Heute: die Hoffnung stirbt zuletzt!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 10. Oktober 2011, 20:30 Uhr
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Angie und Nic, Häuptlinge der Deutschen und Franzosen, haben uns gestern erklärt, sie wollen bald eine umfassende Lösung für alle Eurozonen-Probleme finden - und zwar noch bis Ende des Monats. Wie diese Lösung aussehen soll, weiß keiner...auch Angie und Nic noch nicht, weshalb man den EU-Gipfel um eine Woche nach hinten verschoben hat. Denn jetzt müssen alle Beteiligten erst einmal fest darüber nachdenken, wie sie die Banken retten und Griechenland umschulden wollen. Das Problem dabei: wenn sie auch weiterhin alleine nachdenken, werden sie wohl auch bis Ende des Monats keinen Kompromiss gefunden haben. Denn schon jetzt gehen beim Thema Bankenrettung die Meinungen auseinander. Während Frankreich mit seinem hohen Haushaltsdefizit eine Bankenrettung durch den EFSF vorzieht, sind die Deutschen davon verständlicherweise nach wie vor gar nicht begeistert und setzen lieber auf die "jeder Staat löst seine eigenen Banken-Probleme"-Lösung.
Na, mal sehen, was sie sich einfallen lassen werden...im Moment jedenfalls reicht das Lippenbekenntnis von Angie und Nic aus, um die Märkte hoffnungsfroh in die Woche starten zu lassen. Alles weitere zu diesem Thema gibt es morgen, denn heute wollen wir uns einen Rückblick über die Rohstoffmärkte in der vergangenen Woche verschaffen.
Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 03.10.-10.10.2011
Energie
In der vergangenen Woche konnten vor allem die Notenbanken und ein überraschend starker Abbau der US-Rohöllagerbestände den Ölpreisen Unterstützung bieten. Heute tut die hoffnungsfrohe Stimmung ihr Übriges.
Nachdem die Ölpreise zu Beginn der vergangenen Woche zunächst weiter abgegeben hatten und Brent Crude am Dienstag letzter Woche kurzzeitig unter 100 USD pro Barrel (WTI notierte kurzfristig sogar unter 75 USD pro Barrel) handelte, konnte FED-Chef Bernanke am Dienstag schließlich das Stimmungsumfeld schon ein wenig aufhellen, indem er ankündigte, dass man, sofern erforderlich, durchaus weitere (Liquiditäts) Maßnahmen ergreifen würde. Am Donnerstag gesellten sich dann auch die EZB und die Bank of England, mit der Ankündigung weiterer Liquiditätsmaßnahmen und Anleihenkäufe hinzu.
Auf der fundamentalen Seite bot der überraschend deutliche Abbau der US-Rohölbestände Mitte der Woche weitere Unterstützung. Wie die EIA bekannt gab, sind die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche um 4,7 Millionen Barrel gesunken. (Die Benzinbestände sanken um 1,1 Millionen Barrel, die Destillatsbestände um 700.000 Barrel.) Damit liegen die US-Rohölbestände auf dem niedrigsten Level seit 8 Monaten. Und auch die Bestände im Knotenpunkt Cushing sanken um weitere 800.000 Barrel, womit sie nun auf dem niedrigsten Level seit 18 Monaten liegen.
Heute sonnen sich die Märkte allesamt überdies in den hoffnungsfrohen Lippenbekenntnissen der deutschen und französischen Regierungschefs, während die Amerikaner schon darauf hoffen, dass sie der Rezession doch noch entgehen können. Eine Hoffnung, die vor allem auf dem deutlichen Anstieg der US-Beschäftigten-Zahl (+103.000 Payrolls im September, wobei man nicht vergessen darf, dass 45.000 ehemals streikende Arbeiter bei Verizon, die mittlerweile wieder an ihre Arbeit zurückgekehrt sind, hinzugerechnet wurden) und einer positiven Wachstumsprognose für das 3.Quartal, ruht.
So notiert WTI zur Lieferung im November aktuell bei 86 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX und Brent Crude zur Lieferung im November bei 109,07 US-Dollar pro Barrel an der ICE.
Ausblick
Die Verluste in den Ölpreisen zu Beginn der letzten Woche waren heftig, eine Gegenbewegung notwendig. Doch für überbordende Euphorie besteht noch kein Anlass. Der Rückgang der US-Rohölbestände ist zum großen Teil auch auf weiterhin sinkende US-Rohölimporte zurück zu führen. Überdies wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Libyen bald wieder als wichtiger Produzent an die Märkte zurück kehrt - womit sich die Angebotslage deutlich entspannen dürfte. Und natürlich ist nach wie vor absolute Vorsicht angesagt, was die angespannte Lage in der Eurozone angeht und auch die Lage in den USA ist und bleibt fragil - so lange keine konkreten wichtigen Entscheidungen getroffen und tatsächlich umgesetzt werden. Es bleibt daher fraglich, wie lange die aktuelle "Erholungsphase" andauert, bzw. ob und wann die Politik erneut für Enttäuschungen sorgen wird, welche die Märkte erneut belasten werden.
Edelmetalle
An den Edelmetallmärkten lassen sich nach wie vor zwei Besonderheiten beobachten. Zum einen bewegen sich die Edelmetallpreise in deutlicher Korrelation zu den Aktien- und den übrigen Rohstoffmärkten - was ein Anzeichen für die generell vorherrschende starke Unsicherheit an den Märkten und die heftigen stimmungsgeladenen Preisveränderungen an den Märkten ist (und überdies eine Parallele zu 2008 zieht). Zum anderen bietet sich speziell im Platin-Markt derzeit eine besondere Konstellation: Platin ist in der aktuellen Phase zum zweiten Mal innerhalb der letzten 15 Jahre günstiger als Gold. Zum letzten Mal kostete 1 Unze Platin im Dezember 2008 kurzzeitig weniger als 1 Unze Gold.
Der Goldpreis konnte von seinem Tief bei 1.595,60 US-Dollar pro Feinunze am letzten Dienstag zulegen, bis auf ein Hoch bei 1.675 US-Dollar im heutigen Handel und notiert aktuell bei 1.672 US-Dollar pro Feinunze.
Platin zur Lieferung im Januar 2012 konnte vom Tief bei 1.433,70 US-Dollar pro Feinunze am vergangenen Mittwoch, zulegen auf ein Hoch bei 1.543,05 US-Dollar am Freitag und handelt aktuell bei 1.526,20 US-Dollar pro Feinunze an der COMEX.
Ausblick
Edelmetalle bieten langfristig immer einen der wichtigsten Grundsteine eines Depots hinsichtlich der Vermögensabsicherung. Die aktuelle hohe Schwankungsbreite und die ungewöhnlich starke Korrelation zu den Aktienmärkten, ist besonders im Falle von Gold, hauptsächlich auf die aktuelle, generell vorherrschende Unsicherheit und Krisenstimmung zurück zu führen. Denn während die physische Nachfrage nach Gold nach wie vor hoch ist, bauen die spekulativ orientierten Marktteilnehmer ihre Netto-Long-Position ab, nehmen Gewinne mit und gleichen Verluste in anderen Asset-Klassen aus - und sorgen so für Druck auf die Preise. Ähnlich wie auch in 2008. Obgleich der Abbau der Netto-Long-Position auf Seiten der Spekulanten zuletzt nachgelassen hat, bleibt es abhängig von der weiteren Entwicklung an den übrigen Märkten, bzw. von den Entscheidungen der Politik hinsichtlich der Krise, ob zunächst noch ein weiterer Rückgang auf die Goldpreise wartet, bevor die Preise wieder in eine nachhaltige Erholungsphase eintreten und ihrem Safe Haven-Status gerecht werden können.
Platin bietet mittelfristig gesehen ein besonders starkes Erholungspotenzial, trotz seiner Konjunkturabhängigkeit als teilweises Industriemetall. Doch gerade die Nachfrage seitens der Schmuckindustrie dürfte bei den aktuell günstigen Preisen deutliche Unterstützung bieten.
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