Hoffnung auf gutes IPO-Jahr 2011 – namhafte Konzerne im Gespräch
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Börse
vom 10. Januar 2011, 14:30 Uhr
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bis zu 20 Unternehmen sollen in 2011 den Gang an die deutsche Börse wagen, so der Konsens der Marktexperten in einer aktuellen IPO-Studie. 13 waren es im vergangenen Jahr. Das ist zwar eine Steigerung von knapp über 50%.
Doch von wieder aufkommender IPO-Euphorie kann deshalb noch lange nicht die Rede sein. Warum nicht? Deutschland ist eher eine IPO-Wüste. Nehmen wir beispielsweise das Rekordjahr 2007 mit insgesamt 1.739 IPOs weltweit, als sämtliche Länder auf der Welt einen Börsengang-Boom verzeichneten. Selbst da blieb Deutschland mit 44 Börsengängen absolut im Hintertreffen. Sogar in Südafrika (48), Südkorea (59), Brasilien (61), Israel (61), Polen (65), Kanada (74) und Großbritannien (88) gingen mehr Unternehmen als in Deutschland an die Börse.
Doch diese Entwicklung ist nichts Neues. In Deutschland ist die Börse als Finanzierungsweg im internationalen Vergleich lange nicht so etabliert wie in anderen Ländern. Die deutschen IPO-Boomjahre 1997 bis 2000 seien deshalb laut Ansicht vieler Experten eher als historische Ausnahme anzusehen, die nicht zum Maßstab genommen werden dürfe. Vor dem Neue-Markt-Hype gingen pro Jahr nur rund ein Dutzend Firmen an den Kapitalmarkt. Wir bewegen uns aktuell also wieder in einem "gesunden Rahmen".
Wolfgang Joop begleitet Schiesser auf dem Weg an die Börse
Schauen wir uns also kurz die bis dato bekannten Börsenaspiranten für dieses Jahr an. Da wäre zum einen der Wäschehersteller Schiesser. "Aus der Insolvenz an die Börse", so könnte man das IPO des Wäsche-Labels überschreiben. Noch im Februar hatte Schiesser Insolvenz anmelden müssen. Der Insolvenzverwalter setzte ohne Pardon den Rotstift an, kündigte unprofitable Labelverträge, kürzte Stellen und führte das Unternehmen innerhalb weniger Monate wieder in die schwarzen Zahlen. Nun soll bis zum Sommer das IPO perfekt gemacht werden.
Um den Gang aufs Parkett trotz "Ex-Insolvenz" zum Erfolg zu führen, hat man sich ein berühmtes Gesicht ins Boot geholt. Modeschöpfer Wolfgang Joop konnte als Berater und Minderheitsaktionär für Traditionsfirma gewonnen werden. Die restlichen Anteile will Schiesser an die Börse bringen.
Weitere IPO-Kandidaten sind der Versicherer Talanx, die Reederei Hapag-Lloyd, der Modediscounter Takko und der Infrastrukturspezialist Hochtief Concessions. Der zum Portfolio der britischen 3i gehörende deutsche Industrieausrüster Norma Group sowie das Outdoor-Unternehmen Jack Wolfskin vervollständigen die Liste möglicher Börsen-Kandidaten.
Hapag-Lloyd: Beste Aussichten für IPO in 2011
Besonders die Entscheidung des Reise- und Tourismuskonzerns TUI die 43%-Beteiligung an Hapag-Lloyd endlich aufzugeben dürfte Börsenakteure freuen. Denn damit scheint der Weg für die Reederei an die Börse frei. Und TUI-Chef Michael Frenzel geht davon aus, dass sein Unternehmen Hapag-Lloyd noch in diesem Jahr an die Börse bringen kann.
Deutschlands führende Container-Reederei Hapag konnte im Dezember für das Gesamtjahr 2010 das beste Ergebnis in der Geschichte der Reederei in Aussicht stellen. 2009 standen noch Verluste in den Büchern, in 2010 konnte nach neun Monaten bereits wieder ein operativer Gewinn von 506 Mio. Euro verbucht werden. Zudem konnten die Schulden deutlich gesenkt, das Eigenkapital verdoppelt werden. Das operative Fundament für den Börsengang ist also bereitet. "Hapag-Lloyd ist fit für jeden Investor", fasste Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt kürzlich gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" die gute Ausgangslage für sein Unternehmen zusammen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach
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