Hoffungsträger Jatropha-Nuss?
Gastbeitrag Michael Vaupel in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 2. September 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Biodiesel-Produktion der nächsten Generation.
Ich (Chefredakteur des "Trader´s Daily") habe mir gerade einige Plantagen angesehen, auf denen der notwendige Rohstoff angebaut wird. Und zwar: „Jatropha curcas".
Zu Deutsch: Purgier- oder Brech-Nuss.
(Letzteres wohl deswegen, weil die Pflanze für den Menschen ungenießbar ist.)
Gefällt mir außerordentlich, diese Pflanze! Sie wächst unter kärgsten Bedingungen. In Thailand sogar am Strand. Sie braucht nicht viel Nährstoffe - dafür viel Sonne. Wenn Sie in Wüstengegenden angebaut wird, reicht ihr als Wasserversorgung Abwasser.
Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber Biodiesel aus Palmöl! Denn diese Palmen nutzen fruchtbares Land, für welches im schlimmsten Fall tropische Regenwälder abgeholzt wurden.
Die Jatropha-Pflanzen können deshalb auf Land angebaut werden, welches kaum in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht. Sie können Erosion vorbeugen. Sie können sogar die Ausweitung von Wüsten verhindern.
Und - ganz nebenbei sozusagen - Biodiesel produzieren. Denn die Nüsse lassen sich pressen, daraus lässt sich 1a Öl erzielen. Schon zwei Jahre nach dem Pflanzen von Setzlingen kann geerntet werden, mehrmals im Jahr. Nach ca. 5 Jahren geht es richtig los, die Erntemengen erreichen ihr Maximum, und bis zu 45 weiteren Jahren geht das dann so weiter. Ein Hektar mit Jatropha-Pflanzen erbringt in Ostasien an die 1,5 Tonnen Biodiesel.
Haben wir hier die Eier legende Wollmilchsau?
Ich finde, das ist eine feine Sache! Wenn es mein neuer Dienst „LOHAS Investor" (Geldanlage unter Berücksichtung von Nachhaltigkeitsgedanken und Ökologie) durch die Test-Phase schafft, dann werde ich da sicherlich entsprechende Anlagemöglichkeiten profitieren.
Und gerade lasse ich meine Gedanken spielen. Ihren besonderen Reiz spielt die Jatropha Pflanze aus, wenn sie wirklich auf kargem Boden, ja fast schon Wüsten angepflanzt wird. Da stiehlt sie keinem Nahrungsmittelanbau die Show. Da kann sie Ausbreitung von Ödland entgegenwirken. Da ist das Land billig, Bauern wären über Zusatzeinkommen glücklich.
Was also, wenn man einige Jatropha-Plantagen in trockenen, relativ unfruchtbaren Gebieten Afrikas anlegen würde? Und den Biodiesel dann exportieren. Mir fallen da spontan Malawi oder Namibia ein.
Jemand in der Gemeinde, der entweder vor Ort ist oder Botaniker mit entsprechendem Wissen oder potenzieller Teilhaber an so einem Projekt?
(Dann einfach Email an info@investor-verlag.de, im Betreff am besten meinen Namen nennen, dann erhalte ich diese Nachricht.)
Wie gesagt, gerade eine Gedankenspielerei - würde mich freuen, wenn ich Rückmeldungen erhalten würde!
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von jürgen (02.09. 2010 09:23 Uhr):
Unterschätzen sie nicht die Lobby der Mineralölkonzerne, die werden das zu verhindern wissen. Wäre zu schön um wahr zu werden.
Antworten - Kommentar von Ben Mombers (02.09. 2010 18:22 Uhr):
NEIN ! Wir haben hier keinen eierlegende Wollmilchsau ! Vor 2 Jahren war ich auch begeistert von ein Story über diese "Wunderfrucht". Ich habe sofort ein Paar tausend Aktien von D1Oil gekauft. Haben Sie gesehen wie der preis sich entwickelt hat ? ? Mit freundlichem Gruß, Ben Mombers./.
Antworten - Kommentar von Luc (02.09. 2010 22:43 Uhr):
In Westaustralien wurde Jatropha bereits verboten, da sie giftig ist für Menschen und Tiere und, einmal in freie Wildbahn gelangt, schwer kontrollierbar zur Plage wird und einheimische Pflanzen verdrängt (Neophyt). Die Pflanze wächst zwar auf trockenen Böden und hat hier nach 5 Jahren einen Ertrag zwischen 1,1 und 2,75 t/ha, mit Bewässerung jedoch 5,25 bis 12,5 t/ha, was zur Bewässerung und Konkurrenz zu fruchtbaren Böden führen wird. In Indien sollen bis 2012 13,5 Millionen Hektar von sog. Ödland in Jatropha-Plantagen umgewandelt werden und schon heute setzen grosse Agrarfirmen Kleinbauern unter Druck, ihr Land zu verkaufen. Das sog. Ödland dient vielen Kleinbauern als Weideland für ihre Ziegen und indigenen Völkern als Quelle für Nahrung und Brennholz. Etwa 80 % der in den sogenannten „Entwicklungsländern“ lebenden 2,5 Milliarden Kleinbauern verfügen über keine legalen Besitztitel für das Land, auf dem sie traditionell leben und das sie seit Generationen für ihren Lebensunterhalt bearbeiten. Offiziell gelten die Landflächen als besitzlos oder als in Staatsbesitz befindlich. Mit den riesigen weißen Flecken auf den Bodenkarten lässt sich vortrefflich am Reißbrett planen, doch vor Ort sieht die Lage ganz anders aus. Die Länder im tropischen Teil Asiens gehören zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde. Die statistisch pro Einwohner zur Verfügung stehende Landfläche liegt in Indien bei lediglich 0,3 Hektar, in China 0,75 Hektar und in den südostasiatischen Tigerstaaten bei 0,8 Hektar, während es beispielsweise in den USA 3 Hektar sind. Also eigentlich kein Platz für Agrosprit. Den Agrospritinvestoren bieten die fehlenden Besitztitel der Kleinbauern zusammen mit den vielfach herrschenden autoritären Strukturen den idealen Nährboden für Landraub und Naturzerstörung. Nach bisherigen Erfahrungen ist Jatropha alles andere als ein ökologisches Invest, sondern dient ähnlich wie Palmöl eher der trügerischen Gewissensberuhigung von Investoren.
Antworten - Kommentar von Breunig (05.09. 2010 15:49 Uhr):
Anderen Medienberichten zufolge,: Zitat: "Forscher der Universität Twente berichten im Wissenschaftsjournal PNAS, dass pro Energieeinheit, die aus Jatropha gewonnen wird, fünf Mal so viel Wasser nötig ist wie bei Zuckerrohr und Mais als Rohstoff. Im Vergleich zu Zuckerrüben, die die Studie als die wassereffizientesten Energiepflanzen identifiziert, ist der Verbrauch sogar zehn Mal höher." Zitat Ende.
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