Helle Begeisterung
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 21. November 2006 12:00 Uhr
ENL5454
*** Der November zählt zu den Monaten die man gerne überspringt, wenn man eine Reise nach Deutschland plant. Obwohl sich das Klima nicht so sehr vom Klima an der amerikanischen Ostküste unterscheidet, fällt mir immer wieder eine leicht klebrige Art am Regen und an der Kälte auf – eine Klebrigkeit die durch die frühen Sonnenuntergänge noch verstärkt wird und allgemein die Stimmung in den Keller treibt.
Ich hatte jedoch einen ziemlich guten Grund, nach Deutschland zu reisen. Ich war nicht nur mit einer Gruppe von deutschen Investmentbankern in Kontakt getreten, die in den besten amerikanischen Instituten arbeiten, ich war auch gebeten worden, Taufpate für den zweiten Sohn eines meiner ältesten Freunde zu sein. Doch einige Dinge sind nicht ganz so gelaufen wie ursprünglich geplant. Schließlich kann man nicht auf die schlagartige Besessenheit eines fast Zweijährigen für die Kerzen um das Taufbecken gefasst sein – eine plötzliche Vorliebe, die laut unter der hohen, gewölbten Kuppel der Erlöserkirche in Bad Homburg widerhallte.
(Ich bin froh, dass dem Pfarrer selbst der größte faux pas unterlief, als er meinen Freund fragte, ob er der Großvater des Kindes sei.)
*** Alles eine Frage des Standpunktes Weitere schlechte Nachrichten für amerikanische Immobilien: Baubeginne fielen im Oktober auf das geringste Niveau in mehr als sechs Jahren. Die Bauunternehmen hoben Gruben für neue Häuser mit einer Jahresrate von 1,486 Millionen aus, was einen steilen Abfall von 14,6% seit Dezember bedeutet. Baugenehmigungen, ein Anzeiger für die zukünftige Bauaktivität, fielen auf 1,535 Millionen und zum neunten Mal in Folge.
Die Zahl der Baugenehmigungen liegt heute auf dem geringsten Niveau seit Dezember 1997. Dieser Rückgang bei den Neubauten spiegelt einen gewaltigen Überschuss bei den unverkauften Beständen. Baubeginne sind seit 2005 um 27% gefallen.
Insbesondere die Neubauten von freistehenden Einfamilienhäusern mussten starke Einbußen hinnehmen und fielen im Oktober um 16%. Während die USA im Süden einen Rückgang um 26% verzeichneten, fielen die Baubeginne im Mittleren Westen um 12%, und im Westen um nur 2,1%. Im Nordosten legte das Bauwesen tatsächlich um solide 31% zu, was wieder einmal zeigt, dass es selbst bei einer andauernden Deflation der amerikanischen Immobilienblase immer noch in erster Line eine Frage des Standortes ist.