Hang-Seng-Index: Aufschwung setzt sich fort
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 8. Oktober 2009, 08:00 Uhr
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Mitte Juli verzauberte die Zahl 8 die leicht ins Trudeln geratenen Weltbörsen. Das Reich der Mitte und Hoffnungsträger in Sachen Wachstum verpasste mit einem Wachstum von 7,9 Prozent für das zweite Quartal nur ganz knapp das eigene angestrebte Wachstumsziel von 8 Prozent. Diesen jährlichen Durchschnittswert braucht China nach Berechnung von Ökonomen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und so die Millionen von Wanderarbeitern in Lohn und Brot zu halten. Der damals ausgelöste Aufschwung konnte im Wesentlichen bis heute konserviert und zum Teil noch ausgebaut werden. Besonderer Profiteur dieser Entwicklung war der Handelsplatz in Hongkong.
Die einstige britische Kronkolonie gilt nicht nur als empfindlicher Sensor für die Wirtschaftsentwicklung in den USA sondern auch als finanzpolitisches Aushängeschild Chinas. Die wesentlichen Transaktionen auf dem Kapitalmarkt seitens ausländischer Anleger werden über Hongkong abgewickelt. Auch Chinas Millionäre nutzen den Börsenplatz Hongkong gerne für ihre internationalen Transaktionen und verleihen einem der größten asiatischen Börsenplätze damit zusätzliche Bedeutung. Die durch die sehr großen Konjunkturpakete Chinas und der USA massiv zur Verfügung gestellte Liquidität, die durch unterschiedliche Maßnahmen der nationalen Notenbanken noch erhöht wurde, entfaltet nun auf dem international als am meisten liberal geltenden Kapitalmarkt seine Wirkung.
Zahl der Börsengänge nimmt wieder zu
Ein Beleg für die Rückkehr der Aktienmärkte zur Normalität ist die steigende Anzahl von Börsengängen. Chinas Regierung nutzt bevorzugt Hongkong für größere Transaktionen, an denen internationales Kapital beteiligt werden soll. Bis Ende Juni lag allerdings auch der Neuemissionsmarkt in Hongkong brach, denn die Liquiditätsschwierigkeiten der internationalen Banken ließen bis fast ein Jahr lang keinen Börsengang zu. Im Frühjahr scheiterte die Platzierung des drittgrößten chinesischen Versicherers China Pacific Insurance an mangelnder Nachfrage.
Das Unternehmen, das bereits an der Börse in Schanghai gelistet ist, wollte rund vier Milliarden US-Dollar erlösen. Ende September hat das Unternehmen nun die Zulassung für den Börsengang erhalten, der noch in diesem Jahr stattfinden soll. Durch die Ausgabe von einer Milliarde Anteilsscheinen soll ein Mittelzufluss von 3,5 Milliarden US-Dollar erreicht werden. Setzt sich die freundliche Entwicklung des Finanzmarktumfelds fort, wäre eine erfolgreiche Emission auch ein positives Zeichen für den gesamten Investmentbankingbereich. Die eingeleitete Konsolidierung innerhalb vieler Branchen führt nicht nur zu einer höheren Anzahl von Fusionen und Übernahmen, sondern auch zur Abtrennung von Randaktivitäten. Eine Variante ist die Ausgliederung in ein Tochterunternehmen, das dann über einen Börsengang finanziell ausgestattet wird.
Kontrolle des Kreditwachstums unabdingbar
Der jüngste Rückschlag an der Börse in Hongkong darf hingegen als Warnsignal an die chinesischen Behörden verstanden werden, das stürmische Kreditwachstum nicht unkontrolliert zu lassen. Der Exportsektor nimmt zwar wieder deutlich Fahrt auf, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen nimmt wieder zu und auch die Immobilienpreise ziehen wieder an. Wird aber nicht rechtzeitig die Bremse gezogen, entwickelt sich die nächste Spekulationsblase. Die Ankündigung der Regierung genau dies in der nächsten Zeit zu tun, führte zwar kurzzeitig zu Ernüchterung, garantiert aber langfristig gesunde Wachstumsraten.
Noch immer Aufwärtspotenzial
Ein wenig Müdigkeit war den Bullen in Hongkong in den vergangenen Wochen schon anzumerken. Das forsche Tempo, das sie von März bis Juni hingelegt hatten, war kaum zu wiederholen. Die bisherigen Gewinnmitnahmen haben sich aber nur als zwischenzeitliche Konsolidierungen herausgestellt, eine echte Trendwende konnten die Bären deshalb bisher nicht durchsetzen. Auch die jüngste Konsolidierung scheint seit Wochenanfang schon wieder beendet zu sein.
Der seit März gültige Aufwärtstrend wurde nur kurzzeitig unterschritten, 38-und 50-Tage-Linie konnten weitere Kursverluste bislang aufhalten. Ein kleines Warnsignal stellt die Tatsache dar, dass die 200-Tage-Linie schon knapp 20 Prozent unterhalb des aktuellen Kursniveaus liegt. Ein zu hoher Abstand zu dem langfristigen Durchschnitt provoziert in der Regel größere Korrekturen. Die 20-Prozent-Abstandsmarke befindet sich gerade noch so im tolerablen Bereich. Schaffen es die Bullen im Oktober dass aktuelle Niveau zu verteidigen, steigt die Wahrscheinlichkeit auf weitere Kursgewinne.
Nächster Zielpunkt wäre dann 61,8 Fibonacci-Retracement bei 23.800 Punkten gegeben sind. Zuvor muss allerdings der Widerstand um 21.700 Punkte durchbrochen werden. Sowohl MACD als auch Stochastik signalisieren zumindest einen erneuten Test dieses Bereichs. Fällt der Hang-Seng-Index hingegen deutlich unter 20.000 Punkte und damit unter den aktuellen Aufwärtstrend zurück, würde sich sehr bald ein Test der leicht ansteigenden 200-Tage-Linie bei 17.000 Punkten anschließen. Je nach zeitlicher Ausdehnung eines solchen Rückfalls könnte sich daraus eine Trendwende entwickeln.
