Herabstufung
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 3. Juni 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
am Mittwoch bekamen die Bullen kräftig was auf die Mütze - trotz normalerweise positiver Zyklik. Einerseits waren die US-Wirtschaftsdaten zu schwach für einen noch nicht wieder gegen solche Enttäuschungen ausreichend „immunen" Markt. Der vom Institute for Supply Management (ISM) für den Monat Mai ermittelte Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe verzeichnet einen kräftigen Einbruch von 60,4 auf 53,5 Punkte. Erwartet wurde nur ein moderater Rückgang auf 58,00 Punkte. Das amerikanische Pendant zum deutschen ifo-Index schwächelt damit bereits seit einigen Monaten. Auch die Arbeitsmarktdaten des privaten Dienstleisters ADP fielen sehr schwach aus. Im Mai wurden im Privatsektor in den USA 38.000 Stellen neu geschaffen. Erwartet wurden hingegen 178.000, nach zuvor 179.000 im Vormonat.
Die schwachen US-Wirtschaftsdaten waren jedoch nicht der entscheidende Auslöser für den Kursrutsch, denn dann hätten wir gleichzeitig einen schwächeren US-Dollar sehen müssen. Der Dollar tendierte aber an jenem Tag deutlich fester, was wiederum Aktien und Rohstoffe belastete. Der „wunde Punkt" dürfte eine erneute Herabstufung Griechenlands auf Ramschstatus durch die Ratingagentur Moody´s gewesen sein. Mir erschließt sich die Logik dieser ganzen Vorgänge nicht mehr - die Währung des mit am stärksten verschuldeten Landes wird stärker weil ein unbedeutendes europäisches Land von Handlangern eben jenes Landes negativer bewertet wird. Aber Börse ist bekanntlich selten logisch. Das gilt umso mehr in Korrekturen, wie wir sie seit Anfang Mai sehen. Schlüssig ist dagegen stets die Charttechnik, auch wenn wir ab und an Fehlausbrüche wie am vergangenen Mittwoch „verdauen" müssen. Das Gesamtbild der Börse ist mit dieser Methode, die ich seit über einem Jahrzehnt verwende, jedoch stets klar.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Heinz Stiller (03.06. 2011 13:12 Uhr):
Die scheinbar widersinnige Parallelität "schlechte US-Daten und steigender Dollar" sieht man immer wieder. Die US-Anleger ziehen eben bei wahrgenommener Gefahr Geld aus dem unzivilisierten, wilden, undurch- schaubaren - kurz: unamerikanischen - Ausland ab.
Antworten - Kommentar von Ellen N (04.06. 2011 01:55 Uhr):
Der Unterschied besteht aus meiner Sicht darin, dass die USA für ihren Dollar kämpfen. Da wird es keinen Haircut geben. Aber Europa ist sich nicht einig. Falls Griechenland Pleite geht wird das einen Domino-Effekt zur Folge haben. Dagegen war die Lehmanpleite ein Spaziergang. Ob es danach noch einen Euro gibt und in welcher Form ist fraglich. Und ob irgendjemand noch Vertrauen hat und irgendwohin Geld verleiht ist auch fraglich. Deshalb ist Griechenland auf Ramschstatus und die USA eben nicht. Heute habe ich gehört, die Banken und Privatanleger sollen sich an dem neuen Rettungspaket für Griechenland beteiligen. Wie kann man das verlangen, wenn man zugleich einen Haircut nicht ausschließt? Es muss ein 10-Jahresprogramm geben, nach dem ein Staat, der in finanzielle Not gerät seine Wirtschafts- und Steuerpolitik ausrichtet. Hält er sich dran, steht Europa zusammen hinter ihm und gibt die Kredite. Ein Haircut oder Zahlungsunfähigkeit wären dann nicht zu befürchten. Damit stärkt man das Vertrauen und die Zinsen bleiben bezahlbar. Für Spekulanten wäre die Sache uninteressant. Einen anderen Weg aus der Krise gibt es aus meiner Sicht nicht. Wer ein Ende mit Schrecken vorzieht, macht sich keine Vorstellung, wie groß der Schrecken wirklich sein wird und wie lange er andauern wird.
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