Handelssysteme: Keep it simple
Tom Firley in Investors Daily
vom 27. Februar 2009, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
nach meinen gestrigen Beiträgen zum 256-Tage-GD (finden Sie im Investor-Verlag-Archiv, erhielt ich heute Morgen eine - nicht ganz höfliche - E-Mail:
Lieber Tom Firley,
das ist, entschuldige, doch mehr als bescheuert, ich hätte auch 83 und 86
grüne Kreise einzeichnen können, ein Chart bildet immer die Vergangenheit
ab, daraus auf die Zukunft zu zielen ist Kaffeesatzlaberei!
W. S.
Nun, wie Sie wissen, bin ich ein Anhänger der Chartanalyse. Aber der Leser hat in einem Punkt Recht: Chartanalyse alleine führt langfristig selten bis gar nicht zu erfolgreichen Ergebnissen. Natürlich müssen Sie wissen, in welchem Umfeld Sie sich bewegen.
Wenn Sie sich zum Beispiel in den Emerging Markets engagieren oder aber hochspekulative Aktien aus dem Explorer-Bereich kaufen, dann nützt Ihnen der 256-Tage-GD alleine herzlich wenig. Einfach weil in diesen Bereich wilde Kurshüpfer von 20 bis 30% nicht unnormal bzw. an der Tagesordnung sind. Da brauchen Sie einfach neben der kurzfristigen Charttechnik eine gehörige Menge fundamentales Wissen. Was ich aber unterstreichen möchte:
Der 256-Tage-GD ist nichts anderes als ein Jahres-Durchschnitt. Und natürlich ist es (fast) egal, ob Sie nun einen 234- oder einen 285-Tage-GD zu Rate ziehen. Wichtig ist nur, dass Ihnen dieser GD den Trend oder einen möglichen Trendwechsel anzeigt. Dabei ganz einfach:
Liegt der Kurs eines Wertes über dem GD (oder etwas darunter) sind Käufe zu überlegen. Liegt der Kurs unter dem GD, lassen Sie - falls Sie Langfrist-Anleger sind - die Finger davon.
Dow Jones Industrial mit 256-Tage-GD
Ich wette mit Ihnen: Wenn Sie langfristig so vorgehen, etwa 50 bis 100 Aktien in Ihrem Analyse-Horizont haben und eine entsprechende Stopp-Strategie anwenden (zugegeben, das ist das wichtigste), dann schlagen Sie die Masse der Fonds-Manager.
Falls Ihnen jetzt 50 bis 100 Aktien zu wenig erscheinen: Diese Anzahl ist nicht starr und auch die Bestandteile eines solchen Aktien-Spektrums tauschen sich natürlich aus.
Mit der entsprechenden Software können Sie übrigens zahlreiche Kriterien einstellen, die Ihnen dann wiederum entsprechende Aktien „ausspuckt". Ganz einfache Kriterien sind dabei: Über / unter einem bestimmten GD oder Money Flow Index über 50 oder KGV unter 10 usw.
Warum ich Ihnen gerade heute etwas über einfache Handels-Systeme erzähle?
Nun, in den letzten Tagen wies ich darauf hin, dass die 7.000er Marke im Dow Jones eine magische Anziehungskraft hat. Und Horror-Nachrichten (Citigroup ist nun zu 36% verstaatlicht, wie von Geisterhand wurden ein weiteres Milliarden-Grab gefunden...) wundern mich schon lange nicht mehr.
Und außerdem soll das Leben mit der Börse auch Spaß machen. Ein tägliches Rumhauen auf den Kursen, dem armen Ben Bernanke und die bösen Finanz-Manager hilft da auch nicht weiter. Und auch die Angst vor einer Währungsreform (diese wird in letzter Zeit häufiger diskutier) halte ich für unangebracht.
Statt sich am Wochenende über weitere Geschichten aus dem Finanzen-Horror-Kabinett zu wundern, könnten Sie mir mal Ihre Erfahrungen oder Erfolge mit einem Handelssystem senden (gesunder Menschenverstand ist dabei wohl das wichtigste Instrument).
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
