Hexensabbat ohne Hexentanz
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 20. September 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Ich habe einige Diskussionen in der vergangenen Nacht geführt, ob der Markt nun steigt, oder weiter fällt. Was passiert nach dem Hexensabbat? Immerhin gefallen mir solche Diskussionen besser, als die Resignation, die in letzter Zeit immer wieder zu spüren war. Einig sind sich aber viele darin, dass die Stimmung in den Medien wirklich mies genug ist, um einen zumindest kurzfristigen Boden anzukündigen. Nur der Zeitpunkt ist umstritten. Die Elliot Waver vermissen noch ein paar Wellen, die Chartisten sehen noch etwas Downpotential im Nasdaq100, die Fundamentalanalysten sind sowieso auf "Abwärts" eingeschworen. Es gibt aber auch schon erste Börsenbriefe, die auf ein mögliches Ende der Kursverluste aufmerksam machen. Also alles in allem noch sehr chaotisch zu Zeit. Auf der FTD Internetsite war dann auch zu lesen: "Dax fällt unter 3000 Pkt in Kürze mehr". Wie soll man das verstehen?
Ansonsten nicht viel Neues. Der Hexensabbat verlief erstaunlich ruhig. Der Dax sollte wohl zuerst auf 3100 Pkt gezogen werden. So stiegen am Morgen besonders die Schwergewichte, Allianz, DTE und Siemens. Das Settlement um 13 Uhr war dann wieder genauso spannend, wie erwartet. Der Dax wurde im Tief bei 618 Pkt getaxt. Nein, das ist kein Tippfehler. Wie so üblich wurde während des Settlements durch einige große Ordern Extreme erreicht, da noch keine anderen Ordern dagegen standen. Anderseits kann so ausgelotet werden, wie viele Aktien in den Markt gedrückt werden müssen, um bestimmte Marken zu erreichen. Danach wurde der Dax ganz langsam auf 3007 Pkt hochgezogen, dort konnte er sich bis kurz vor Ende des Settlements behaupten. Ganz plötzlich, kurz vor Schluss, wurde er auf 3057 Pkt hochgekauft. Es scheint also, es gab zwei gegensätzliche Interessen, die einen wollten den Dax auf 3000, die anderen auf 3100 Pkt. Um 13.05 Uhr wurde 3057,89 Pkt als Settlementkurs ausgegeben. In der Zeit wurden 110 Mio Aktien umgesetzt. Normal sind 1–2 Mio Aktien.
Mehr spannendes ist heute nicht passiert. Nachdem der Dax kurz nach der Eröffnung bis fast 2950 Pkt abgetaucht war, konnte er sich bis 10.30 Uhr wieder erholen und hielt sich dann in einer Spanne zwischen 3040 Pkt und 3090 Pkt auf. Da konnte dann auch der Hexensabbat nichts ändern. Der eigentliche Tanz blieb aus.
Die amerikanischen Indizes eröffneten zuerst positiv gaben aber schnell ihre Gewinne wieder ab. Um 17.00 Uhr standen der Dow 7937,27 Pkt, –0,06 % und der Nasdaq 100 bei 866,45 Pkt, 0,11 %
Der Dax rutschte mit den amerikanischen Indizes auf 3023,58 Pkt, +0,58 %.
Behalten sie die amerikanischen Märkte nach 20 Uhr im Auge, sollten sie steigen, könnte es Montag zu stärkeren Kursteigerungen auch im Dax kommen. Wichtig ist auch die 856 Pkt Marke im Nasdaq 100, das letzte Tief vom 05.08.2002. Sollte diese Marke nach unten brechen, gibt das weitere negative Signale an den Markt.