Hiobsbotschaften vom Arbeitsmarkt ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 09. August 2004 18:00 Uhr
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Die erste August-Woche hatte es in sich. Die deutschen Aktien mussten im Wochenverlauf starke Kursverluste hinnehmen. Letztlich ging der Dax am Freitag bei 3727 Punkten aus dem Handel.
Ein Wochenverlust von über vier Prozent ist mehr als nur beachtlich. Nicht zuletzt auch deshalb, zumal sich die charttechnische Ausgangslage weiter verschlechtert hat. Insofern ist es gut möglich, dass der Dax in den nächsten Tagen die Widerstandszone bei 3680–3700 nach unten durchbricht. Es ist dann wahrlich nicht unwahrscheinlich, daß der Index dann schnell bis in die Region von 3300 Punkten abrutschen könnte.
Und, angesichts der dramatisch-schwachen realwirtschaftlichen Lage in Deutschland ist dieses Szenario gewiss nicht unrealistisch. Mehr denn je gibt es äußerst bedenkliche Warnsignale vom Arbeitsmarkt. Insofern herrscht mitten im Hochsommer Eiszeit.
Selbst in der "offiziellen Statistik" wurde für den Juli ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosen um 126500 Personen auf 4,36 Millionen Menschen vermeldet. Dies ist der höchste Juli-Stand seit der deutschen Wiedervereinigung. Im Mai diesen Jahres nahm die Zahl der Beschäftigten saisonbereinigt erneut um 10000 im Vergleich zum Vormonat, im Vergleich zum Vorjahr um 100 000 ab. Wie schon mehrmals erwähnt, die wahre Zahl der Arbeitslosen dürfte fast doppelt so hoch sein. Müßig zu betonen, dass es sich dabei um eine immer bedrohlicher tickende Zeitbombe handelt. Weiters musste die Industrie im Juno 2004 einen kräftigen Rückgang der Produktion (um 1,9 Prozent) verzeichnen.
Zudem steht auch immer mehr Verbrauchern – finanziell betrachtet – das Wasser bereits höher als nur bis zum Hals. Im Mai nahm die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sowohl im Vormonats- als auch im Vorjahresvergleich um mehr als ein Drittel auf neue Rekordhochs zu. Wie auch immer, die wirtschaftliche Lage Deutschlands ist alles andere als stabil. Bleibt zu hoffen, dass angesichts der gewaltigen Probleme des Landes nicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährdet wird, was erste Auguren bereits befürchten.
Auch jenseits des Atlantiks fielen die Juli-Arbeitsmarktdaten alles andere als positiv aus. Ein Stellenaufbau von nur 32000 ist angesichts der Tatsache, dass 243000 neue Jobs erwartet wurden, eine herbe Enttäuschung. Nachdenklich stimmt vor allem, dass im Handel insgesamt 19000 Stellen im Juli verloren gingen. Dies ist auch nicht wirklich verwunderlich, zumal ja schon im Juno die persönlichen Verbrauchsausgaben der Amerikaner stärker als erwartet um 0,7 Prozent zurückgingen.
Außerdem spitzt sich auch die Lage bei der Jugendarbeitslosigkeit in den USA zu, die Arbeitslosenrate stieg erneut auf bedrohlich hohe 17,6 Prozent an. Ebenfalls sind die US-Aktienmärkte charttechnisch schwer angeschlagen und weitere, kräftige Kursabschläge liegen in der Luft. Angesichts dieser Ausgangslage dürfte es also in den nächsten Tagen sehr, sehr spannend werden. Vor allem auch, was der Offenmarktausschuß der Fed am Dienstag verkünden bzw. beschließen wird.
Wie dem auch sei, der Ölpreis setzt seinen Aufwärtstrend nahezu unbeirrt fort. Ein baldiges Ende dieses MEGA-Trends ist sicherlich nicht zu erwarten. Im Zuge der Marktturbulenzen aufgrund der schwachen US-Arbeitsmarktdaten schoss am Freitag der Goldpreis wieder bis auf annähernd 400 US-Dollar in die Höhe. Für Euro-Anleger blieb aber der Preis für die Feinunze Gold stabil bei 325 Euro.
Letztlich braucht man aber wahrlich kein großer Prophet, dass vor dem Hintergrund der Verwerfungen an den Devisen- bzw. Aktienmärkten der Goldmarkt phantastische Perspektiven hat ...