Hochgesteckte Erwartungen müssen erfüllt werden

unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
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von unserem Korrespondenten Eric Fry in New York

Gestern hatte ich darauf hingewiesen, dass der September für Aktien die schlechteste 30-Tages-Spanne des gregorianischen Kalenders ist. Aber der September begann für die Aktienkurse exzellent. Und selbst wenn der September schlecht werden würde: "Der Dow Jones hat seit Jahresbeginn 13 % zugelegt, der Nasdaq rund 35 % und der S&P 500 etwa 15 %", so Bloomberg News.


Der September hat begonnen, aber die Investoren weigern sich, vor dem angeblich "gefährlichen September" Angst zu haben. Im Gegenteil – die meisten haben ihre Liebe mit den Aktien erneuert. Sie wollen jeden Tag mit Aktien kuscheln ... und jeden Monat ... und in jedem Land. Laut Bloomberg haben alle 62 größeren Aktienindizes der Welt seit Jahresbeginn zugelegt.

Währenddessen stoßen die Investoren ihre Anleihen ab, so wie Monate alte Bananen. Die amerikanischen, japanischen und europäischen Staatsanleihen sind in den letzten Tagen gefallen – offensichtlich wegen Anzeichen dafür, dass sich die Weltwirtschaft erholt. Besonders der Markt für US-Staatsanleihen leidet unter einer besonders harten Behandlung: Die Rendite der 10jährigen Anleihen ist innerhalb weniger Tage von 4,46 % auf 4,60 % gestiegen.

Steigende Zinsen sind für die "Super-Verleiher" der Nation, die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac, gar nicht gut. Aber man braucht gar nicht erst versuchen, das den Analysten von Merrill Lynch oder den Investoren, die auch gestern wieder deren Aktien kauften, zu sagen.

Merrill Lynch hat das Rating für diese beiden Hypothekenbanken von "Neutral" auf "Kaufen" erhöht, basierend auf der Begründung, dass "die Bodenbildung abgeschlossen ist". Unglaublich – die hoffnungsvollen Kommentare von Merrill Lynch zu Fannie Mae haben dazu geführt, dass die Aktie am Dienstag um fast 5 % nach oben schoss. Und das an einem Tag, an dem die Zinsen auf ein neues Jahreshoch gestiegen sind. Offensichtlich ist ein euphorischer Investor kein kritischer Investor. Allerdings sind es die euphorischen Investoren, die in verrückten Marktphasen reich werden, während die kritischen Investoren nur zusehen.

Die Tatsache, dass die Zinsen steigen, ist kaum eine Überraschung. Die Besetzung des Irak ist für die amerikanische Nation zu einer jährlichen Steuer von 100 Mrd. Dollar geworden. Dabei explodiert das Haushaltsdefizit schon ohne diese zusätzliche Belastung, die Fed hat "Erfolg" mit ihrer Wiederbelebung der Inflation und die Wirtschaft zeigte Lebenszeichen.

Hoffnungsvolle News von der volkswirtschaftlichen News tröpfeln herein, so wie der ISM-Index, der im August auf 54,7 % gestiegen ist, nach 51,8 % im Juli. Und die Zahl der geplanten Entlassungen ist im August um 6 % gegenüber dem Niveau vom Juli zurückgegangen (Quelle: Challenger, Gray & Christmas). Das war auch der vierte Monat in Folge, in dem die Zahl der angekündigten Entlassungen unter 100.000 lag. Ein Trend, den man seit dem Jahr 2000 nicht mehr gesehen hatte.

Deshalb rufe ich jetzt ein "Hipp Hipp Hurrah!" aus für die Wirtschaft, denn sie stampft voraus, wie eine Herde Schildkröten. Aber das ist die eine Seite – dem Aktienmarkt hingegen sollte ich vielleicht nicht applaudieren. Wenn das durchschnittliche KGV schon bei 20 liegt, dann scheint der Aktienmarkt großartige Dinge bereits vorwegzunehmen. Vielleicht sogar kleine wirtschaftliche Wunder.

Aber vielleicht wird die Wirtschaft die hochgesteckten Erwartungen ja erfüllen.


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