Hintergrund: Amerikanisches Wirtschaftswachstum
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 5. August 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Thema amerikanisches Wirtschaftswachstum
Letzten Freitag gab es Zahlen zum zweiten Quartal.
Ich schrieb dazu in den „Heute anstehenden Terminen":
"Wirtschaftswachstum ist der falsche Begriff - denn es gibt kein Wachstum, sondern ein Minus. Euphemistisch könnte ich von `Negativ-Wachstum´ sprechen, doch hier beim Trader´s Daily sind wir klare Worte gewohnt. Also: Die US-Wirtschaftsleistung wird auch im letzten Quartal geschrumpft sein. Die Frage ist, wie stark."
Und wie stark ist die US-Wirtschaft geschrumpft?
Um ein Prozent.
Dies wurde von Tradern weltweit positiv aufgenommen (die US-Märkte legten kräftig zu et.c)
Warum? Minus ist zwar nicht gut, aber im Vorquartal hatte das Minus noch bei 5,5% (revidiert -6,4%) gelegen. Das Minus hatte also erheblich abgenommen, was mit „das Schlimmste ist vorüber" interpretiert wurde.
*** Ich habe mir die Zahlen genauer angesehen. Meine Einschätzung:
So toll waren die Zahlen durchaus nicht! Denn wie ist diese deutliche Verbesserung (geringeres Minus) zustande gekommen?
Sind die Investitionen gestiegen, oder hat sich der private Verbrauch erholt?
Keineswegs. So sinken die Bauinvestitionen weiter, und das mittlerweile schon seit dem 2. Quartal 2006.
Die Verbesserung kommt durch den Außenhandel zustande.
Ja, da hat sich das Minus in der US-Handelsbilanz verringert, eigentlich eine schöne Sache.
Doch wie kam das zustande? Sowohl Exporte als auch Importe gingen deutlich zurück. Die Exporte gingen um 7%; die Importe brachen allerdings noch stärker ein, um 19% (aufs Jahr hochgerechnet).
Mit anderen Worten: Die USA führen erheblich weniger Waren und Dienstleistungen aus - die Importe brachen aber noch stärker ein.
Das ist die tolle Verbesserung. Das ist der Hauptgrund für die deutliche Verringerung beim Minus der US-Wirtschaftsleistung.
Das ist der Hauptgrund dafür, dass viele Trader nach den Zahlen vom letzten Freitag US-Aktien gekauft haben.
Für mich ganz bestimmt kein Grund. Wenn Importe und Exporte einbrechen, die Importe allerdings stärker - dann kann ich darin keinen Grund für die Notwendigkeit einer Einschätzungsänderung sehen.
Meiden Sie weiterhin US-Aktien! (Generell gesprochen; natürlich kann es immer mal wieder einen schönen Einzelwert geben. Ich propagiere allerdings „Märkte statt Einzeltitel", auch wenn ich da selbst nicht ganz konsequent bin).
Insbesondere das Währungsrisiko ist mir da zu groß.
Bleiben Sie wachsam!
Ihr
Michael Vaupel