Heute vor 61 Jahren
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 09. Mai 2006 12:00 Uhr
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*** Oliver, ein Bekannter von mir – ehemaliger Casanova der Stadt und Lebemann, der jetzt zum fürsorglichen Vater mutiert ist – setzt seit einigen Jahren auf Sportwetten. Mittlerweile konnte ich ihn aber davon überzeugen, dass Rohstoffe aussichtsreicher sind.
Gestern schrieb er mir: "Anstatt zu wetten hätte ich vor 2 Jahren lieber in meinen Wettanbieter investieren sollen: betandwin, WKN 936172 (unglaublich!)"
*** Die Industriemetalle, insbesondere Nickel und Kupfer, sind weiter auf dem Vormarsch ... alleine Kupfer legte letzte Woche wieder mehr als 10 % zu. Weiter dran bleiben – ich wollte es nur mal gesagt haben!
*** 8. Mai – Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. Eigentlich ist der 9. Mai das richtige Datum, denn es war bereits kurz nach Mitternacht, als Keitel & Co. (Hitler hatte sich ja seiner Verantwortung entzogen) vor den Sowjets in Berlin-Karlshorst die Kapitulationserklärung unterschrieben.
*** "Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern. Die Menschen, die ihn bewusst erlebt haben, denken an ganz persönliche und damit ganz unterschiedliche Erfahrungen zurück. Der eine kehrte heim, der andere wurde heimatlos. Dieser wurde befreit, für jenen begann die Gefangenschaft. Viele waren einfach nur dafür dankbar, dass Bombennächte und Angst vorüber und sie mit dem Leben davongekommen waren. Andere empfanden Schmerz über die vollständige Niederlage des eigenen Vaterlandes. Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar waren andere Deutsche für den geschenkten neuen Anfang. Es war schwer, sich alsbald klar zu orientieren. Ungewissheit erfüllte das Land. Die militärische Kapitulation war bedingungslos. Unser Schicksal in der Hand der Feinde. Die Vergangenheit war furchtbar gewesen, zumal auch für viele dieser Feinde. Würden sie uns nun nicht vielfach entgelten lassen, was wir ihnen angetan hatten?"
"Die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden. Und nun sollte sich herausstellen: Das alles war nicht nur vergeblich und sinnlos, sondern es hatte den unmenschlichen Zielen einer verbrecherischen Führung gedient. Erschöpfung, Ratlosigkeit und neue Sorgen kennzeichneten die Gefühle der meisten. Würde man noch eigene Angehörige finden? Hatte ein Neuaufbau in diesen Ruinen überhaupt Sinn? Der Blick ging zurück in einen dunklen Abgrund der Vergangenheit und nach vorn in eine ungewisse dunkle Zukunft."
"Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft."
"Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen."
"Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteiligen. Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg."
*** Stammt nicht von mir, der obige Text. Es handelt sich um die Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, die dieser am 8. Mai 1985 – zum 40. Jahrestag des Kriegsendes – im Bundestag gehalten hatte. Eine meiner Ansicht nach sehr treffende Ansprache (keine der üblichen Sonntagsreden!).
Viele Grüße,
Michael Vaupel