Historische Wende in der Politik – so reagiert die Börse
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Börse
vom 28. März 2011, 14:30 Uhr
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so mancher von Ihnen äußerte sich vergangene Woche zum hier besprochenen Thema "Wahlen in Baden-Württemberg" verständnislos. Ich würde Propaganda machen, lautete der Vorwurf. Politik habe an dieser Stelle nichts zu suchen. Warum aber reagieren die Aktienmärkte dann so deutlich auf politische Belange? Wenn doch Politik mit Börse nichts zu tun hat? Meiner Meinung nach gehört der aktuelle Diskurs um die Atompolitik ebenso in solch einen Newsletter wie eine Wahl, die derart große Auswirkungen auf wirtschaftliche Belange haben kann und wird.
Nun haben Baden-Württemberg und auch Rheinland-Pfalz gewählt. Und ich halte es für wichtig, dies hier zu besprechen. Das Ergebnis ist eindeutig eine Wahl dafter Fukushima". Soviel Grün" wurde in Deutschland wohl noch nie angekreuzt. Mit einem derart deutlichen Ergebnis hatte man, wie auch meine Lesereinschätzungen vergangene Woche zeigten, im Süden wohl nicht gerechnet. Nach 58 Jahren unter Schwarz" wird Baden-Württemberg nicht nur erstmals von einer Schwarz-Grünen Regierung geführt werden, sondern auch den ersten grünen Ministerpräsidenten Deutschlands überhaupt stellen. Kaum zu glauben, dass eine solch historische Wende in einem epochal Schwarz-dominierten Bundesland vollzogen wurde. Was bedeutet dieses Ergebnis für Bundespolitik und Aktienmarkt?
Bundespolitik: Es wird Konsequenzen geben
Angela Merkel wollte sich gestern noch nicht äußern. Sie ließ ihren Generalsekretär antreten. Westerwelle hingegen nahm persönlich Stellung zum desolaten Wahlergebnis seiner Partei (5,2% in Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz ist man nicht mal mehr im Landtag). Doch wirklich Erhellendes bzw. Konsequentes war da nicht zu vernehmen. Man gab Japan die Schuld. Fakt aber ist: Es wird Konsequenzen geben müssen.
Was aber wird aus dem Moratorium? Kann Schwarz-Gelb die Aussetzung der Laufzeitverlängerung nun wirklich als eine solche stehen lassen? Oder wird daraus eine endgültige Abschaltung der ältesten Meiler? Das wird abzuwarten sein.
Auch die Börsenakteure bewahren heute Ruhe. Der "Grünschwenk" im EnBW-Ländle bringt keine direkten Auswirkungen auf die Kurse der beiden börsennotierten "großen Kollegen" E.ON und RWE. Und auch die Wahl im Beckschen RWE-Land lässt keine unmittelbare Unsicherheit aufkommen. Es muss auch bedacht werden, dass ein Großteil der Risiken aus Moratorium und Energiepolitikschwenk mittlerweile im Aktienkurs der Versorger eingepreist ist. Sie büßten in den vergangenen Tagen immerhin gut 10% ihres Börsenwertes ein.
E.ON und RWE halten sich - Nachhaltige Trendwende bei "grünen" Werten?
Schauen wir also auf die andere Seite - die börsennotierten "grünen" Werte. Hier zeigt die Wahl bereist Deutlichere Wirkung. Die Aktie von SolarWorld beispielsweise kann heute im frühen Handel um satte 7% zulegen. Im TecDAX zeigen sich die Solar- und Windenergieanbieter am frühen Montagmorgen allesamt in Feierlaune. Nordex-Papiere können um knapp 8%, Centrotherm-Aktien um 5,88% hinzugewinnen. Q-Cells, Roth & Rau, SMA Solar schaffen immerhin noch knapp 4% Kursplus.
Ist nun also auch an der Börse die "grüne" Trendwende eingeläutet? Die Experten von Der Aktionär meinen: "Ja". In seiner aktuellen Einschätzung schreibt Florian Söllner: "Durch das weltweite Umdenken dürfte der charttechnische Abwärtstrend von Aktien wie Solarworld und Q-Cells vorbei sein. Nach dem ersten großen Kurssprung setzte eine gesunde Konsolidierung ein. Gut möglich, dass mit dem heutigen, starken Handelsstart eine zweite Aufwärtsbewegung von SolarWorld und Co einsetzt. Neben Solarworld bleibt Centrotherm aussichtsreich. Zudem profitieren die chinesischen Solarhersteller Suntech Power, Yingli Green Energy und Trina Solar vom globalen Umdenken."
Nordex arbeitet mit Nachdruck an Rückkehr auf Wachstumskurs
Die Aktie von Nordex profitiert heute jedenfalls nicht nur vom Wahlergebnis im Süden und Südwesten Deutschlands sondern auch von einem neuen Großauftrag. Der norddeutsche Windkraftanlagenbauer soll 22 Anlagen für das Projekt "Drone Hill" in Schottland liefern. Nordex hat damit den nächsten Großauftrag aus den USA erhalten. Aller Voraussicht nach werden die Anlagen im September in Betrieb genommen. Der Auftraggeber hat Nordex zusätzlich einen fünfjährigen Wartungsauftrag erteilt. Die ersten neun Anlagen sollen im Februar 2012 in Betrieb gehen, die übrigen 13 im August. Der erwartete Jahresertrag Des gesamten Windparks liegt bei rund 66 Gigawattstunden.
Nordex legte heute zudem die endgültigen Jahreszahlen aus 2010 vor. Im vergangenen Jahr musste das Unternehmen einen Umsatzrückgang von fast 20% auf 972 Mio. Euro hinnehmen. Wegen Kostensenkungen blieb der operative Gewinn (EBIT) den vorläufigen Berechnungen zufolge aber mit 40 Mio. Euro stabil. Die Marge stieg damit leicht von 3,5 auf 4%. Diese Marke will Nordex trotz des anhaltenden Preisdrucks in diesem Jahr verteidigen. Erst im kommenden Jahr rechne man mit einer nachhaltigen Trendwende. Es seien aber bereits jetzt Wachstumsimpulse sichtbar. So soll der Auftragseingang im laufenden Geschäftsjahr um 20% auf rund eine Milliarden Euro zulegen. Dies sollte sich von 2012 an in einem steigenden Umsatz und Ergebnis niederschlagen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach