Hedgefonds & ein großer Coup
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Rohstoffe
vom 10. Januar 2007 07:30 Uhr
ENL5454
*** Hedgefonds – gute und schlechte
Wenn die Hedgefonds nicht länger „hedgen“ (schützen), dann werden sie einfach nur zu einem weiteren Geldpool, der auf heiße Erträge wartet. D.h. sie hören auf, sich so zu positionieren, dass sie einen Vorteil aus den Stimmungen der Masse ziehen können. Stattdessen fangen sie an, selbst die gleichen Fehler zu machen. Das heißt mit anderen Worten, dass sie, anstatt von der Massenpsychologie zu profitieren, jetzt anfangen, diese wiederzuspiegeln.
Aber sind alle Hedgefonds Verlierer? Absolut nicht. Manche verwenden sehr detaillierte, sehr kluge Methoden, um die Masse zu schlagen.
Einer der ersten Hedger stellte beispielsweise fest, dass er eine bessere Vermutung über die Ernteerträge von Kakao machen konnte, als die meisten Anleger. Er studierte die meteorologischen Daten ... und schickte seine eigenen Leute auf die Kakaofelder, um dort Daten zu sammeln. Die Folge war, dass er zeitlich vor den meisten anderen Anlegern eine bessere Vorstellung davon hatte, wie gut die Ernte ausfallen würde. Und seinem Fonds ging es gut.
Ich weiß von einem anderen Hedger, dem aufgefallen war, dass die Masse nicht so schnell auf „Umsatzüberraschungen“ der Unternehmen reagieren kann. Irgendwann finden sich die neuen Zahlen dann auch im Preis wieder ... aber nicht sofort. Analysten müssen diesen Aspekt erst genau unter die Lupe nehmen. Und dann wird es vor den Anlegerkomitees dargelegt. Dieser ganze Prozess kann Wochen dauern ... oder Monate. Dieser Hedgefonds reagierte also einfach nur schneller auf die Umsatzänderungen als die meisten Anleger. Das Ergebnis: Bessere Leistungen.
Und es gibt viele, viele andere Hedgefonds, die ihre kleinen Nischen gefunden haben, die sie ausnutzen. Vielleicht Hunderte davon. Aber vermutlich nicht Tausende. Und ganz gewiss keine 8.000.
*** Ein großer Coup
Manches in den Nachrichten erinnert einfach zu sehr an eine Episode aus dem Cartoon „Rocky and Bullwinkle“...
Laut der New York Post hat ein Ring russischer Betrüger unter Verwendung gestohlener Identitäten und falscher Käufer 200 Millionen Dollar mit fingierten Immobilienkrediten erzielt und mehr als vier Millionen Dollar über unrechtmäßig erworbene Aufträge, klagte die Staatsanwaltschaft gestern.
Die Gruppe, die sich aus Aleksander "Shorty" Lipkin, Igor "Ryzhiy" Mishelevich und Alex "Lyosha" Gorvitz zusammensetzte, arbeitete von AGA Capital, einem Hypothekenunternehmen aus und bezahlte Strohmänner, die sich als rechtmäßige Antragsteller ausgaben.
In anderen Fällen stahl die Gruppe die Identitäten der Leute und übertrug Kreditanträge in deren Namen – ohne ihr Wissen natürlich.
„Die Gewinne wurden in die Höhe getrieben, indem man künstlich erhöhte Schätzungen herbeischaffte, die es so scheinen ließen, als seien die Häuser mehr wert, als ihr eigentlicher Kaufpreis. Die ‚Käufer’ konnten dann ihre Kredite nicht mehr bezahlen und zwangen so die Banken oder andere Kreditinstitute entweder zur Zwangsvollstreckung des Eigentums oder dazu, die Häuser zu absoluten Tiefstpreisen zurückzukaufen.“
Oder, wie Boris sagen würde: „Raskolnikov“.
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