Halbjahresbilanz - Wie haben sich die Märkte geschlagen?
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 9. Juli 2010, 13:00 Uhr
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Trader-Treffen
Bevor ich heute zum eigentlichen Thema komme, möchte ich noch einmal kurz auf das heute stattfindende Trader-Treffen hinweisen. Dieses Treffen wird nicht von mir, sondern von der Xing-Gruppe "Börsenstammtisch Düsseldorf" organisiert. Ich habe auch nur indirekt von diesem Treffen erfahren, werde mir aber heute Abend ansehen, was es damit auf sich hat.
Das Treffen findet statt
in der Bar Alexandra
Merowinger Straße 1
40223 Düsseldorf
ab 20 Uhr.
Vielleicht haben Sie ja Lust auf einen geselligen Abend unter Gleichgesinnten.
Die wichtigsten News in aller Kürze
Zinsentscheidungen
Wie erwartet blieb der Leitzins der EZB erneut unverändert bei 1,0 Prozent. Auch die britische Zentralbank (BoE) ließ gestern ihren Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent.
Bankenstresstest
Ebenfalls ein Thema auf der Pressekonferenz der EZB waren die laufenden Stresstests für die Banken. Diese Tests werden vom Committee of European Banking Supervisors (CEBS) und der EZB vorgenommen.
Laut Trichet tragen sie dazu bei, die Märkte weiter zu beruhigen. Natürlich, steht das Ergebnis doch eigentlich bereits fest. Man kann ja schließlich an der ein oder anderen Schraube drehen. (Lesen Sie hierzu auch den gestrigen Artikel von meinem Kollegen Alexander Hahn, Investoren Wissen)
Der EZB-Rat begrüßte die Entscheidung der EU, die Ergebnisse der Stresstests für die Banken mit deren Einverständnis zu veröffentlichen. Offiziell werden die Testergebnisse am 23. Juli veröffentlicht.
SWIFT-Abkommen
Das Europäische Parlament stimmte dem Vertrag zum Swift-Abkommen am Donnerstag in Straßburg mit deutlicher Mehrheit zu. Damit erhalten die USA erneut Zugriff auf EU-Bankdaten.
Das Swift-Abkommen ist nach dem belgischen Finanzdienstleister Swift (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) benannt. Das Unternehmen wickelt nahezu alle grenzüberschreitenden Bankgeschäfte in Europa ab und meldet täglich mehr als 15 Mio. Transaktionen.
Nachdem die USA kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 heimlich damit begonnen hatten, die Zahlungsverkehrsdaten des weltweiten, in Belgien ansässigen Bankdienstleisters Swift auszuwerten, wurde nun mit dem Abkommen offiziell eine Rechtsgrundlage dafür geschaffen, dass die US-Terrorfahnder Überweisungen von Europäern ins nicht-europäische Ausland auf Verdächtige hin prüfen können. Ohne Wissen der Öffentlichkeit leitete Swift die Daten an die USA weiter. Mithilfe der Daten wollen die US-Geheimdienste die Finanzströme des internationalen Terrorismus aufdecken und trockenlegen. Dabei geht es um Angaben wie Name, Betrag und Empfänger.
Nach Bekanntwerden der Fahndungsmethode 2006 ließ sich die US-Regierung auf Zusicherungen zum Datenschutz ein, die aus europäischer Sicht jedoch nicht ausreichend waren. Wegen der Datenschutzprobleme ließ Swift den Zugriff auf sein System ab Ende 2009 nur noch in Europa zu. Daher wurde ein umfassendes Abkommen notwendig, damit die USA wieder Zugriff auf die Daten erhält.
Dieses Abkommen regelt nun, wie die US-Behörden im Anti-Terrorkampf Bankdaten von Verdächtigen bei Swift abfragen können. Dabei legt der Vertrag Mindeststandards für den Datenschutz fest.
Die europäische Polizeibehörde Europol kontrolliert künftig die Anfragen. Zudem gibt es ein Klagerecht für betroffene Bürger.
Halbjahresbilanz
Das 2. Halbjahr hat bereits begonnen. Ich möchte daher in den folgenden Beiträgen einmal einen Blick auf das erste Halbjahr werfen und betrachten, wie sich die wichtigsten Basiswerte entwickelt haben.
Sinnvollerweise zunächst zum Öl
Da wir in den letzten Beiträgen den Öl-Chart analysiert haben, möchte ich sinnvollerweise auch damit beginnen und noch einige weitere Aspekte einbringen, die den Öl-Preis nachhaltig in den nächsten Wochen beeinflussen könnten.
Die Entwicklung des Öl im Einzelnen
Eröffnet hat das US-Öl dieses Jahr bei 79,59 USD. Der letzte Kurs des ersten Halbjahres lag am 30. Juni bei 75,31 USD. Damit hat der Öl-Preis seit Jahresbeginn 5,4% verloren.

(Quelle: CFX-Broker) US-Öl, Tageskerzen, 1. Halbjahr vom 01. Januar bis 30. Juni
Das Hoch wurde am 03. Mai bei 87,12 USD markiert. Interessant ist in diesem Zusammenhang der darauf folgende rasante Kurssturz, bei dem der Kurs in nur 3 Wochen vom Hoch bis zum Tief 23% abgeben musste. Erinnern Sie sich? - Am 22. April versank die Ölplattform "Deepwater Horizon" in der Tiefe des Golf von Mexiko.
Das Tief lag intraday am 25. Mai bei 67,12 USD, was einem Verlust seit Jahresbeginn von 15,7% entspricht.
Zum Halbjahresstand befand sich das US-Öl fast 50% unter dem absoluten Hoch, welches beim US-Öl am 11. Juli 2008 bei 147,22 USD markiert wurde. Vom letzten Tief am 19. Dezember bei 32,46 USD hingegen konnte der Öl-Preis 132% zulegen.

(Quelle: CFX-Broker) US-Öl, Tageskerzen
Damit befindet sich das Öl, nachdem es bereits im aktuellen Hoch das 50%-Fibonacci-Retracement erreichen konnte, derzeit ziemlich exakt auf der 38,2%-Marke.
- 50% vom Hoch klingt zwar viel, aber betrachtet man den langfristigen Öl-Chart, so war dieses Hoch eindeutig eine maßlose Übetreibung. Vielmehr sollten die +132% erschrecken, die der Öl-Preis aktuell über seinem letzten Tief notiert, denn damit liegt der aktuelle Kurs weit über dem Durchschnittskurs der Vergangenheit. Auch wenn der Preis für Öl langfristig durchschnittlich auf einem höheren Niveau verbleiben wird, so sehe ich die aktuellen Kurse bereits am oberen Ende der Bandbreite.
Öl-Überblick
Eröffnung 04. Januar 79,59
Hoch 03. Mai 87,12
Tief 25. Mai 67,12
Schluss 30. Juni 75,31
Performance Halbjahr -15,7 %
Abstand zum All-Time-High - 49 %
Abstand zum letzten Tief + 132 %
Sie kennen seit dem letzten Beitrag meine Meinung. Ich rechne eher mit fallenden Kursen. Charttechnisch sogar kurzfristig. Aber wie sieht es fundamental aus? Dazu mehr im zweiten Abschnitt des heutigen Beitrags.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Alex Kronert (10.07. 2010 06:58 Uhr):
Ueber das SWIFT-Abkommen wird leider zu euphemistisch berichtet, es handelt sich hier um eine unnoetige Aufgabe von Rechten an die USA ohne Gegenleistung und ohne echte Kontroll- und Sperrbefugnisse, die gerade bei einem Land wie die USA, die sich unter der Praemisse Terrorbekaempfung jedes auch noch so illegalen Mittels (nachweislich) bedienen, unbedingt erforderlich waeren. Wieder nimmt die EU dem Buerger ein wichtiges Reststueck Datenschutz weg, ohne Gegenleistung, was er dafuer allenfalls bekommt ist ein Klagerecht, als Draufgabe zu den Unannehmlichkeiten wenn er wegen einer harmlosen Auslandsueberweisung vom bekannt unfaehigen US-Geheimdienst (Originalton Obama: Lack of human intelligence) behelligt wird.SWIFT-Abkommen und Banken-Stress-Test, Betrug und Augenwischerei am Buerger.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (11.07. 2010 22:25 Uhr):
Guten Tag Herr Kronert ! - - - Darüber, ob es sich um eine unnötige Aufgabe von Rechten handelt, möchte ich keine abschließende Meinung äußern. Letztlich könnten hierdurch natürlich möglicherweise der Terrorismus bekämpft werden. Letztlich müsste geklärt werden, ob der Datenschutz einen höheren Rang hat, als der Schutz der Menschen. - - - Grundsätzlich stimme ich Ihnen aber tendenziell zu. - - - Im Zeitablauf wird sich zeigen, ob hier tatsächlich unschuldige Bürger in das Visier der Ermittler geraten. Glücklicherweise ist das Abkommen zunächst auch zeitlich begrenzt. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Alex Kronert (12.07. 2010 09:43 Uhr):
Mein Kompliment, Herr Weisenhaus, ich lese haeufig Kommentare und Sie sind der erste Chefredakteur der einen Kommentar auf seinen Artikel registriert und noch dazu kommentiert. Zur Thematik: Was ich am Abkommen vermisse ist die Augenhoehe, daher ist dies an sich auch kein Abkommen da die EU mit Ausnahme moeglicher Informationen oder Hilfen zu Terrorismusbekaempfung - je nach Gutduenken der US - keine ! einforderbaren ! Gegenleistungen erhaelt. Aufgegeben wurden aber gesetzliche Rechtspositionen der EU-Buerger (Motto: Ersatz von Recht durch Klagerecht). Dieses Ungleichgewicht ist auch unabhaengig von der Frage der Wertung des Datenschutzes, denn der EU-Datenschutz wurde de facto und de jure mehr als "durchloechert". Und wie die US Behoerden im Konfliktfall Datenschutz-Interessen und Terrorbekaempfungs-Interessen (bekanntlich ein Freibrief fuer Massnahmen aller Art) entscheiden werden, haben diese ja bereits in und ausserhalb der US bereits sattsam demonstriert; nicht einmal eigene und fremde Gesetze sind fuer die US tabu. Insofern hat der Terrorismus bereits seine Ziele erreicht, die Buergerrechte werden national und international durch die USA demontiert. Die Schwaeche der EU zeigt sich ja auch in deren Haltung zur USA in Bezug auf die Finanzkrise – grundsaetzlich Kooperation statt Konfrontation und unkritische Uebernahme jeglichen finanztechnischen Unsinns aus den USA. An dieser unwuerdigen weil unterwuerfigen Haltung aendert leider auch die zeitliche Begrenzung von sog. Abkommen nichts. ---- Mit besten Gruessen !
- Antwort von Sven Weisenhaus (13.07. 2010 16:43 Uhr):
Hallo Herr Kronert ! Ich lese grundsätzlich jeden Kommentar und beantworte sie auch, sofern er einer Antwort bedarf. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (11.07. 2010 22:25 Uhr):