Heutige Ausgabe: Marktbericht, Depression und Aktienkurse, Tipp
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 8. Juli 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
ist das nicht schön? Endlich ist der Sommer mit seiner Urlaubszeit da. Schnell die Sachen gepackt, das Haus verschlossen und los geht's mit 200 Sachen und ordentlichem Einsatz der Lichthupe, Blinker und sämtlicher Scheibenreinigungsflüssigkeiten über die Autobahn zum Flughafen...
Kaum dort angekommen heißt es auch schon, den üblichen Hindernislauf bis hin zum Gate zu meistern, und da steht er: Der große Flieger, der Sie in den Urlaub bringen wird. Nur noch Minuten trennen Sie vom Einsteigen. Vor Ihrem inneren Auge beginnen bereits die ersten Bilder von weißen Stränden und wunderbar blauem Wasser zu entstehen und langsam aber sicher kommen Sie zur Ruhe.
Ihre Sitzreihe wird aufgerufen und Sie betreten das Flugzeug. Doch was ist das? Dieser Flieger scheint etwas ganz besonderes zu sein. Überall finden Sie Fahnen in schwarzer, roter und goldener Farbe und ein schematisches, kunstvoll entworfenes Emblem der Bundesrepublik ziert das Innere.
Die Tür schließt sich, die Triebwerke werden hochgefahren und schon ertönt die, wie Sie mit Schrecken feststellen, schwer lallende Ansage des Kapitäns:
Scheehr geehrte Fluggässchte, herrrschlisch willkommen an Boohrrt ter Teuschen Wirschaaaft! ....
Sie sind erschrocken zu hören, wie der Kapitän stolz darüber berichtet, dass das Flugzeug schon länger nicht mehr gewartet worden sei aber ja trotzdem noch fliege. Stattdessen habe man in der Frankfurter Werft einfach einen großen "Zauber-Farbmischer-Automaten" angeworfen, der unendlich Farbe produziert, und damit alle Risse einfach überpinselt.
Die Maschine setzt sich in Bewegung und schlingert langsam und "souverän" kontrolliert in unübersehbaren Schlangenlinien und unter Verlust einiger Reifenteile zur Startbahn. Das Leck im Flügeltank fällt Ihnen schon gar nicht mehr auf, denn über die Lüftung bzw. in der Kabine scheint es etwas nach Alkohol zu riechen. Aber Sie sind sich sicher, dass dies wohl nur eine Einbildung sein und unmöglich aus dem Cockpit kommen kann...So betrunken kann ja schließlich niemand sein?
Sie versuchen sich etwas zu entspannen und lehnen sich zurück, während Sie aus dem Fenster sehen. Doch was ist das? Ein breiter brauner Streifen auf der Tragfläche. Sie trauen Ihren Augen nicht....
Dünnes Paketklebeband zur Befestigung des Flügels? Auch Ihr Sitznachbar ist schockiert.
Nun reicht es Ihnen und Sie rufen nach einem Flugbegleiter. Ein wenig später taucht dieser auch auf und erklärt Ihnen völlig ruhig und souverän, dass es sich bei dem Paketklebeband um eine fachmännische Reparatur der Berliner Vertragswerft handele und Sie nicht auf Ihren Sitznachbar hören sollten. Es sei unmöglich, dass der Flügel abbrechen könne, denn bisher habe er es ja auch nie und der Großteil der Mechaniker in der Werft, die ja alles Experten seien, sehe das letztlich auch so. Außerdem sei Ihr Sitznachbar sowieso nur ein bösartiger Verschwörungstheoretiker, der unbewiesene Fakten in die Welt setze und somit als potentieller Meinungsterrorist vielleicht am besten vorbeugend aufgrund von "Gedankenverbrechen" inhaftiert werden sollte.
Das Flugzeug setzt mit heulenden Triebwerken zum Start an. Es überrascht Sie schon nicht mehr zu sehen, dass dabei ein Triebwerk abfällt, das Flugzeug einen Tailstrike hinlegt und es von irgendwo verdächtig kalt in die Kabine zieht... Nur nicht auf die "Verschwörungstheorien" hören!
Sie versuchen sich also zu beruhigen: Das wird schon alles nicht so schlimm. Das hier ist Deutschland. Dieses Flugzeug dürfte hier niemals starten und landen, wenn es gefährlich wäre, mit ihm zu fliegen. Der Staat kontrolliert das mit seinen lieben Behörden streng und auf ihn ist ja schließlich immer und in allen Problemsituationen Verlass, wie jeder gute und brave Bürger der Bundesrepublik weiß.
Ihre Gedanken werden allerdings jäh unterbrochen, als Sie einen Feuerstrahl aus dem Triebwerk schießen sehen und das Flugzeug stark an Höhe zu verlieren beginnt... Hektisch versuchen Sie an Ihr Handgepäck zu gelangen und suchen nach dem goldenen Fallschirm...
Fliegen! Gibt es etwas, das schöner ist?
(Ähnlichkeiten mit der Realität bzw. realen Personen sind rein zufällig und selbstverständlich unbeabsichtigt)
Übertreibt der böse Daily-Autor schon wieder?
Sicher mag bei manch einem von Ihnen, liebe Leser, meine bildhafte Darstellung der deutschen Wirtschaft nicht auf Zuspruch stoßen. Doch wenn alles so gut und die Krise vorbei ist, weshalb die Debatten über teils drastische Erhöhungen der Mehrwertsteuer nach der Bundestagswahl?
Warum das erneute Gerede in den USA über ein zweites "Rettungspaket" (welches übrigens nicht nur aus meiner Sicht katastrophal für die USA wäre)?
Sind die "Green Shoots", von denen die vergangenen Wochen und Monate eifrig und hoffnungsbesoffen phantasiert wurde, vielleicht doch schon wieder verwelkt?
Ich erspare es Ihnen und mir, Sie mit "Depressionszahlen" zu versorgen, denn diese finden Sie bereits genug in den Massenmedien.
Dieser fundamentale Bärenmarkt wird wohl weiter anhalten. Passend hierzu habe ich heute einen Kommentar von Herrn Vogt für Sie ausgewählt.
Darüber hinaus gibt es den üblichen kleinen Marktbericht und eine Antwort auf die häufig gestellte Einsteiger-Frage "Wie oft sollte man den Kurs einer Aktie verfolgen?"
Ich wünsche Ihnen trotz meiner kleinen Luftfahrt-Horrorvision heute - sofern anstehend - einen gesunden und angenehmen Urlaub. Für mich fällt dieser arbeitsbedingt diesen Sommer leider flach; Sie werden also weiterhin mit meinen Artikeln beglückt werden...
Beste Grüße
Alexander Hahn
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