Herzlichst willkommen im Irrenhaus!
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 10. Mai 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
herzlichst willkommen im Irrenhaus!
Während ich Ihnen dies schreibe, rasen die europäischen Märkte gerade wie ein halbtoter Junkie auf einem goldenen Schuss schlechten Stoffs in den Himmel und die Anleger feiern offenbar völlig erwartungsbesoffen und zugedröhnt die Ardennen-Offensive des finanztaktischen Oberkommandos in Brüssel / Frankfurt, das am Wochenende zum totalen Frontalangriff mit der Gelddruck-Artillerie blies.
Der DJ Euro Stoxx 50 steht, während ich Ihnen dies schreibe, mit 9.5% im Plus, der Dax liegt fast 5% vorne und auch die US-Futures stehen fest im Plus. Was der blinde Aberglaube an die Allmacht der Gelddruckmaschine, keynesianische Gehirnwäsche und ein konzertierter Abbau von Shortpositionen doch so alles bewirken kann...
Endlich ist alles wieder gut und auch Europa ist jetzt in der modernen Welt angekommen. Die Krise bedrohte uns schließlich alle (zumindest sagte das der Mann in der viereckigen Flimmerbox immer wieder, bevor ich ihn aus dem Fenster warf und beschloss, meine GEZ-Gebühren lieber pflichtbewusst der nächsten Bank für die "systemrelevanten" Boni zu spenden).
Hatten bisher nur die USA einen heldenhaften Geldschein-Bomberpiloten ("B52 Ben"), so kann ab heute auch Europa sich wahrhaft stolz aufs internationale Parkett bzw. trotz gemein gefährlicher isländischer Asche in den internationalen Luftraum begeben, denn jetzt hebt auch hier gleich eine ganze Flotte monetärer A380er ab mit "Captain Jean-Claude" als Geschwaderkommandant.
Und wird dann ein Problem am Boden gesichtet, dauert der Dialog im Cockpit sicher keine 10 Sekunden und die taktischen, monetären Nuklearsprengköpfe werden vom "Tower" in Frankfurt auf den Weg geschickt (nur bitte vorher in Washington anrufen, dass der Raketenschild abgestellt wird, wäre doch schade sonst um das "gute" Geld).
So sieht moderne Krisenbekämpfung aus, meine Damen und Herren! Endlich Schluss mit dem Gerede über Belanglosigkeiten wie Geldwertstabilität und stattdessen Dauerbeschuss des Gegners mit den "neuen Wunderwaffen". Wen interessieren dabei schon Stabilitätskriterien, die aktuell gerade mal 2 aller Euro-Länder einhalten oder gar alte Verträge, die besagen, dass es keine monetären Transfers zwischen einzelnen Ländern der Eurozone geben soll, wenn eins finanziell in Schieflage gerät?
"Verträge sind dazu da, um gebrochen zu werden."
sagte ja mal jemand in der deutschen Geschichte. Offenbar gilt diese Mentalität nun auch in mancherlei Hinsicht in Europa.
Natürlich muss in einem solch wichtigen totalen Monetärkrieg (zur Erhaltung des Elitenprojekts des europäischen Einheitsstaates wider dem Willen der Mehrheit der Bürger der EU-Länder) jedes Mitglied der Steuersklavengemeinschaft sein Opfer bringen, um die Kriegs- und Korruptionskasse zu füllen.
Denn wie das Bundesverfassungsgericht in seiner Ablehnung zum Eilantrag gegen die Griechenland-Hilfe ja schon wunderbar sagte (ich zitiere aus folgendem Artikel aus der "Welt"), gibt es keinen Grund zur Sorge:
„Das Bundesverfassungsgericht hat keine hinreichenden Anhaltspunkte, die zu der Annahme zwingen, dass die währungs- und finanzpolitische Einschätzung der Bundesregierung fehlerhaft ist“, heißt es in der Entscheidung. Sollte jetzt eine Einstweilige Anordnung ergehen, die Übernahme der Gewährleistung des Bundes für die Notkredite von bis zu 22,4 Milliarden Euro sich später aber als verfassungsrechtlich zulässig erweisen, „drohen der Allgemeinheit schwere Nachteile“.
Vergessen wir an dieser Stelle lieber mal ganz schnell, dass wir statt 22,4 Milliarden am Ende sicher noch viel höher sind... Haben wir stattdessen Vertrauen in unsere Führer, denn sie wissen ja, was sie tun. Außerdem, wer will schon diese bösen schweren Nachteile, welche hier angeführt werden, wenn wir nicht unser Geld brav verschenken lassen, sondern lieber selbst in der BRD ausgeben für derart unnütze Dinge wie Straßen oder Schulen? Um Gottes Willen!
Und wenn die monetäre Ardennen-Offensive dann früher oder später scheitert, kommt am Ende eben doch der finanzielle Volkssturm. Spätestens dieser wird den Feind bezwingen. Wie er auch damals siegreich Berlin und andere große Städte verteidigte und somit die Alliierten aus Europa vertrieb.
Nehmen Sie also Haltung an, Steuersoldat! Die Front steht! Der Endsieg ist unausweichlich!
Schreiten wir nun mit ernster Mine und wichtigem Schritt voran, sofern noch nicht erfolgt, zur patriotischen Pflicht für unsere EU-Fürsten und Politiker in Berlin und füllen pünktlich unsere Steuererklärungen bis Monatsende aus und zeigen anschließend jeden an, der es wagt, sich der "Finanzkraftzersetzung" schuldig zu machen, in dem er nur darüber nachdenkt, Geld ins Ausland zu schaffen, um seinen finanziellen Hintern zu retten...
Nur Geschlossenheit führt zum Endsieg!
Kopfschüttelnde Grüße
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von bodjw (10.05. 2010 16:47 Uhr):
Bravo!!
Antworten - Kommentar von Stefan Schacht (10.05. 2010 17:03 Uhr):
Mamma Mia, Herr Hahn, da hat es Sie ja ganz weit davongetragen. Ich nehme an, es war spät in der Nacht und Sie hatten zwei bis drei verdiente Feierabend-Biere intus. Habe mich jedenfalls gut amüsiert, und ich bin ganz bei Ihnen. Vor allem in einem Punkt: Nüchtern hält man diese ganze Scheiße nicht mehr aus. FÜNF!
Antworten - Kommentar von Helmut Höhenberger (10.05. 2010 17:15 Uhr):
Einfach nur genial ihr militärischer Artikel, Herr Hahn, die EU hat ja am heutigen neuen Staatsfeiertag die erste N-euro-nenbombe gezündet, gegen den Rest der Spekulantenmärkte.Ab heute wird zurückgeschossen!Auf zum Endsieg!..Ich glaube diese Schei.e hatten wir doch schon mal!Glaube ich mich zu errinnern.MfG Höhenberger 10.05
Antworten - Kommentar von Manuel Selbach (10.05. 2010 17:55 Uhr):
Viel bleibt da nicht, was man hinzufügen muss. Nur ein großes "Danke für diesen Artikel".
Antworten - Kommentar von Erich Klein (10.05. 2010 18:39 Uhr):
Herzliche Gratulation zu diesem mutigen Artikel. Endlich sagt 'mal einer die Wahrheit. Danke.
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- Kommentar von Wilhelm Klotz (10.05. 2010 18:39 Uhr):
Soweit so schlecht. Was wäre denn Ihre Alternative gewesen?
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (11.05. 2010 19:30 Uhr):
Sehr geehrter Herr Klotz, hier ein möglicher Alternativvorschlag, der m.E. deutlich mehr Sinn gemacht hätte (aber eben der Bankenlobby, die das Heft in der Hand hält, nicht gefallen hätte und somit unrealistisch ist): Griechenland ohne irgendeine Hilfe pleite gehen lassen, dann aus dem Euro ausschließen. Die Gläubiger einen "Haircut" bekommen lassen und DANN sich solidarisch mit Griechenland zeigen, ihm helfen, seine Schulden neu zu strukturieren und ggf. kurzfristig unter die Arme greifen. Alles andere is Moral Hazard pur und wir noch viel größere Probleme bringen. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (11.05. 2010 19:30 Uhr):
- Kommentar von Roland Pfleger (10.05. 2010 18:43 Uhr):
Ich lese Ihre Artikel jetzt schon eine ganze Weile mit großer Freude, aber heute haben Sie sich selbst übertroffen. Nur Schade, daß die Lage eigentlich zu ernst ist, um darüber zu Lachen. Weiter so! Viele Grüße Roland Pfleger
Antworten - Kommentar von thomas (10.05. 2010 19:00 Uhr):
Hallo Herr Hahn, Jammern hilft nichts. Wichtiger für uns Leser ist zu erfahren, was nun zu tun ist. Ich habe z.B. am Donnerstag (vor der Panik) EUROGOLD gekauft und den X-Dax geshortet. Hätte ich Freitag Abend Gewinne mitnehmen sollen ? Jetzt bin ich mit beidem im Minus. Was ist die richtige Absicherungsstrategie ? Rein und Raus ? Clever wäre sicher gewesen, als die Vola so niedrig war, Optionen zu kaufen. Nachher weiß man es halt immer besser. Vielleicht können Sie uns in den nächsten Ausgaben Strategieempfehlungen geben. Mit freundlichen Grüßen Thomas
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (11.05. 2010 19:21 Uhr):
Hallo Thomas, sorry, aber individuelle Investmentempfehlungen außerhalb von Investoren Wissen und meines Optionsdienstes darf ich aus gesetzlichen Gründen leider nicht geben. Helfen würde ich natürlich trotzdem gerne, aber die Regeln sind hier sehr klar... Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (11.05. 2010 19:21 Uhr):
- Kommentar von Rainer (10.05. 2010 19:02 Uhr):
Schwanengesang: Das Schöne an der Demokratie ist, daß das Volk die Regierung verdient, die sie gewählt hat. Das gilt für unsere, als auch für den brüsseler Apparat. In diesem Sinne: Das Licht am Ende des Tunnels ist der entgegenkommende Zug.
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (10.05. 2010 19:19 Uhr):
Das ist aber letztlich die Logik der Maastricht-Verträge: Durch die Währungsunion ohne zentralen Steuerungs- und Sanktionsmechanismus haben sich deren Mitglieder vertrauensselig und nach dem affirmativen Prinzip Hoffnung in Geiselhaft von kriminellen und parasitären bzw. "sorglosen" "Partnern" sowie deren Finanziers begeben, da diese die "Corner"-Situation der Gemeinschaft erkannt hatten: "Wenn Ihr uns (und die anderen in Wirklichkeit nicht kreditwürdigen Kandidaten) nicht "outbailt", bricht Euer ("unser") ganzes Währungssystem zusammen, und bezahlen müsst Ihr sowieso, da es ja Eure eigenen Banken sind, die Ihr sonst auch auslösen müsstet, damit Euer Finanzsystem nicht zusammenbricht! Und da das Geld (die Kredite) längst ausgegeben und in allerhand Kanäle verschwunden ist, müsst Ihr selbst weitere Kredite aufnehmen oder Geld drucken, was aufs selbe hinausläuft." Dieses System lässt sich ohne Selbstmord nicht mehr durchbrechen und befindet sich in seiner Todesspirale und wir alle mit ! Und die anderen "schwächeren" Partner können sogar lustig beliebig Schulden machen, da es keine Eingriffsmöglickeiten der anderen gibt, solange sie nicht um einen bailout "bitten", und wie, bitte, will man sie zur Annahme von Schutzklauseln etc. bewegen, da sie ja alle Vetorecht haben ? (Oder wüsste jemand einen Ausweg?) Übrigens wird dieser Todeslauf nicht innerhalb der Währungsunion enden, sondern auch die anderen EU-Mitglieder haben am Ende das gleiche Recht auf bailout und werden es geltend machen, falls man es ihnen wie im Falle der Finanzkrise nicht ohnehin freiwillig entgegenbringt! Jedenfalls sieht man, was unsere "weisen" Politiker entgegen den Warnungen vieler Finanzexperten angerichtet haben: Europa, eine Gemeinschaft gegenseitiger Erpressung un Ausbeutung auch auf dem Gebiet von Produktion und Handel.
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- Kommentar von kemix (10.05. 2010 21:16 Uhr):
Respekt
Antworten - Kommentar von Claus Plantiko (11.05. 2010 00:08 Uhr):
Der Irrsinn ist nur möglich, weil die Banken z.Z. die Geldschöpfungsbefugnis haben. Sie muß auf die Staaten zurückverlagert werden. Es ist pervers, wenn sie sich bei einem Privatunternehmen verzinstes Geld leihen müssen, das sie sich bei sich selber zu 0% Zins leihen können. Das teilte ich mehrfach den Bundesdienststellen unter Hinweis auf die Folgen mit: Staatsübernahme durch Bankenoligarchie Sehr geehrte Damen und Herren bei Bundestag, -rat, -regierung, -präsidialamt und –verfassungsgericht, da Sie unter den Schlagwörtern Griechenlandrettung, Finanzkrise, Währungsstabilität pp. sowieso sofort stets alle Steuergelder für alle Zeiten an alle Banken alternativlos weiterleiten (müssen?), wäre es ver-waltungsvereinfachend und kostensenkend, Bankeinlagen der Bürger als Leistung auf ihre Steuerschuld an-zuerkennen und Ihre Behörden, ebenso die griechischen, als systemirrelevante Transferdienststellen mit KW-Charakter aufzulösen. Ein Nachteil fürs Gemeinwohl entsteht daraus nicht, da die Banken wenigstens offen sagen, daß sie nicht an es gebunden sind; nur bei ihren Betriebsratswahlen müßte man zunächst mehr Teilnehmer (60 Mio.) einkalkulieren. Mit freundlichen Grüßen Claus Plantiko
Antworten - Kommentar von Andreas Franke (11.05. 2010 08:43 Uhr):
DANKE! Danke dafür, dass wir es erkennen können, unserer "Führung" wirklich nicht vertrauen zu dürfen!! "JEDEs VOLK HAT DIE REGIERUNG, DIE ES VERDIENT!" Joseph Marie Graf von Maistre französischer Diplomat, Staats- und Geschichtsphilosoph (1753 - 1821) Quelle: Brief vom 15.VIII.1811
Antworten - Kommentar von Günter Dienel (11.05. 2010 08:43 Uhr):
Hallo Herr Hahn, es ist gut zu wissen, dass man mit seiner Meinung nicht alleine ist. Leider ist die Zahl der Gleichkültigen in Deutschland viel zu hoch, die begreifen erst dann, wenn wir alle zur Kasse gebeten werden. Jedenfalls, ich werde am Donnerstag auf den Großen Endsieg unserer Regierung anstoßen und bestimmt für einige Zeit diesen Wahnsinn vergessen. Ich hoffe nur, dass Merkel und Co nicht vergessen, beim Sparen in der Führungsriege zu beginnen.
Antworten - Kommentar von mcpit (11.05. 2010 08:48 Uhr):
Hallo Herr Hahn, es ist bestimmt nur ein "Zufall", daß das am häufigsten gebrauchte Wort im Gesetz zur Griechenlandhilfe "ermächtigen" ist. Ich finde es erschreckend wie schnell unsere Politiker unsere nationale Souveränität auf dem Brüsseler Altar opfern, Wirtschaftsregierung etc. Es läuft immer nach dem gleichen Schema ab, eine mediale Panik wird geschürt (CO2, Schweinegrippe, EuroCrash etc.), um von dem Wesentlichen abzulenken, danach wird der Notstand ausgerufen und im Eilverfahren werden Verfassung und Verträge gebeugt bis zum Bruch. Mir fallen dazu nur die etwas angepassten Zeilen eines deutschen Dichters zur Zeit Napoleons ein: Noch macht Ihr Schulden, Ihr traurigen Gestalten, von den Banken bezahlt, dem Volke zum Spott, doch bald wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und gnade euch Gott.
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (13.05. 2010 11:52 Uhr):
Nein, ganz sicher kein Zufall, sondern pure Absicht, das mit dem "ermächtigen", denn darauf läuft ja der ganze Plan u.a. des EU-Superstaates (aber auch weltweit in anderen Bereichen) langfristig hinaus... Es gibt da so ein Prinzip: "Erschaffe selbst ein Problem und biete dann die Lösung in deinem Sinne an...", aber das geht hier ein wenig zu weit... Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (13.05. 2010 11:52 Uhr):
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- Kommentar von Sarah Bogenhagen (11.05. 2010 09:09 Uhr):
Der Finanzvatikan hat der Welt den Untergang erklärt, ohne Frage Die Endzeitkrieger haben wiedr einmal die Oberhand. Fiat Money als Schöpfung 2.0 ex nihilo - das Schwarze Loch, das Volkswirtschaften verschlingt. Wie heisst es so schön im Buch der Offenbarungen? Wer Ohren hat, der höhre - die Frage ist nur, ob da die Kraft der Weissen Rose ausreicht, die ewig Gestrigen zur Strecke zu bringen. Oder ob wir so etwas, wie einer Operation Walküre bedürfen. LIGHT WORKERS OF ALL WORLD UNIT
Antworten - Kommentar von Heinz Benda (11.05. 2010 15:12 Uhr):
Endlich erste Schritte gegen Spekulation! Diejenigen, die die wahre Macht dazu haben, werden endlich von der Kette gelassen. Für die Medien ist es allerdings unattraktiv, Entscheidungen der Bundesbank (früher) oder der EZB (jetzt). zu kritisieren. Zentralbankchefs sitzen unangreifbar fest im Sattel (aus gutem Grund!!!), denn das Hauptproblem besteht nicht darin, die Konjunktur (oder die Währung) zu stützen und anzukurbeln(dafür gibt es Beifall), sondern das Hauptproblem besteht im politischen Alltag darin, die Konjunktur und Preiserhöhungstendenzen zu bekämpfen. Dafür wird man in der Demokratie nicht gewählt, dafür gibt es keinen Beifall. Ich kann mich nicht auch nur an eine Zeit seit Kriegsende erinnern, dass Regierungen, Bevölkerung und Medien der Meinung wären, die Konjunktur müsste gebremst werden, weil die Menschen genug verdienten und es genug Beschäftigung gäbe. Und weil Medienkritiken an Bundesbankchef oder EZB-Chef wirkungslos verpuffen (die sitzen unangreifbar fest im Sattel), beschäftigen sich Medien lieber mit Menschen, deren Schicksal beeinflußbar ist (z.B. Politiker) und "hauen diese in den Sack". Dann können sich Medien und Experten auf die Schulter klopfen und sagen "wie sind wir doch gut"! Und verdient haben Sie auch noch daran! Die Wahrheit aber ist, die Zentralbank ist die einzige Institution, die Geld schöpfen kann (z.B. drucken), die es nichts kostet, die dabei unverschuldet bleibt. Am Ende der Ära Kohl, als die Arbeitslosigkeit hoch war, als es genug ungenutzte Kapazitäten und genug Rohstoffe gab, wäre es sehr einfach für den Bundesbankpräsidenten gewesen, die Binnenkonjunktur zum Laufen zu bringen. Er hätten nur monatlich aus einem Flugzeug 80 Mrd. DM über Deutschland abgeschmissen werden müssen und zwar so lange, bis die Binnennachfrage ordentlich angesprungen wäre. Das Recht und die Macht und die Möglichkeit dazu hätte er gehabt. Nur das lernen Sie selbst auf der Uni nicht. Als gelernter Banker lernen Sie das natürlich auch nirgends: Geld auf die Strasse schmeißen soll gut sein, undenkbar!!! Dabei ist dies ganz leicht für den Bundesbankchef machbar, es ist nicht besonders schwer und verstößt gegen keine Gesetze (denn er hat nur einen gesetzlichen Auftrag: Geldwertstabilität, Vollbeschäftigung und Außenhandelsgleichgewicht). Das Schönste daran ist, dass mit dieser (unerhörten) Konjunkturmaßnahme sich Niemand verschulden muss! Denn selbst die Regierung verschuldet sich dabei nicht (monatlich mit 80 Mrd. DM oder Euro). Wer ungläubig mit dem Kopf schüttelt, dem sei vor Augen geführt: 18 Millionen Deutschen (DDR-Bürgern) wurden circa 180 Mrd. DM geschenkt, circa 18 Sattelzüge mit DM-Scheinen gefülllt wurden in der DDR zur Währungsunion hineingekarrt und verschenkt! Bis auf eine leichte Erhöhung der PKW-Preise brach keine Inflation deswegen aus. Herr Pöhl (damaliger Bundesbankchef) hielt dies für undenkbar und kämpfte gegen diesen Entscheid von Kanzler Kohl! Der Bankexperte Pohl irrte, der Laie Kohl tat das Richtige. Aber Herrn Pohl sei verziehen, das stand in keinem Handbuch für Banker! Unerhört! Diese Art der Konjunkturbelebung ist der leichte Teil der Übung! Da machte auch gerne jeder Politiker mit, sofern er davon wüßte. Der viel schwierigere Teil ist es, die Inflation zu bekämpfen, Unternehmer und Gewerkschaften an die Kette zu nehmen, wenn das Ziel erreicht ist. Aber auch da bieten sich nur mit etwas Phantasie ungeheure Möglichkeiten für die Regierung (Achtung! Nicht für die Bundes -Zentralbank!) Es ist nicht schwer Strafsteuern jeglicher Art zu erfinden bei Preis-Lohnerhöhungen jeglicher Branche. Dies ist jedoch für eine gewählte Regierung, die wieder gewählt werden will (gilt auch für Abgeordnete) zwar theoretisch denkbar, in der Praxis aber vollkommen lebensfremd und nicht durchführbar. -Es lebe der milde Diktator, der die Kenntnis und Macht dazu hätte!- Die obigen Ausführungen könnten noch wesentlich ergänzt werden, doch an dieser Stelle möge es mir und dem geneigten Leser erspart bleiben. Ich werde mit Kritik zu diesen Zeilen leben, vielleicht gibt es einen qualifizierten Leser, der diese Zeilen dazu nutzt, über das Gesagte nachzudenken. Aber Erschrecken Sie nicht, zum Thema Geldpolitik gibt es noch sehr viel Unbekanntes, selbst für "Fachleute". P.S. Das muss ich noch sagen zu den populären Forderungen, die Banken an den Kosten der Griechenlandrettung zu beteiligen. Die Wahrheit ist, das geringe Eigenkapital der Banken (vielleicht 50 Mrd. Euro?) sind doch Peanuts, damit können doch keine Staatsverluste aufgefangen werden. Wenn dann Banken trotzdem haften sollen, dann geht es an das Eingemachte, an die Anlagen der Kunden. Aber welche Regierung wird wiedergewählt, wenn sie zum Ausgleich der Haushaltsdefizite (eigene oder fremde) jedwedes Bankguthaben zu 50% in Anspruch nähme! Diese Wahrheit will Niemand wissen. Lieber gehe ich nicht zum Arzt und lebe unwissend, als dass ich die schreckliche Wahrheit erführe. Aber in der Politik kann man natürlich mit so dummen Sprüchen einige Stimmen sammeln.
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (11.05. 2010 19:18 Uhr):
Sehr geehrter Herr Benda, herzlichen Dank für den Kommentar! Eine kleine Korrektur bzw. Hinweis meinerseits aber (soll nicht "besserwisserisch" gemeint sein, sondern viel mehr als Impuls zu eigenen Gedanken bei allen, die das hier lesen): Nicht die Zentralbanken schaffen in unserem System das meiste Geld, sondern die Geschäftsbanken. Das kam für mich aus Ihrem Kommentar nicht so ganz raus? Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (11.05. 2010 19:18 Uhr):
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