Hoffen auf ein „wenig Inflation“
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 14. Mai 2009, 07:30 Uhr
ENL5462
Liebe Leserin, lieber Leser!
Einmal mehr hat sich Nestle-Verwaltungsratschef Brabeck zu einigen brisanten Themen unserer Zeit zu Wort gemeldet. Mit Blick auf eine mögliche Nahrungsmittelkrise verwies Herr Brabeck auf die Lektion des Jahres 2008, in dem sich die Getreidepreise zeitweise verdreifachten.
Mangelnde Fortschritte in der Landwirtschaft
Diese Entwicklung sei als Warnung des Marktes" vor einer sich zusammenbrauenden Lebensmittelverknappung zu verstehen, welche die weniger wohlhabenden Weltregionen härter treffen werde als den vergleichsweise reichen Westen. Hauptursache sei der mangelnde Fortschritt in der Landwirtschaft. Seit den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sei die Produktivität pro Hektar weniger stark als die Weltbevölkerung gewachsen. Hinzu komme eine sich weiter verschärfende Wasserknappheit, welche in den nächsten Jahren überdies hinaus zu drastischen Produktionseinbußen führen könnte.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, momentan steht das Thema Nahrungskrise alles andere als im Focus der Massenmedien. Böse Zungen meinen ja jetzt schon, dass die Finanzkrise nahtlos von diversen Krisen - u. a. der Lebensmittelverknappung - abgelöst werden wird. Und so manch einer, der die Thesen des Thomas Robert Malthus bis dato nur milde belächelt hat, wird vielleicht dann doch etwas nachdenklicher werden.
Lösung der Überschuldungskrise
Der Nestle-Präsident äußerte sich ebenfalls zur Finanzkrise. Die rasante Zunahme der privaten Verschuldung sei einer der Hauptursachen. Zu lösen sei die Krise auf dem altmodischen Weg", sprich mehr zu arbeiten und weniger zu konsumieren. Oder schlicht mittels Inflation, bei der am Ende des Tages dann die Sparer mittels negativer Realverzinsung die Zeche zahlen müssen. Der Steuerexperte Prof. Neufang bringt insofern eine langfristig gesteuerte Inflation von mindestens fünf Prozent ins Spiel. Mit Zins und Zinseszins würde sich so die Geldentwertung in zehn Jahren auf 70 Prozent belaufen.
Sehr interessant in diesem Kontext ist auch, dass schon im August 1997 von der Federal Reserve Bank von Kansas City ein Symposium zum Thema Finanzkrisen" ( - die Asienkrise stand vor der Tür - ) abgehalten wurde. Als Ergebnis kam heraus, dass jede Finanzkrise am Ende des Tages eine Überschuldungskrise sei, welche sich im Verlauf der Krise immer weiter zuspitze und zu fallenden Werten, Kursen und Preisen führe. Letztlich könne die deflationär wirkende Krise nur gelöst werden, wenn die Schuldenlast eliminiert werde.
Ein Schelm, wer nun daran denkt, dass auch die überschuldeten Staaten ihre Notenbanken dazu bringen könnten, die äußerst expansive Geldpolitik auch dann beizubehalten, wenn sich erste Ausläufer eines neuen Konjunkturhochs zeigen.
So könnte sich am Ende des Tages die Hoffnung der Politiker auf ein wenig Inflation" doch noch realisieren und auch die Steuerschätzer könnten dann - dank der kalten Progression - wieder positivere Botschaften als am heutigen Donnerstag verkünden.
Seien Sie also auf der Hut, um nicht am Ende zu der Generation zu gehören, die hart gearbeitet und in Papiergeld gespart hat und schlussendlich doch zum Narren gehalten wird...
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