Hohe Kassenbestände suchen Anlagemöglichkeiten
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 30. August 2010, 13:00 Uhr
ENL5462
die Situation an der Konjunkturfront ist unverändert. Während die Daten aus den USA immer deutlicher schwächeln, kommen aus Europa und insbesondere Deutschland sehr viel bessere Zahlen.
Dies ist Ihnen aus den vergangenen Beiträgen bereits bekannt und es lohnt sich kaum noch zu erwähnen, bis sich hier eine Änderung abzeichnet. Daher möchte ich Sie auch heute und am Mittoch auf eine ganz andere Entwicklung am Markt hinweisen, die mir derzeit noch einige Fragezeichen aufkommen lässt.
Aber werfen wir zunächst einen Blick auf besagte Konjunkturdaten und fangen wir erst mit den schlechten Nachrichten an:
US-Konjunkturdaten
Der Richmond Fed Manufacturing Index weist für August einen Rückgang auf. Während er im Vormonat noch bei 16 Punkten lag, fiel er um 5 auf 11 Punkte.
Ein nicht sehr wichtiger Indikator. Deutlich imposanter sind da schon die Zahlen zur Immobilien-Situation in den USA. Und die sehen wirklich äußerst schlecht aus:
Häusermarkt kollabiert nach Auslaufen der Steuererleichterungen
Die Verkäufe bestehender Häuser kollabierten um annualisiert 27,2% auf 3,83 Millionen. Damit fielen die Verkäufe mit dem größten jemals registrierten monatlichen Rückgang auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1999. Die Erwartung lag lediglich bei einem Rückgang zwischen 4,6 bis 4,75 Millionen. Im Monat zuvor waren 5,26 Mio. Häuser verkauft worden. Damit wurde auch der Vormonatswert von 5,37 Mio. deutlich nach unten revidiert.
Bei den US-Neubau-Verkäufen rechneten die offiziellen Schätzungen im selben Berichtsmonat mit einem Anstieg um 0,9% auf 300.000 bis 330.000 Hausverkäufen gegenüber dem Vormonat. Es ergab sich jedoch ein Monatsminus von 12,4 % auf 276.000, was ein Rekordtief seit Beginn der Datenaufzeichnung 1963 darstellt.
Im Monat zuvor waren 315.000 Hausverkäufe registriert worden. Damit wurde die zuvor veröffentlichte Zahl ebenfalls von 330.000 nach unten revidiert.
Der FHFA-Hauspreisindex zeigte daneben einen neuerlichen Preisrückgang um 0,3% an.
Der dramatische Absturz zeigt, dass der US-Immobilienmarkt nach dem Ende der Steuererleichterungen weiterhin erst noch in einer finalen Bereinigung steckt. Die aktuellen Daten sind also im Prinzip ähnlich verzerrt, wie die Daten vom US-Arbeitsmarkt im Zusammenhang mit dem Auslaufen der Jobs für die Volkszählung in den USA.
US-Wirtschaftswachstum schwächt sich ab
Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal deutlich schwächer gewachsen als zunächst gedacht. Sie legte in diesem Zeitraum aufs Jahr hochgerechnet nur um 1,6% zu, wie das Handelsministerium am Freitag mitteilte. In einer ersten Schätzung war noch von 2,4% die Rede gewesen.
Für mich keine Überraschung - sollte es eigentlich auch für niemanden sonst gewesen sein und so hatten auch Experten mit einer Abwärtsrevision gerechnet. Volkswirte schätzten im Vorfeld bereits, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal nur um 1,3% gewachsen ist.
Nur zur Erinnerung: In den ersten drei Monaten des Jahres hatte das Bruttoinlandsprodukt noch um 3,7% zugelegt.
Auch die US-Auftragseingänge langlebiger Gebrauchsgüter enttäuschten ebenfalls schwer: Sie stiegen im Juli lediglich um 0,3% (ex Transport: -3,8 %) gegenüber dem Vormonat, obwohl +2,8% zum Vormonat erwartet wurden.
Das sind schon extrem schlechte Nachrichten, die da erneut über den großen Teich schwappen. Und wo wir gerade bei den Auftragseingängen sind, kommen wir nun zu den guten Nachrichten:
Schnell zu den guten Nachrichten
Die Auftragseingänge der Industrie in der Eurozone konnten positiv überraschen und stiegen im Juni um 2,5% zum Vormonat. Erwartet worden war nur ein Plus von 1,5%. Die Daten des Vormonats wurden zudem von 3,8% auf 4,1% nach oben revidiert. Eine sehr positive Entwicklung.
Stimmung der Unternehmen und Konsumenten in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau
Der Ifo-Geschäftsklimaindex konnte im August abermals zulegen. Wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte, weist er für August einen Anstieg um 0,5 auf 106,7 Punkte von 106,2 Punkten im Vormonat aus. Damit erreichte das Stimmungsbarometer den höchsten Stand seit Juni 2007 und übertraf zudem die Erwartungen der Analysten, die zuvor mit einem Rückgang des Index auf 105,7 Punkte gerechnet hatten.
Für die nahe Zukunft zeigten sich die etwa 7.000 befragten Unternehmen etwas verhaltener. Sie schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate minimal schlechter, die Lage aber besser ein.
"Es sei jedoch davor gewarnt zu glauben, dass der Konjunkturaufschwung in Deutschland von den Entwicklungen im Ausland unberührt. Sollten die USA in eine Rezession rutschen und Asien langsamer wachsen als bisher, dann werde sich dies auch auf Deutschland auswirken", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger.
Aber auch das ist für die Leser des WAVE Daily nichts neues.
Nach dem rasanten Wachstum der Wirtschaft im zweiten Quartal rechnen viele Experten für das laufende dritte Quartal mit einer Konjunkturabkühlung. Vor allem die sinkende Auslandsnachfrage dürfte die Erholung etwas ausbremsen. Aus diesem Grund sehen Fachleute ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im dritten Quartal von nur noch 0,5%. Für das Gesamtjahr wird mit einem Wachstum der Wirtschaftsleistung um etwa 3,3% gerechnet.
Zur Erinnerung: "Das ifo Geschäftsklima basiert auf circa 7.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels. Die Unternehmen werden gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate mitzuteilen. Sie können ihre Lage mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" und ihre Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monaten als "günstiger", "gleich bleibend" oder "ungünstiger" kennzeichnen." (Quelle: ifo)
Wie viel Aufmerksamkeit Sie vor diesem Hintergrund dem ifo-Index geben, bleibt Ihnen überlassen. Fakt ist, dass sich der Eindruck, den der Stimmungsindex vermittelt, nahtlos in die Reihe der bisherigen Konjunkturdaten einfügt.
Dem unerwartet gestiegenen Ifo-Geschäftsklimaindex folgte die nächste positive Nachricht von der deutschen Wirtschaft. Das GfK-Konsumklima für September stieg leicht auf 4,1 Punkte (Prognose: 4,0 Punkte). Der Vormonatswert wurde von 3,9 auf 4,0 Punkte nach oben revidiert.
Besonders interessant ist hierbei eine weitere Verbesserung der Konjunkturerwartungen. Die Konjunkturerwartung verzeichnet mit +9,8 Punkten auf 46,6 Zähler nicht nur einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vormonat und entspricht im Vergleich zum Vorjahresmonat einem Plus von 54,1 Punkten, sondern ist damit wieder auf dem höchsten Wert seit August 2007 angelangt.
Das GfK-Konsumklima macht damit Hoffnung auf eine anhaltende Stabilisierung des privaten Konsums.
Inflation in Sicht?
Der Index der Einfuhrpreise lag nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes im Juli 2010 um 9,9% über dem Stand vom Juli 2009. Dies war die höchste Jahresteuerungsrate seit November 2000 (+ 10,6% gegenüber November 1999). Im Juni 2010 hatte die Jahresänderungsrate + 9,1% und im Mai 2010 + 8,5% betragen.
Klingt viel, ist es auch - allerdings eben gegenüber dem Vorjahr. Gegenüber dem Vormonat Juni 2010 hingegen fiel der Einfuhrpreisindex im Juli 2010 um 0,2%.
Ganz ähnlich entwickelten sich auch die Ausfuhrpreise.
Der Index der Ausfuhrpreise erhöhte sich im Juli 2010 im Vergleich zum Juli 2009 um 4,1%. Dies war die höchste Jahresteuerungsrate seit Juni 1982 (+ 4,3% gegenüber Juni 1981). Im Juni 2010 hatte die Jahresänderungsrate + 3,9% und im Mai 2010 + 3,6% betragen. Bezogen auf den Vormonat Juni 2010 veränderte sich der Ausfuhrpreisindex nicht.
Wie das Statistische Bundesamt ebenfalls mitteilte, wird sich der Verbraucherpreisindex in Deutschland im August 2010 gegenüber August 2009 nach bisher vorliegenden (vorläufigen) Ergebnissen voraussichtlich um 1,0% erhöhen (Juli 2010: + 1,2% gegenüber Juli 2009). Im Vergleich zum Vormonat Juli 2010 bleibt der Verbraucherpreisindex unverändert.
Nach wie vor tragen Mineralölerzeugnisse (Heizöl und Kraftstoffe) maßgeblich zu der Teuerungsrate bei. Die Jahresänderungsrate des Gesamtindex von + 1,0% wird im August 2010 zusätzlich durch teilweise starke Preissteigerungen bei Obst und Gemüse mitbestimmt.
Inflationssorgen dürften (vorerst) vor diesem Hintergrund weiterhin unbegründet sein. Hören Sie nicht auf die Marktschreier, die vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen vor einer ausufernden Inflation warnen. Klar, es KANN sie geben, aber nur dann, wenn die Notenbanken die Liquidität rechtzeitig nicht wieder abziehen. Hiernach sieht es im Moment aber schlicht und ergreifend nicht aus.
Und zu guter Letzt
Die Ratingagentur S&P hat das Rating für Irland herabgesetzt. Aktuell stuft S&P das irische Langfristrating nun mit AA- nach zuvor AA ein.
Gleichzeitig senkten die Ratingexperten den mittelfristigen Ausblick für Irland auf negativ. Das bedeutet, dass in den kommenden ein bis zwei Jahren eine neuerliche Herabstufung droht.
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