Heavy Metal - Platin saust durch die Decke
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. November 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Platin war bislang das Edelmetall, das sich gegenüber der zuletzt festen Tendenz von Gold und Silber völlig unbeeindruckt zeigte. Gestern änderte sich das schlagartig – aber Vorsicht, das sollte man keineswegs als Kaufgelegenheit ansehen!
Sie sehen im Chart, dass die Platin-Rallye, die parallel zur Hausse der anderen Metalle verlief, in den letzten Monaten in eine riesige, konsolidierende Flagge mündete ... wobei „breiter Abwärtstrendkanal“ zunächst die richtigere Formulierung gewesen wäre – bis gestern.
Denn siehe da, der Kurs ist aus dieser „Flagge“ tatsächlich nach oben ausgebrochen. Nachdem Platin die untere Begrenzung dieser Formation Ende Oktober verteidigen konnte, kam Anfang November ein erster Schub nach oben. Gestern folgte der zweite Kursschub, mehr eine Kursexplosion, der das Platin in einem Schlag aus der Formation nach oben ausbrechen ließ und auch noch die bisherigen Jahreshochs überschritt ... ein Kunststück, das bislang keinem anderen der wichtigen börsennotierten Metalle gelang.
Gerüchte als Kurs-Sprengstoff
Der Grund jedoch ist geeignet, dem Privatanleger als Warnung zu dienen: Diese irrsinnige Kursrallye, die gestern zeitweise ein Tagesplus von zehn Prozent ausmachte, basiert alleine auf dem Gerücht, dass ein Exchange Traded Funds auf Platin, ein so genannter ETF, aufgelegt werden soll. Es war alleine das Gerücht!
Richtig ist, dass solche ETFs in der Tat durch ihre Auflegung eine kurzzeitige Nachfragesteigerung verursachen. Vergleichbares gab es vor einiger Zeit bei Silber, wo es einen solchen Fonds mittlerweile gibt. Aber was kommt nach der Auflegung? Und was passiert, wenn das Gerücht sich als Ente erweist?
Gerade der Umstand, dass man im Metallsektor kaum an Derivaten für Investments vorbeikommt – und damit auch noch eine hausgemachte Hebelwirkung hat – macht das Investment in solchen Segmenten zu einer höchst riskanten Angelegenheit. Und die Enge dieser Märkte, das zeigt die aktuelle Kursexplosion bei Platin, ist so groß, dass man durchaus binnen 24 Stunden Haus und Hof verlieren kann. Wenngleich die Gewinnchancen natürlich ebenso entsprechend hoch sind – diese Risiken sollten – wenn überhaupt – nur erklärte Spielernaturen mit einem Mini-Anteil an übrigem Kapital eingehen.
Gold in ruhigen Gewässern stabil
Das Gold hingegen dümpelt, als breitester und am wenigsten spekulativer Markt im Metallbereich, friedlich vor sich hin. Nach Vollendung von Bodenbildung und Trendwendeformation hält sich die Feinunze Gold stabil oberhalb aller wichtigen Unterstützungslinien. Wenngleich der MACD aktuell kurz vor einem Verkaufssignal steht:
Dies wird nur als „Verstärker“ relevant, sobald der Goldpreis wieder in die Zone 602 – 614 US-Dollar eintauchen würde. Positiv ist meiner Ansicht nach, dass bislang noch kein ernsthafter Versuch unternommen wurde, die nächste Widerstandszone zwischen – grob – 640 und 660 Dollar anzusteuern. Denn wäre hier vor der nun laufenden Konsolidierung ein vergeblicher Anlauf an diese Zone aufgetreten, wäre das Stimmungsbild negativer und die Risiken für einen Rückfall unter 614 Dollar deutlich größer. So lange der Kurs aber in der aktuellen Range konsolidiert, sehe ich immerhin eine 2:1-Chance, dass der Kurs die Marke von 640 in einigen Tagen bis Wochen ansteuern und auch überwinden wird.

