Hochseilartisten
Bill Bonner in Investors Daily
vom 07. März 2006 18:00 Uhr
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Wie Hochseilartisten bewegen sich die Amerikaner auf einem sehr schmalen Grat. Sie wagen es nicht mehr, eine falsche Bewegung zu machen denn dann werden sie herunterfallen. Doch anders als weise Hochseilartisten, haben die Amerikaner kein Netz unter sich. Wenn sie fallen, dann werden sie auf dem Boden aufschlagen ... und sie werden hart aufschlagen.
Wenn die Verbraucher aufhören zu konsumieren, dann geht die Luft aus der Blase und die Wirtschaft fällt in einen deutlichen Konjunkturrückgang. Der Konsum macht 70 % der Wirtschaft aus. Ohne steigenden Konsum, gibt es kein Wachstum mehr und ohne Wachstum keine neuen Stellen und ohne neue Stellen kein neues Verbrauchereinkommen. Es gibt für die Verbraucher nichts mehr auszugeben und keine Möglichkeit, die Verbraucherausgaben in Schwung zu bringen.
Aber zu viel Konsum kann auch verhängnisvoll sein. Wenn die Verbraucher zu viel und zu schnell ihr Geld ausgeben ... dann setzten sie eine andere Situation in Bewegung. Die Preise werden steigen und die Verbraucher zwingen immer verzweifelter noch schneller Geld auszugeben, das immer mehr an Wert verliert. Die Inflation wird die Fed unter Bernanke zwingen, die Zinssätze nach unten zu bringen – bis es irgendwann kracht – und die Blasenwirtschaft 'pop' macht.
Wenn die Schulden, die auf den Schultern der Verbraucher lasten, immer schwerer werden, dann wird es auch schwerer für sie, ohne zu wackeln ihre Linie zu verfolgen. Die Verbraucher stolpern schon jetzt und sie drohen jeden Moment hinab zu fallen.
Deswegen habe ich auch immer ein Auge auf dieses Blasenherz. Ich halte die Augen die ganze Zeit weit offen.
In den Nachrichten erfuhr ich Mitte letzter Woche, das die Verbrauchereinkommen im Januar stärker als erwartet gestiegen seien: ein Plus von 0,7 %. Dieser guten Nachricht folgte die Schlagzeile: "Die Inflation vernichtet den größten Teil des Lohnwachstums". Und dann habe ich noch einen Artikel gelesen, in dem es heißt, die Verbraucherausgaben seien um 0.9 % gestiegen.
Was die Verbraucher antreibt, sind nicht die gestiegenen Einkommen, sondern die gestiegenen Schulden. Selbst wenn die Einkommen "mehr als erwartet" anstiegen, dann sind sie immer noch nicht schnell genug gestiegen, um mit dem Wunsch der Verbraucher, Geld auszugeben, mithalten zu können.
Der Immobilienmarkt hat in den letzten fünf Jahren das Geld im Fluss gehalten. Ohne all den Beton, die Arbeitsplatten aus Granit, die Verkaufsagenten, das Eigenkapital und die Hypothekenmakler hätte sich die imperiale Wirtschaft längst erschöpft. Und je länger es so weitergeht, desto mehr verschulden sich die Leute und desto teurer werden die Häuser und desto unsicher werden die Schritte der armen Haushalte.
Also habe ich auch ein wachsames Auge auf den Immobilienmarkt, was wohl kaum notwendig ist, weil auch alle anderen diesen Markt zu beobachten scheinen. Ich muss mir nur anhören was sie sagen, um festzustellen, in welche Richtung sich diese Geschichte entwickeln wird.
Aus Kalifornien kommen Nachrichten, dass die Zahl der verkauften Häuser im Januar um 24 % gesunken sei und an der anderen Küste schreibt der Boston Globe: "Massivhausverkäufe um 21 % eingebrochen".
Und auch USA Today trägt seinen Teil bei: "Immobilien kühlen sich auch weiterhin ab."
Patrick Newport, der amerikanische Ökonom bei Global Insight, hat sogar eine Diagnose: "Die schwachen Zahlen bei den Verkäufen von neuen Häusern und Beständen im Januar sind der deutlichste Beweis, dass nach fünf Jahren der beachtliche Immobilienmarkt, der in dieser Zeit alle Rekorde brach, nun den Rückzug angetreten hat."
USA Today fügen hinzu: "Der Rückgang der Hausverkäufe trotzt dem ungewöhnlich warmen Wetter und den Lockmitteln der Bauunternehmer, die Hoffnungen auf bessere Zahlen geweckt hatten."
"Stellen sie sich vor, was passiert wäre, wenn das Wetter schlecht gewesen wäre", schreibt Phillip Neuhart, Wirtschaftsanalyst bei Wachovia.
"Die Verkäufe aus dem Bestand fielen im Januar bereits den fünften Monat in Folge. Die Zahl der Zahlungsverzüge bei den Hypotheken steigt. Die Kreditnehmer mit den weniger optimalen Kreditbedingungen, d.h. diejenigen, die bisher am meisten durch den Exodus von Reichtum und Macht vom Westen in den Osten betroffen waren, haben Schwierigkeiten, zu zahlen. Überfällige Kredite aus dieser Kategorie sind um 10 % gestiegen. Die Anträge auf Immobilienkredite sind zurückgegangen, trotz der geringeren Hypothekensätze.
"Wir haben Tonnen von Lagerbeständen", sagte eine Immobilenmakler in Wisconsin, und sprach damit vielleicht für die gesamte Bruderschaft der Haushändler in der Nation.
Also warte ich ab, beobachte und wundere mich. Wie lange können die Amerikaner diesen Balanceakt noch halten? Und was wird passieren, wenn sie nicht mehr können.
Die Wogen werden in der gesamten Wirtschaft zu spüren sein – und es wird nicht angenehm.