Hintergrundwissen: Was ist eigentlich Geld?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 5. Dezember 2008, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
es ist soweit: Auf vielfachen Wunsch Ihrerseits beginnt ab heute meine Artikelserie zum Thema Geld & Finanzsystem. Diese wird etwas länger und relativ umfangreich, da es eine Reihe von wichtigen Dingen gibt, die m.E. nach erwähnt werden sollten.
Die ersten Artikel werden sich mit der Frage befassen, was man überhaupt unter Geld versteht und anschließend dazu überleiten, wie unser heutiges Geld überhaupt "gemacht" wird. Der ein oder andere Punkt mag hierbei sehr technisch anmuten, aber ich kann Ihnen garantieren, dass es sich lohnt, all die Punkte nachzuvollziehen, welche ich Ihnen die nächsten Wochen schildern werde. Ich bin mir sicher, dass die meisten von Ihnen sehr überrascht sein dürften, was einige Punkte angeht...
Ein prinzipieller Vorabhinweis: Die Geschichte des Geldes geht über mehrere tausend Jahre und kann somit unmöglich von mir hier in einem kleinen Artikel zusammengefasst werden. Ich habe mich daher entschieden, einen sehr groben und stark vereinfachten Schnelldurchlauf zu bieten.
Wer hierzu mehr wissen möchte, dem seien z.B. die ersten Kapitel von Ferdinands Lips "Die Goldverschwörung" empfohlen. Hier handelt es sich nicht um ein verschwörungstheoretisches Machwerk, sondern lediglich um einen etwas reißerischen Titel. Herr Lips war zu seinen Lebzeiten u.a. Bankier beim Haus Rothschild und dort auf den Goldmarkt spezialisiert. Gleichzeitig hat er sich zu seinen Lebzeiten sehr mit Geldgeschichte befasst. Herr Lips hat sich durchaus einen Namen gemacht. Ich stimme mit sehr vielen Aussagen in seinem Buch nicht überein, aber den historischen Abriss, den er gibt, kann ich empfehlen.
Was ist Geld? - Ein (stark vereinfachter) Blick auf die Geschichte im Schnelldurchlauf
Wenn wir einmal etwas weiter in die Geschichte zurücksehen, so dürfte sicher jeder von Ihnen wissen, dass früher einmal der Tauschhandel herrschte. Das Prinzip war einfach: Wenn es zwei Parteien gab, die an einem Tausch interessiert waren, also der eine etwas hatte, was der andere brauchte (und andersherum), einigte man sich auf die Bedingungen für den Tausch und führte diesen durch. Nun war dies natürlich nicht immer zweckmäßig, denn oft war es gerade in dringenden Fällen ein Problem, die "richtige" Ware zu bekommen, damit die andere Partei, die etwas hatte, was man selbst brauchte, einem Tausch zustimmte.
Dies führte zum Gedanken, eine Art Zwischenmittel (Geld) einzusetzen. Hier setzen sich in der Geschichte Gold und Silber als Medium durch (was nicht heißt, dass es zwischendurch auch nicht andere Münzen immer wieder gab). Was u.a. hierfür sprach war, dass man Gold und Silber nicht beliebig vermehren konnte und in Gold und Silber szsg. ein gewisser Wert gespeichert war, wie z.B. die benötigte Arbeitskraft um dieses zu fördern. Selbst die amerikanische Verfassung legt fest, dass Gold und Silber die einzigen Zahlungsmittel in den USA sind. Von ungedeckten Papierwährungen ist bewusst nicht die Rede... Mehr dazu aber in einem späteren Teil.
Natürlich gefiel dies dem ein oder anderen fiskal undisziplinierten Politiker schon damals nicht und es wurde immer wieder versucht, Münzen zu strecken, indem der Gold- oder Silberanteil reduziert wurde. In der Regel endete dies aber damit, dass die Kaufleute dies erkannten und die "falschen" Münzen geächtet und nicht mehr akzeptiert wurden, so dass am Ende der Herrscher gezwungen war, diese zurückzunehmen und einzuschmelzen.
Aber auch dieses System wurde eines Tages weiterentwickelt und man begann, das Gold und Silber (nun schwerpunktmäßig eher das Gold) in Banken zu deponieren und stattdessen Anspruchsscheine auf eine bestimmte Menge Gold und Silber als Geld zu nutzen (heute nennen wir diese Dinge "Banknoten"). Der Gedanke dahinter war, dass jeder Halter solch eines Zahlungsversprechens jederzeit zur Bank gehen und sich dort die entsprechende Menge Gold auszahlen lassen könne.
Nun stellten einige (vermeintlich) schlaue Banker fest, dass meist nur ein Teil des Goldes, welches sie hielten, zur Auszahlung kam und es gelang einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, welcher es gestattete, dass nur noch ein prozentualer Teil des Goldes vorgehalten werden musste und somit keine 100%ige Deckung mehr gegeben war.
Heutzutage sind keine Währungen mehr gold- oder anderweitig materiell gedeckt. Es handelt sich also bei Euro, USD, CHF, etc. um reine Papierwährungen, welche ihren Wert lediglich dadurch erhalten, dass die Masse der Nutzer zustimmt, dass dieses Papier einen Wert haben soll. Offiziell steht z.B. hinter dem US-Dollar lediglich "the full faith and credit of the US government", in anderen Worten, der US Staat garantiere den Wert der amerikanischen Währung...
Was dies genau und im Detail heißt und woher Geld kommt, werden wir uns ab nächster Woche etwas theoretischer und genauer ansehen.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Beste Grüße
Alexander Hahn