Hochtief: Erbitterter Kampf gegen die lange Hand aus Spanien
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 5. Oktober 2010, 14:30 Uhr
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Vor etwa drei Wochen berichtete ich Ihnen an dieser Stelle über die Übernahmepläne des spanischen Baukonzerns ASC, die per Aktientausch die Mehrheit an ihrem deutschen Konkurrenten Hochtief sichern wollen.
Nachdem die Avancen zur Übernahme sowohl beim Hochtief-Vorstand als auch bei der Belegschaft des Essener Baukonzerns auf erheblichen Widerstand gestoßen sind, versuchte es der spanische Bauriese mit Kuschelkurs. Hochtief bleibe ein börsennotiertes Unternehmen mit Essen als Firmensitz, hieß es in einer Erklärung. Tarifverträge und die Mitbestimmung der Arbeitnehmer würden vorbehaltlos beachtet. Geplant sei eine Kooperation, die beiden Baukonzernen nütze. Wer es glaubt?!
Die Hochtief-Belegschaft jedenfalls glaubt nicht an die Versprechungen aus dem Süden. Sie demonstrierten heute vor der Konzernzentrale und wären sogar bereit, nach Berlin zu reisen, um vor der spanischen Botschaft ihrem Unmut Luft zu machen. Und selbst Hochtief-Vorstandschef Lütkestratkötter steht den friedfertigen ASC-Ankündigung sehr skeptisch gegenüber. Glauben ist in der Kirche", soll er geäußert haben. Und er stellt sich damit erneut offiziell gegen die "freundlich gesonnen" Pläne der Spanier. Mehr noch: Er ruft die deutsche Regierung auf, Hochtief im Kampf gegen die "Feinde" zu unterstützen. Hochtief sei schließlich "das letzte große deutsche Bauunternehmen mit Kompetenzen von Tunnelbau bis zur Errichtung von Kernkraftwerken". Doch der Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle will sich da nicht reinhängen, erteilt nach Essen eine Absage.
Doch zunächst waren heute erst einmal zwei Vertreter von ASC in Essen angereist, um den Hochtief-Aufsichtsrat über ihr Ansinnen im Detail zu unterrichten. Anschließend wollte sich der Aufsichtsrat in einer außerplanmäßigen Sitzung dazu beraten. Das Ergebnis ist keine wirkliche Überraschung: Der Aufsichtsrat sprach Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter das Vertrauen aus. "Wir teilen die Einschätzung des Vorstands zur Ankündigung von ACS und unterstützen nachdrücklich dessen Einsatz zur Wahrung der Interessen der Hochtief AG, ihrer Aktionäre und Mitarbeiter", erklärte Aufsichtsratschef Detlev Bremkamp im Anschluss an die Sitzung.
Der Widerstand gegen die Übernahmepläne der Spanier wächst also weiter, nun auch auf ganz hoher Konzernebene. Richtig so. Und auch die Aktionäre werden sich angesichts des ansprechenden Kursniveaus der Hochtief-Aktie auch nicht zu allzu leicht zum Verkauf ihrer Anteile hinreißen lassen. Denn obendrein ist Herbert Lütkestratkötter für das Geschäftsjahr 2010 und auch darüber hinaus ausgesprochen zuversichtlich. Das wird ein harter Brocken für ASC.