Hoffnung auf Obama verpufft
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 22. Januar 2009, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Nebenwerte-Investoren,
welch eine Ernüchterung mussten die Börsianer weltweit erleben, als in Washington mit dem neuen Präsidenten der vermeintliche Messias seine Antrittsrede hielt. Da hatte sich wohl bei einem zu großen Anteil von Aktionären die Hoffnung durchgesetzt, dass nun, nachdem die US-Banken ihre Zahlen veröffentlicht und die Katze aus dem Sack gelassen hatten, dass Brodeln im Markt nachlässt. Obwohl ich Sie jüngst hier zweimal auf die prekäre Situation des Bankensektors als Leitwolf" der großen Indizes hingewiesen hatte, habe ich mich, da bin ich ganz ehrlich, von der Hoffnung auf neue Impulse durch Obama, etwas einlullen lassen. Hinterher ist man natürlich immer schlauer. Im Grunde genommen war aber das Top-Medienereignis der Amtseinführung ein Paradebeispiel der Börsenpsychologie. Die Masse hat nie Recht an der Börse und zweitens kommt es anders als man erstens denkt. Die Hoffnung der Bullen auf den Obama-Effekt" war also für die elegant im Trend agierenden Bären nichts anderes als eine gute Gelegenheit, den Druck zu erhöhen und weitere Stücke abzuladen! Vor allem der taumelnde Bankensektor geriet dabei weiter unter Druck und ist mittlerweile so bewertet, als wären alle Banken bereits verstaatlicht.
Chance vertan?
Mehrfach habe ich hier geschrieben, dass ich eine langwierige Bodenbildung für das wahrscheinlichste Zukunftsszenario halte, da mittlerweile die mehr als widrigen Zukunftsaussichten sowohl in den Bewertungsmodellen als auch in den Aktienpreisen berücksichtigt werden. Auch nach dem crashartigen Schwächeanfall, der mit der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktes einsetzte, handeln die Märkte nach wie vor innerhalb der bekannten Seitwärtsbewegungen. Trotzdem erhöhen sich die Risiken auf der Unterseite aber mit dem voranschreiten auf der Zeitachse. Denn die Gefahr wächst, dass eine Seitwärtsbewegung nur eine zeitverzögernde Konsolidierung darstellt und den primären Trend bestätigt. Der ist natürlich eindeutig nach unten gerichtet und würde dann wieder verstärkt aufgenommen werden. Diese geschilderten Formationen haben nichts mit angeblich zwingenden Chartformationen zu tun, von denen ich nichts halte, sondern beruhen einzig auf der Psyche der Anleger. Deshalb muss eine erfolgreiche Bodenbildung mehrere Monate in Anspruch nehmen. Verlorenes Vertrauen kehrt nur langsam in die Märkte zurück. Und die cleveren Anleger investieren nicht in ein fallendes Messer, sondern erst wenn die Gewissheit groß ist, dass der Markt wirklich unten war. Noch ist nichts verloren und die Märkte müssen nicht zwangsläufig neue Tiefs markieren. Aber die heutige Gegenbewegung im Bankensektor müsste die Indizes ein gutes Stück von den Tiefs wegbefördern um neue Anleger anzulocken. Ideal wäre es natürlich, falls das Tief im Bankensektor ein falscher Ausbruch gewesen wäre und dieser sich fangen könnte. Im DAX z.B. wäre es wichtig, die Marke von etwas 4.500 zurück zu gewinnen. Abgeschlossen wäre die Bodenbildung aber erst bei 5.400 Punkten. Im SDAX verhält es sich übrigens sehr ähnlich. Dieser handelt heute bei 2.550 Punkten und hätte seine Bodenbildung erst bei etwa 2.900 beendet. Der Weg dorthin ist noch weit und steinig und voller Gefahren!