Hochtief-Übernahmepoker: Ein Ass im Ärmel, das nicht hilft
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 22. Oktober 2010, 14:30 Uhr
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die geplante Übernahme von Hochtief durch den spanischen Baukonzern ACS sorgt in Deutschland für Alarmstimmung. Kein Wunder: Die Neuigkeiten im Übernahmepoker überschlagen sich derzeit fast täglich.
Während ACS ausreichend Kapital für den Angriff einsammeln will, sucht der Essener Konzern verzweifelt nach Wegen, sich gegen die Übernahme zu stemmen. Und besonders große Hoffnungen setzt man dabei auf Australien. Das australische Unternehmen Leighton, an dem Hochtief 54,5% hält, gilt als Kronjuwel des Baukonzerns. Und dieses Kronjuwel will sich Hochtief auch bezahlen lassen. Angeblich sollen sich die Tochter Leighton und der deutsche Mutterkonzern aber alles andere als Wohlgesonnen sein. Streitereien um eine Verschmelzung der beiden Konzerne waren ebenso an der Tagesordnung wie Ignoranz der Leighton Führung gegenüber der „schwachen" Mutter. Und die Tochter glaubt, es sich erlauben zu können, denn immerhin ist der Börsenwert der Australier mal eben doppelt so hoch wie der des Baukonzerns aus Essen. bei der Börsenaufsicht in Australien bereits Schutz für ihre Minderheitsaktionäre beantragt haben.
Um die Übernahme zu erschweren, wollte Hochtief ACS nun aber zwingen, ein gesondertes Angebot für Leighton zu machen. Die wollen natürlich nicht. Und müssen auch nicht, denn die australische Börsenaufsicht, hat nun ganz klar eine Absage in Richtung Deutschland geschickt. In Madrid dürfte man angesichts dessen nun feiern. Denn wenn man eins und eins zusammenzählt, dann kommt man schnell zu der Vermutung, dass ACS sich bei ihrem Übernahmeplan im Vorfeld sicher erhofft hatte, über die Konzernmutter an die weitaus wertvollere Tochter heranzukommen - also ganz nach dem Motto: "Über die Mutter an die Tochter". Wahrscheinlich will ACS sogar eher Leighton als Hochtief und geht aufgrund finanzieller Aspekte den Weg über Deutschland. Vielleicht hätte man diesen Umweg gar nicht machen müssen. Denn gemeinsame Sache von Leighton und ACS hätte eine starke Macht gegen die ungeliebte Konzernmutter in Essen bedeutet.
Vom Possenreißer zum Bittsteller
Auf Hochtief ist man in Sydney nämlich derzeit nicht sonderlich gut zu sprechen, war man wohl auch nie wirklich. Jüngster Aufreger im Hause Leighton, Hochtief sägte am Stuhl des Erfolgs-Chefs Wal King, der Leighton in seiner 23-jährigen Amtszeit zu Rum, Ehre, Wachstum und vor allem klasse Renditen geführt hatte. Aber den wollte man in Essen wohl los werden. Vor seinem offiziellen Amtszeitende wurde er zum Ende dieses Jahres von seinem Posten entlassen, erhielt nicht mal mehr einen Sitz im Aufsichtsrat, lediglich eine Abfindung und ein Beratervertrag war für den "König von Leighton" angeblich drin. Und nach all diesen Possen baut Essen nun auf die Hilfe aus Sydney. Dieses Ass wird Hochtief wohl nicht ausspielen können. Und schlimmstenfalls taucht Wal King früher oder später als Racheengel in der Konzernspitze von ACS auf.
Bleibt Hochtief wohl nur noch eine Option, die eigene Kapitalbasis stärken und dem Feind das Wasser abgraben. Beides gelänge vortrefflich mit einer Kapitalerhöhung. Diese sei zwar bei Hochtief schon angedacht worden. Offiziell ist aber noch nichts. Doch fest steht: Eine Kapitalerhöhung würde den Aktienanteil von ACS an Hochtief (29,98%) natürlich verwässern. Und damit würde sich die geplante Übernahme für ACS verteuern, da man zusätzliche Aktien erwerben müsste. Wie die „Financial Times Deutschland" schreibt, könnte Hochtief das Barkapital um 10% und das Sachkapital um weitere 20% erhöhen, ohne eine erneute Genehmigung der Aktionärsversammlung einholen zu müssen. "ACS fehlen derzeit lediglich 14.000 Aktien, um die wichtige 30%-Hürde zu nehmen. Dieser Abstand wächst, wenn das Kapital sich künftig auf mehr Aktien verteilt."
Es bleibt also hochspannend, fast schon wie in einem Wirtschaftskrimi a la Andreas Eschbach, den ich Ihnen - so als kleine Überleitung - auch wärmstens für eines der vielen vor uns liegenden dunkel-kalten Novemberwochenenden empfehlen kann.
In diesem Sinne, ein schönes Wochenende.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Dr Klaus Landfried (22.10. 2010 15:14 Uhr):
Wenn alle Ihre Infos zutreffen, dann hat das Hochtief.Management ein Problem: nämlich seinen eigenen Aktionären und seinen Mitarbeitern zu erklären, wieso man so dilettantisch über eine geraume Zeit gearbeitet hat. Die Leighton-Geschichte ist schon ein Zeichen für mangelhaftes Personal-Manegement und mangelnde kulturelle Sensibilität. Die ACS Gelüste hätte man auch kennen können, wenn man die Ohren in Espana etwas auf gehalten hätte. Dass ACS arm dran ist, d.h. hoch verschuldet, spricht doch für eine solches Überfallmanöver. Mein Gott, wo leben eigentlich unsere Manager? Hochtief ist ja leider kein Einzelfall. Ob es jetzt noch zur Kapitalerhöhung reicht, wird man sehen. Im übrigen hat natürkich auch die deutsche Botschaft in Madrid nach bewährter Methode gepennt. Hohe Diplomaten, auch wenn sie evtl Wirtschaftsattaches sind, verkehren lieber unter ihresgleichen, statt, wie es anderer Länder Diplo's tun, sich im Business zu tummeln und Nachrichten zu sammeln. Mir hat mal einer der hohen Herren (in Indien) gesagt, sie eien doch keine Klinkenputzer...Wofür halten wir uns denn diesen überkandidelten Diplomatendienst noch, wo doch sowieso alles Politische über Berlin läuft, und Infos per Internet gesammelt werden können, nur eben nicht die eher vertraulichen aus dem Business. Denn die bekommt man nur in einem guten Netzwerk. Also Doppel-Schlafmützen: einmal bei Hochtief, dann aber auch im AA. Ob's eine von den Trantüten liest??
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