Heathrow: Die Nerven haben gehalten - Öl und Gold nicht

Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Gold
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von Ronald Gehrt

Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Es war ein Schock, als gestern früh bekannt wurde, dass die englischen Sicherheitsdienste eine Kette von geplanten Anschlägen vereitelt habe, die zum Ziel hatte, vom Londoner Flughafen Heathrow aus in die USA fliegende Passagierflugzeuge über US-Städten in die Luft zu jagen. Schocks führen zu emotionalen Reaktionen, und diese bedeuten am Aktienmarkt erst einmal Verkäufe.


Doch es wurde den Anlegern schnell bewusst, dass ja letztlich nichts passiert ist. Dass die Terroristen ihr Tun nie aufgegeben hatten, ist jedermann bekannt. Dass niemals eine absolute Garantie auf Sicherheit besteht, ebenfalls. Das einzig Überraschende bei dieser Nachricht war doch, wie gut die Sicherheitsmaßnahmen funktioniert hatten, um diese terroristischen Aktivitäten zeitgerecht zu neutralisieren.

Dementsprechend schnell zogen die Aktienmärkte am späteren Vormittag wieder an. Und als man sah, dass die Investoren im Hauptziel des Terrors, sprich an Wall Street, nicht im mindesten nervös reagierten, schritt die Erholung weiter voran.

Die Ölpreise reagieren ... nach unten

Sogar der Ölpreis fiel massiv zurück. Terror bedeutet normalerweise, dass als erstes einmal der Preis des Rohöls steigt. Denn das wird vor allem dort gefördert, wo die Terroristen herkommen. Das ist zwar eine geographisch wie inhaltlich unzulässig grobe Vereinfachung .. aber es passiert einfach automatisch. Diesmal jedoch nicht.

Gerade dieser Umstand, sprich dass das Öl eben nicht senkrecht nach oben schoss, war für kurzfristige Spekulanten ein Warnsignal. Auf dem aktuellen Niveau schien die Kaufbereitschaft nur noch gering zu sein. Daraus folgte die logische Konsequenz, basierend auf der alten „Börsenweisheit“: Wenn es nach oben nicht geht, dann eben nach unten.

Der Preis der US-Ölsorte WTI bröckelte im Tagesverlauf immer weiter ab und lag am frühen Abend dann nur noch bei 74,70 US-Dollar pro Barrel. Der Chart zeigt: Es kommt Hoffnung an den Zapfsäulen auf!

Chart

Mit dem aktuellen Stand notiert der Kurs jetzt punktgenau an der gleich dreifachen Unterstützung aus den Mai-Tops, dem 20 Tage-Durchschnitt und dem kurzfristigen März-Aufwärtstrend. Wenn diese sehr markante Unterstützung unterboten wird, ist wirklich mit einer Korrektur zu rechnen die ausreicht, um das Schreckgespenst von Benzinpreisen über 1,50 Euro pro Liter erst einmal aus unser aller Albträumen zu verbannen. Denn bis zur nächsten Auffangzone zwischen 66 und 69 Dollar ist dann immerhin reichlich Luft.

Interessant wird es sein zu beobachten, wie sich die Aktienmärkte in diesem Fall verhalten. Denn zweifellos wäre eine solche größere Korrektur eine spürbare Entlastung für Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen und damit ohne Einschränkung positiv. Allerdings muss man dabei beachten, dass die Aktienkurse auch auf den scharfen Anstieg der Ölpreise im Vorfeld nicht allzu negativ reagiert hatten – der untenstehende Chart zeigt den über weite Strecken parallel anmutenden Verlauf der Ölpreise und des Dax. Es bleibt abzuwarten, denn:

Chart

Noch sollte man das Fell des noch nicht erlegten Bären nicht verkaufen. Gerade dieses Niveau würde, wenn es verteidigt würde, eine deutliche Bestätigung des Aufwärtstrends bedeuten und somit neue Höchstkurse erwarten lassen. Wir müssen abwarten, was die nächsten Tage bringen ... ich halte sie natürlich auf dem Laufenden.

Das Gold steht am Entscheidungspunkt

Nach dem selben Strickmuster reagierte auch der Goldpreis. Nachdem die Feinunze am Morgen nicht deutlich positiv reagierte, begannen kurzfristige Akteure, ihre Positionen abzubauen. Schon in den Tagen zuvor war zwar der Anstieg über den kurzfristigen Abwärtstrend bei 645 US-Dollar gelungen, mehr aber nicht. Statt Anschlusskäufen sahen die Marktteilnehmer nur ein lustloses Seitwärtslaufen in enger Bandbreite – es fehlten die Anschlusskäufe. Also galt auch hier: Dann eben abwärts!

Angeschoben durch die Beruhigung der Nerven nach dem morgendlichen Schock setzten Abgaben ein, die den Kurs auch hier präzise auf ein Entscheidungslevel drückten: Auch hier steht der Kurs im Kreuzungsbereich zwischen zwei Trendlinien und dem 20 Tage-GD. Je nachdem, wie sich der Kurs in den kommenden zwei bis drei Handelstagen orientiert, lauten die Perspektiven entweder auf einen Rücksetzer bis in den Bereich um 560 Euro oder einen schnellen Anlauf an die 700er-Marke.

Chart

Es ist ein typischer, ruhiger Börsensommer. Statt die zügige Trendentscheidung an den Aktienmärkten zu sehen, bekommen wir noch weitere offene Fragen hinzu. Aber eines lehrt die Erfahrung: Je mehr Börsensegmente sich im „Klein-Klein“ des Tagesgeschäfts und kurzfristiger Trends festfahren, desto imposanter, aber auch vom Zeitpunkt überraschender, wird der Befreiungsschlag ausfallen. Ausgerechnet jetzt wegzusehen, wäre somit ein Fehler ...

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende – bis Montag!

Ronald Gehrt


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