Hätten Sie General Motors gekauft?
unserem Korrespondenten Bill Beonner in Investors Daily
vom 10. Dezember 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Da es wieder zu einem gewissen Hightech-Boom gekommen ist, der mich an die Zeiten der großen Spekulationsblase (die im März 2000 platzte) erinnert, möchte ich auf einen Text von mir aus dieser Zeit zurückgreifen. Einen Text, bei dem ich über ein Unternehmen der Old Economy geschrieben hatte:
Ein Gegensatz zu den kleinen Internet-Startups war General Motors (GM). Carl Icahn, der in den 1980ern durch Übernahmen Ruhm erlangt hatte, war zum Ende des Jahrtausends wieder in den News, als er versuchte, GM zu zwingen, den Anteil an Hughes Electronics zu verkaufen – um "Shareholder Value freizugeben".
GM hatte in US$ gemessen größere Umsätze als jedes andere Unternehmen der Welt – nämlich 177 Milliarden US$. Und einen Gewinn von 6 Milliarden US$ (3 % der Umsätze). Nicht nur, dass die Gewinne verhältnismäßig niedrig waren, auch die anderen News waren nicht gut. GM verlor Marktanteile, und die Arbeiter, die in einer Gewerkschaft waren, schienen bereit für eine Revolte.
Aber GM hatte ein paar Dinge, die für die Gesellschaft sprachen. Selbst im September 2000 waren 6 Milliarden US$ Gewinn eine Menge Geld. Und GM hatte 10 Milliarden US$ in bar. Der Pensionsfonds von GM war um 9 Milliarden US$ überfinanziert. Und der Autobauer besaß einen Anteil an Hughes, der 15 Milliarden US$ wert war. Die Idee von Icahn war offensichtlich. Er wollte so viele GM-Aktien kaufen, dass er dazu fähig war, die Gesellschaft zum Verkauf ihres Hughes-Anteils zu zwingen.
Die gesamte Gesellschaft hatte zum damaligen Aktienkurs einen Marktwert von rund 36 Milliarden US$, weniger als ein Zehntel des Marktwertes von Cisco. Stellen Sie sich vor, dass Sie persönlich diese Gesellschaft hätten kaufen können. Für 36 Milliarden US$ hätte man eine Gesellschaft erworben, die 10 Milliarden US$ Cash in der Kasse hätte. Also hätte man eigentlich nur 26 Milliarden US$ bezahlt. Und dann hätte man den Hughes-Anteil für 15 Milliarden US$ verkaufen können, so dass der Rest des Unternehmens nur 11 Milliarden US$ gekostet hätte.
Man hätte dafür die größte Gesellschaft der Welt bekommen (die Autos, LKWs und andere reale Gegenstände produzier). Fabriken, Immobilien, gigantische Maschinen ... das hätten Sie alles haben können. Und Sie hätten 6 Milliarden US$ pro Jahr verdient. In konventioneller Börsensprache ausgedrückt hätte der operative Teil des größten Unternehmens der Welt damit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 1,83 gehabt. Aus Ihrer Sicht, als Besitzer(in), hätten Sie Ihren Einsatz nach ungefähr 20 Monaten wieder rausgehabt, und danach hätten Sie 6 Milliarden US$ pro Jahr verdient. Oder Sie hätten 10 % von Cisco kaufen können.
Wenn Sie sich auf die Slogans und die geistesschwache Meinung der Finanzmedien verlassen hätten, dann hätten Sie GM gemieden. General Motors war "Old Economy". Eine Gesellschaft von gestern. Es war definitive nicht "cool", GM-Aktien zu haben.
Aber Carl Icahn war es egal, wenn er nicht cool war. Er hatte in Princeton in Philosophie promoviert. In seiner Doktorarbeit hatte er die Idee entwickelt, dass kollektives Denken ungültig ist: "Das Wissen basiert nur auf dem, was man beobachtet. Wenn Sie zu mir über etwas sprechen, dann müssen Sie das zu etwas in Bezug setzen, das erkennbar ist." Natürlich hatte George Gilder, ein typischer Vertreter der New Economy, der zu Zeiten der großen Spekulationsblase in den USA ein "Börsenguru" war, kein Interesse an GM. Er war an GC (Global Crossing) interessiert, und er konnte davon nicht genug bekommen, als diese Aktie bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 33 stand und einen Kurs von 60 US$ hatte. Der Mann muss umso glücklicher gewesen sein, als er im Oktober 2001 so viele Global Crossing-Aktien kaufen konnte, wie er wollte – für nur 50 Cents pro Stück. Die Investoren hatten bereits 99,9 % ihres Einsatzes verloren, aber die Verluste hörten nicht auf. Auch ein Investor, der bei 50 Cents eingestiegen wäre, hätte bis zum Ende des folgenden Jahres 96 % verloren, als die Aktie bei nur noch 2 Cents stand. Aber vielleicht wird das Versprechen des Informationszeitalters zuletzt doch noch wahr werden. Plötzlich, spät in der Nacht, wenn vernünftige Menschen im Bet sind und nur Technologie-Anhänger, Terroristen und Teenager noch wach sind, könnte sich alle Fiberglaskabel der Welt mit Daten füllen. Und vielleicht würde dann die Aktie von Global Crossing wieder steigen ... auf 3 Cents!