Hermann Heinrich Gossen und die marginalistische Theorie
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 22. Juli 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
Nachdem wir uns gestern die großen Klassiker der Wirtschaftstheorie angesehen haben, wollen wir uns heute der - ich sage einmal so - zweiten Generation zuwenden, der Neoklassik!
Die bedeutendsten Vertreter der Neoklassik sind die bereits abgehandelte Österreichische Schule, die Lausanner Schule und die die Cambridge-School. Sie sind es, die zu Beginn der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts mit der Grenznutzentheorie die marginalistische Revolution einläuten. Ihre bedeutendsten Vertreter sind Menger, Walras und Jevons mit ihren jeweiligen Spezialisierungen und Weiterentwicklungen der Grenznutzentheorie.
Doch auch Ihnen ist (wie später dem Monetaristen Friedman und seiner angebotsorientierten Wirtschaftspolitik) jemand voraus gegangen. Jemand, den wir durchaus als das Bindeglied oder den Übergang zwischen Klassik und Neoklassik bezeichnen dürfen: Hermann Heinrich Gossen!
Hermann Heinrich Gossen (1810 -1854)
Der preußische Ökonom Hermann Heinrich Gossen gilt eigentlich als Vertreter der klassischen Ökonomie.
Doch in seinem bedeutendsten Werk "Entwicklung der Gesetze des menschlichen Verkehrs und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln", welches 1854 erschien, stellte er revolutionäre Theorien zum Grenznutzen auf und wurde damit der wohl bedeutendste Vorläufer der Neoklassik.
Grenznutzen
Wie der Name schon sagt, steht bei der Grenznutzentheorie der Begriff des Nutzens im Mittelpunkt. Der zentrale Begriff des Grenznutzens wird aber erst von den späteren Neoklassikern als solcher verwendet. Gossen selbst nutzt hierfür den Begriff: Genuss!
Das klassische Wertparadoxon
Um zu verstehen, wie revolutionär die marginalistische Betrachtung mit der Grenznutzentheorie war, muss man verstehen wie es gelang das klassische Wertparadoxon aufzulösen. Das Wertparadox beschreibt den Unterschied zwischen Nutzen, Wert und Preis eines Gutes:
"Nichts ist brauchbarer als Wasser, aber man kann kaum etwas dafür erhalten; man kann fast nichts dafür eintauschen. Dagegen hat ein Diamant kaum einen Gebrauchswert, und doch ist oft eine Menge anderer Güter dafür im Tausch zu haben." (klassisches Wasser-Diamant-Paradoxon)
Die Klassiker vermochten es nicht hinreichend, das Paradoxon zu erklären. Adam Smith versuchte es mit einer Aufspaltung in Tausch- und Gebrauchswert (also Tauschwert von Diamanten ist höher, als der von Wasser; Gebrauchswert von Wasser ist höher als der von Diamanten). Im Groben und Ganzen aber begnügte man sich damit, Diamanten einfach als Güter mit Seltenheitswert zu bezeichnen, ohne aber tatsächlich die Antwort auf die Frage zu liefern, warum der Preis eines Diamanten in der Regel höher liegt, als der einer Einheit Wasser.
(Mit Ausnahme von John Law [1671-1729], der meiner Meinung nach, eine sehr interessante Nachfrage- und Angebots-Erklärung liefert. In "Money and Trade considered" schreibt John Law: "Wasser besitzt großen Nutzen aber geringen Wert, die Menge des Wassers ist nämlich viel größer als die Nachfrage danach. Diamanten haben geringen Nutzen aber großen Wert, da die Nachfrage nach Diamanten viel größer als ihre Menge ist.". Interessant, finden Sie nicht auch?! Leider wurden seine Theorien damals nach dem Mississippi-Company-Debakel und dem Platzen der Spekulationsblase 1720 nicht weiter verfolgt, da sein Ansehen natürlich stark gelitten hatte und man ihn mehr oder weniger als gescheiterten und betrügerischen Banker betrachtete. Na ja, dies nur mal am Rande...)
Aber dann kam Gossen, formulierte die Gossenschen Gesetze und schaffte es mit mathematischen Methoden seine Theorien vom "Grenznutzen" zu belegen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von KH (22.07. 2010 21:38 Uhr):
Diese Wertezuteilung von Wasser und Diamenten kann sich sehr schnell ins Gegenteil verkehren. Stellen Sie sich vor Sie sind in der Wüste am verdursten. Wem würden Sie den Vorzug geben dem Wasser oder dem Diamanten? Also Wassere hätte in dieser Situtation des Überlebens die viel grössere Bedeutung. Anderes Beispiel wäre Gesundheit gegen Diamanten. Diese können sie eben nicht kaufen. mfG
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