sich zeigen ob die Finanzminister am kommenden Wochenende erneut Einigkeit beweisen werden, wenn es nun um kommende Exit-Strategien aus QE-Maßnahmen geht.
Deutschland und auch andere europäische Staaten, würden gerne ihre fiskalischen Defizite in Grenzen halten und auch der Gefahr einer Inflation entgegen treten.
Dennoch ist wohl der Großteil der Zentralbanken noch weit davon entfernt einen Strategiewechsel durchzuführen. Gestern erklärte EZB-Präsident Trichet, man habe zwar bereits an Plänen für den Ausstieg gearbeitet, bislang sei allerdings noch lange nicht die Zeit dafür gekommen, diese Pläne auch umzusetzen.
Grundsätzlich scheinen die Märkte solche Aussagen, in denen zwar von der beruhigenden Möglichkeit, noch nicht aber von der Umsetzung die Rede ist, mit Wohlgefallen aufzunehmen. Im Moment dürfte dementsprechend wohl die größte Bedrohung für das Vertrauen der Investoren sein, wenn sich der Konsens für die Notwendigkeit der Erhaltung der Hilfsprogramme auflöst. (Denn diese wollen koordiniert sein, damit nicht wie anno dazumal in den 30ern, auf eine kurze Erholungsphase eine Double-Dip-Rezession folgt.)
Und wie wir alle wissen: im Markt versetzt nur der Glaube (oder das Vertrauen) die Berge!
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