Heute keine Zinserhöhung?
Dan Denning in Baltimore in Traders Daily
vom 20. September 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Wird die Fed heute die Leitzinsen um einen weiteren Viertelprozentpunkt erhöhen?
Ich denke, dass die Dinge eher dafür sprechen, dass die Fed eine Pause einlegen sollte und bei dem kommenden Treffen nichts tun sollte. Ich denke, vernünftige Leute würden unter den gegebenen Umständen genau das tun. Ich denke, es wäre das richtige. Aber kann ich wissen, was die Fed tun wird? Da bin ich am wenigsten sicher.
Allerdings haben die 'Falken' der Zentralbank in der Öffentlichkeit allzu deutlich die Position vertreten, dass Katrina keinen direkten Einfluss hat und daher der vorher eingeschlagene Kurs auch in Zukunft fortgesetzt würde. Einer der 'Falken' ist Mr. Moskow von der Zentralbank in Chicago. Jetzt fallen mir auch die Kommentare von Mr. Santomero auf, dem Präsidenten der Zentralbank von Philadelphia, der sagte: "Die Expansion kommt in die Jahre, die Preisdynamik der Wirtschaft wird sich verlagern [nach oben]" Er machte sich Sorgen über die inflationären Kräfte, die gerade wirken.
Ich verstehe diese Sorgen und es steht außer Frage, dass Katrina diese Sorgen noch verschärfen wird, wenn der Wiederaufbau in den nächsten Monaten anfangen und dann noch einige Jahre in die Zukunft andauern wird. Aber bedeutet das wirklich, dass die Zentralbank sich nicht dazu entschließen kann, zu pausieren, wenn auch nur für eine Weile? Ich denke nicht, aber Mr. Santomero scheint das anders zu sehen ... und um ehrlich zu sein: Seine Meinung zählt mehr als meine.
Was mich wirklich ohne Vorwarnung erwischt hat, waren die Kommentare von Ms. Yellen, die heute die Präsidentin der Zentralbank von San Francisco ist und ein ehemaliges Mitglied im Vorstand der Bundeszentralbank. Ms. Yellen ist sich der politischen Situation der Fed vollständig bewusst und so darf man wohl annehmen, dass ihre Kommentare wohl bemessen sind. Deshalb höre ich ihr normalerweise besonders aufmerksam zu und sie hat in der letzten Zeit ganz besonders zugunsten einer weiteren Kontrolle der Inflation gesprochen.
Nachdem sie feststellt, dass die Folgen von Katrina mit Sicherheit zu einem Rückgang des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts im letzte Quartal dieses Jahres führen wird, weist sie dennoch darauf hin, dass die steigenden Ölpreise diesmal eher an den Verbraucher weitergeleitet werden, als das in den vergangenen Jahren der Fall war. Ihr Ton ließ echte Besorgnis vermuten.
Damit haben wir Santomero und Yellen, die die Position vertreten, die Inflation weiterhin unter Kontrolle halten zu wollen, und sie vertreten diese Position ziemlich öffentlich. Ich hoffe, dass wir auch noch was von den anderen, von den "Tauben", zu hören bekommen. Ich erwarte, dass irgendwer die Gegenposition ebenso öffentlich vertreten wird, wie Santomero, Yellen & Co. ihre. Das Problem ist, dass diese "Tauben" bei der Zentralbank immer eine schwere Position haben.
Es ist leicht, die Inflation als ein mögliches Problem auszumachen. Der ernste Anstieg der Immobilienpreise und die Sorgen der Zentralbank sind gut dokumentiert. Die Fed macht sich bereit, riesige Geldmengen in die Wirtschaft zu pumpen. Die Kaffeepreise sind um sieben Prozent gestiegen und Zucker sogar um dreißig Prozent, weil es Probleme beim Transport gibt. Die Nachfrage nach allen Produkten, die gebraucht werden, um die Häuser wieder aufzubauen, wird einen steilen Anstieg der Nachfrage erleben. Mit den Ölpreisen werden auch die Frachtkosten für diese Produkte steigen. Wenn Yellen Recht behält und die Preisanstiege, die durch steigende Kosten verursacht werden, haften bleiben, dann kann man davon ausgehen, dass wir einen Anstieg der Inflation erleben werden. Und da die Inflation schon in der Nähe des Höchstwertes ist, den die Fed noch gerade ertragen kann, sollte die Fed da nicht präventiv sicherstellen, dass die Inflation nicht zurück kommt?
Die knappe Antwort lautet: Nein. Es gibt Kräfte, die in Zusammenwirkung mit Katrina diese Trends verändern könnten. Lassen Sie uns einige davon ansehen.
Zuerst will ich eine Analyse betrachten, die zeigt, unter welchem Druck die Verbraucher gerade stehen. Sie denken, dass die Zentralbank zum absoluten Stillstand kommen könnte, während sie sich Sorgen machen, dass die Wirtschaft auf eine Rezession zurollt, wenn die Fed auf dem gegenwärtigen Kurs weitersteuert. Ich möchte darauf hinweisen, dass die steigenden Energiepreise ihr Tribut von den Verbraucherausgaben fordern werden, aber es ist ja nicht nur die Energie. Die steigenden Zinssätze für die Hypotheken und Katrina machen die Dinge noch schlimmer.
Die Energie ist der größte Angriff in dem Vierflankenangriff auf die Wirtschaft. Wir werden das Ausmaß dieser vier Flanken auf das verfügbare Einkommen vergleichen und die Größe dieser Probleme zeigen und warum sie zu einem Konjunkturrückgang von Verbraucherseite führen können.
Das verfügbare Einkommen der Amerikaner liegt den Schätzungen des Bureau of Economic Analysis (BEA) zufolge bei neun Billiarden Dollar. Es ist das, was 295 Millionen Amerikanern bleibt, nachdem Steuern und andere kleinere Posten abgezogen wurden. Es ist die Quelle unserer Verbraucherausgaben und unserer Schuldenzahlungen. Glücklicherweise listen die Zahlen der BEA die Energiekosten auf, die bei uns auflaufen. Und wenn die Energiekosten steigen und sonst alles gleich bleibt, sinkt das verfügbare Einkommen.
Es ist also durchaus unklar, ob die Fed die Zinsen heute wieder um 25 Basispunkte erhöhen wird. Morgen werden wir mehr wissen!