Herbststürme peitschen Windaktien: Vestas und Nordex im Fokus
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 17. November 2010, 14:30 Uhr
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Herbststürme gibt es derzeit nicht nur vor Türe, sondern auch im Windenergie-Sektor. Egal ob Schwergewicht Vestas Wind Systems oder der deutsche Windenergieanlagenbauer Nordex, sie alle müssen an der Börse bluten. Der Kurs des Weltmarktführers Vestas sank innerhalb eines Jahres um mehr als die Hälfte. Nordex traf es in den letzten zwei Wochen besonders hart. Hier ging es innerhalb weniger Tage um mehr als 20% nach unten. Glücklicherweise konnte die wichtige charttechnische Unterstützung bei 5,00 Euro bislang noch verteidigt werden, was aber wenn die Unsicherheit weiter wächst. Woher aber kommt diese Unsicherheit?
Windmarkt im Wandel
"Der Markt für Windanlagen ist dabei, sich grundlegend zu wandeln. Und das bringt insbesondere viele europäische Hersteller unter Druck, wie Fachleute unlängst sogar auf der Leitmesse Husum Wind einräumten, wo die jahrelang erfolgsverwöhnte Branche eigentlich nur Optimismus zeigen wollte", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in einem Bericht zu Windaktien. Aktuell würden große Industriekonzerne wie Siemens und General Electric am Markt vorneweg marschieren. Denn sie verfügen über entscheidende Vorteile: "Ein Komplettanbieter wie Siemens kann umfangreiche Angebote inklusive einer Finanzierungslösung machen", erläutert Holger Fechner, Analyst der Nord LB. Das hilft im Neugeschäft angesichts des immer noch zögerlichen Investitionsverhaltens vieler Kunden ungemein. Auch haben die großen Mischkonzerne eher die Chance, den zum Teil erheblichen Preiskampf am Windturbinenmarkt abzufangen, heißt es - etwa durch margenträchtigere große Serviceaufträge.
Weiteres Problem die chinesischen Anbieter auf diesem ohnehin schon engen Markt holen weiter auf, nicht nur weil sie bessere Preise, sondern weil sie auch im wichtigen Premiumsegment enorme Fortschritte machen. "Die Wettbewerbsintensität wird weiter steigen und die vorhandenen Überkapazitäten im Bau neuer Turbinen werden wohl auch 2011 nicht aus dem Markt verschwinden", bestätigen auch die Analysten der Deutschen Bank in der "FAZ".
Zum anderen ist diese Unsicherheit, die bei den Anlegern zunehmend wächst, eine hausgemachte Sache. Sowohl Vestas als auch Nordex enttäuschten zuletzt mit ihren Ausblicken: nach den zuletzt eher durchwachsenen Neunmonatszahlen wurden die Jahresprognosen gesenkt: Umsatzziele wurden gekappt, geringere Auslastungen gemeldet, Werksschließungen in Aussicht gestellt, Stellenstreichungen im großen Stil verkündet.
Vestas drückt auf die Kostenbremse
Letzteres kam bei Vestas mit den Q3-Zahlen auf den Tisch: Das dänische Unternehmen will in Europa, insbesondere in Dänemark, eine Reihe von Fabriken schließen, so dass insgesamt rund 3.000 Stellen wegfallen. Begründet wurde die Maßnahme damit, dass der europäische Windenergiemarkt sich schwächer entwickle als Vestas angenommen habe.
Für das dritte Quartal musste der Windturbinen-Hersteller einen Umsatzrückgang um 5% auf 1,7 Mrd. Euro und eine rückläufige EBIT-Marge von 13,5% auf 10,7% verkünden. Insgesamt konnte Vestas 719 Windkraftanlagen ausliefern, im Vergleich zum 3. Quartal 2009 ein Minus von 27%. Für 2011 rechne das Unternehmen mit Aufträgen für Windkraftanlagen mit einem Umfang von 7.000 bis 8.000 MW. Da sich jedoch aus Sicht von Vestas der europäische Markt nicht wie erwartet entwickelt hat, sollen europäische Produktionsstandorte, vor allem in Dänemark, geschlossen werden.
Nordex mit schwachem Ausblick
Nordex hat erst vor wenigen Tagen seine Umsatzprognose für 2010 gesenkt. Man gehe für das laufende Jahr nur noch von Umsatzerlösen von rund 1 Mrd. Euro aus, teilte das Unternehmen mit. Bislang hatte Nordex eine leichte Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahresniveau (knapp 1,2 Mrd. Euro) in Aussicht gestellt. Die EBIT-Marge soll weiterhin von 3,5 auf 4% zulegen. Dabei soll die geringer als ursprünglich erwartete Auslastung weitgehend durch erste Effekte des Kostensenkungsprogramms ausgeglichen werden. Für das laufende Quartal erwartet die Gesellschaft ein deutlich anziehendes Neugeschäft.
Im dritten Quartal 2010 ging der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal von 301,5 auf 264,4 Mio. Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verschlechterte sich von 12,4 auf 10,2 Mio. Euro. Unter dem Strich sank der Konzerngewinn von 7,6 auf 5,6 Millionen Euro. Der Auftragseingang belief sich im dritten Quartal auf 201 Mio. Euro, nach 199 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Der fest finanzierte Auftragsbestand betrug zum Bilanzstichtag Ende September 423 Mio Euro. Außerdem verfügte Nordex über weitere so genannte bedingter Aufträge im Volumen von rund 1,9 Mrd. Euro. Damit verfehlte Nordex die Erwartungen der Analysten. Und diese reagierten prompt.
Goldman Sachs differenziert: Vestas kaufen, Nordex verkaufen
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat laut Aussage von "Investors Inside" das Kursziel für die Aktie von Vestas Wind Systems leicht von 260 auf 240 dänische Kronen gesenkt, die Einstufung aber weiterhin auf "Buy" belassen. Zwar sei man mit der Einschätzung zum Windenergiemarkt in den USA weiterhin vorsichtig, jedoch werde dessen Schwäche wohl durch das Wachstum in anderen Ländern mehr als kompensiert. Die Aktie des dänischen Windkraftanlagenbauers Vestas bleibe, dank seiner technologischen und industriellen Marktführerschaft, der bevorzugte Wert im Sektor.
Die Aktie von Nordex hingegen wurde von Goldman Sachs von "Neutral" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 9,00 auf 5,30 Euro noch einmal deutlich reduziert. Beim deutschen Windkraftanlagenbauer Nordex monierte das Analystenhaus die zu hohen Markterwartungen.
Nordex-Chef nutzt Kursrutsch und kauft großes Aktienpaket
Ist nun also alles Düster um Nordex? Nein. Mittlerweile dürften die Unsicherheiten wohl langsam aber sicher eingepreist sein. Man sollte schließlich bedenken: Der globale Windmarkt wird im kommenden Jahr wieder um rund 10% wachsen, so lauten die derzeitigen Schätzungen. Insbesondere in Deutschland und anderen europäischen Ländern soll das Geschäft wieder deutlich anziehen. Und von diesem wachsenden Kuchen werden sich mit großer Sicherheit auch die Nordlichter ein großes Stück sichern. Davon scheint auch CEO Thomas Richterich überzeugt zu sein. Er erwarb vergangenen Donnerstag (ich berichtete gestern bereist darüber) ein Paket mit 10.000 Nordex-Aktien zu Kursen um 5,70 Euro.
Die Aktie von Nordex kann heute knapp 2,5% zulegen und sich damit deutlich über der langfristigen Unterstützung bei 5,00 Euro stabilisieren, was das charttechnische Bild wenigstens etwas entspannt. Trotzdem bleibt die "technische Lage" bis auf weiteres aufreibend. Geht es unter 5,00 Euro dürfte der Wind wohl noch etwas heftiger toben, und das für eine ganze Weile.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.
Ihre
Cindy Bach