Hang-Seng: Erholung noch im Anfangsstadium
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 6. November 2008, 08:00 Uhr
ENL5454
Liebe DaxDaily Leser,
neben den beiden Weltfinanzzentren New York und London ist auch das dritte große Standbein der Finanzindustrie in Asien, HongKong, besonders stark von der Finanzkrise getroffen worden. Zahlreiche Investoren aus den USA und England haben wegen Finanzierungsschwierigkeiten auf ihren Heimatmärkten ihre Anlagen in der asiatischen Metropole aufgelöst. HongKong liegt im Hinblick auf die Freiheit des Kapitalverkehrs und die Besteuerung von Kapitalerträgen für gewöhnlich ganz vorne in den Ranglisten internationaler Investoren. Umso überraschter zeigte sich die von China beeinflusste Stadtregierung mit welcher Wucht die Kapitalabflüsse einsetzten. Noch stärker als London zeigt sich in den Auswirkungen der Finanzkrise die Abhängigkeit der Stadt von den Entwicklungen an den Finanzmärken. Dauert die Krise länger als beim Zusammenbruch des Internethypes oder bei der Seuche SARS im Jahr 2003 könnte dies zu sozialen Unruhen in der völlig übervölkerten Stadt führen. Kleinere Demonstrationen in den vergangenen Wochen sind in dieser Hinsicht noch als harmlos zu bewerten.
Der Gemütszustand der Bevölkerung lässt sich demnach relativ leicht an der jüngsten Entwicklung des Hang-Seng-Index ablesen. Am 1.November 2007 notierte der Index noch auf einem neuen Rekordhoch bei knapp 32.000 Punkten, heute morgen lag der Index bei knapp 14.000 Punkten. Während das zwischenzeitliche Jahresminus beim DAX am 27. Oktober knapp 50 Prozent betrug, wies der Hang-Seng in der Spitze ein Minus von fast 67 Prozent aus. Die einseitige Ausrichtung der Wirtschaft auf den Finanzsektor schlägt dementsprechend voll auf die Entwicklung des Index durch. Die Erholung der vergangenen Tage, die gemessen vom Tiefpunkt in der Spitze bei 40 Prozent lag, wir deshalb auch nur als ein Tropfen auf dem heißem Stein empfunden. Dennoch ist davon auszugehen, dass nach der laufenden Konsolidierung eine begrenzte Fortsetzung der Erholung stattfindet.
Wie gestern beim DJ Euro Stoxx 50 lässt sich auch beim Hang-Seng das ErholungspotentiaI mit Hilfe der Fibonacci-Korrekturwellen ausloten. Das Mindestkorrekturmaß der Abwärtswelle seit Ende Juli wurde mit dem Erreichen der 38,2prozentigen Schwelle bei etwas 15.450 Punkten zu Beginn der Woche erreicht. Seitdem beherrschen, analog zum US-Leitindex Dow Jones, Gewinnmitnahmen das Bild. Das vor wenigen Tagen im MACD erzeugte Kaufsignal, in dessen Zuge der Indikator seine Signalline von unten nach oben kreuzt, hat nach wie vor Bestand. Die aktuelle Konsolidierung ist aus diesem Grund auch nur als Atempause zu verstehen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Index mit weiteren Zugewinnen auch noch die 50prozentige Korrekturschwelle bei rund 17.000 Punkten erreicht. Auf diesem Niveau verläuft in etwa auch eine untergeordnete Abwärtstrendlinie. Dort werden die Auftriebskräfte vermutlich erlahmen, so dass im Anschluss eine weitere Abwärtswelle zu erwarten ist.
