Halten Sie die Leine kurz!

aus der Redaktion "Nebenwerte Insider" in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien
vom


aus der Redaktion "Nebenwerte Insider"

Liebe Leser,

da Sie Herr Pröbstl heute leider nicht mit dem Nebenwerte Daily "versorgen" kann, lesen Sie folgenden Gastbeitrag aus dem Nebenwerte Insider von Matthias Schrade.


Halten Sie die Leine kurz!

Lieber Leser,

ich werde immer wieder gefragt, warum wir im Nebenwerte Insider nicht einmal über die Firma XYZ schreiben, verbunden mit Aussagen wie „schließlich hat die Aktie doch großes Potenzial, die Gewinne sollen steigen und das 2008er KGV liegt bei gerade einmal 20“ oder ähnlich. Und tatsächlich steigt manches dieser Papiere in der Folge deutlich im Kurs an – eine Empfehlung hätte sich also scheinbar ausgezahlt.

Als Antwort möchte ich auf ein beliebtes Bild verweisen, das dem Börsenaltmeister André Kostolany zugeschrieben wird: Er verglich den Aktienkurs mit einem Hund, der seinem Herrchen – der Entwicklung der Firma – mal bei Fuß und mal voraus läuft. Früher oder später kommt er jedoch immer zu seinem Herrchen zurück.

Wohin der Hund läuft, ist nur schwer vorherzusagen

Für uns als Analysten ist das Problem: Es lässt sich sehr schwer einschätzen, wie lange und wie weit der Aktienkurs der Unternehmensentwicklung vorauslaufen wird. Daher kommt es durchaus vor, dass sich der Abstand zwischen „Hund“ und „Herrchen“ selbst dann noch vergrößert, wenn der Kurs längst die Gewinne der nächsten Jahre vorweggenommen hat.

Deshalb konzentrieren wir uns vor allem darauf, die weitere Firmenentwicklung möglichst korrekt einzuschätzen – also wie schnell und wohin sich das „Herrchen“ bewegt. Zum anderen suchen wir gezielt nach Aktien, bei denen die weitere Entwicklung kaum eingepreist ist. Denn wenn das Herrchen überraschend stehen bleibt oder gar umdreht, galoppiert ein vorausgeeilter Hund mit Höchstgeschwindigkeit zurück – sprich: Es kommt zu einem heftigen Kurseinbruch.

Übertriebene Kursreaktionen sind nie ganz auszuschließen

Dass dies selbst mit Aktien passieren kann, bei denen das „Herrchen“ zügig weitermarschiert – sprich: die Firma unverändert stark wächst – erlebten wir vor kurzem bei Bijou Brigitte. Das Umsatzplus von 18 Prozent lag etwas unter der von uns erwarteten „Schrittgeschwindigkeit“, so dass wir unsere Gewinnschätzung für 2006 von 11,80 auf 10,85 Euro je Aktie anpassten – eine Reduktion um ziemlich genau 8 Prozent. Ähnlich fiel die Anpassung bei anderen Analysten aus.

Logisch wäre darauf eine Kursreaktion in der gleichen Größenordnung. Weit gefehlt – die Börse reagierte mit einem Absturz um volle 25 Prozent! Man könnte sagen, dass viele Anleger quasi heftig an der Leine zerrten, so dass der Hund regelrecht zurückgeschleudert wurde, obwohl er gar nicht weit vorausgelaufen war: Immerhin betrug das 2006er KGV auf Basis unserer alten Schätzung auch nur 18.

Wie können Sie sich vor solch unerwarteten Einbrüchen schützen? Ehrlich gesagt, fast gar nicht. Denn das beste Mittel wenden wir ohnehin konsequent an: Wir empfehlen nur Aktien, bei denen der Kurs „an der kurzen Leine“ liegt – die Firmenentwicklung also möglichst wenig vorweggenommen hat. Fälle wie der Absturz bei Bijou sind daher zum Glück große Ausnahmen. Und noch wichtiger: Das „Herrchen“ marschiert nach wie vor zügig voran. Selbst an der jetzt deutlich kürzeren Leine wird der Kurs den langfristigen Aufwärtstrend daher fortsetzen.

Viel Erfolg an der Börse,

Ihr Matthias Schrade

Mehr von Herrn Matthias Schrade, Chefredakteur des Nebenwerte Insider, finden Sie hier.


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