Hält die USD-Schwäche an?!
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 10. Juni 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
nach wie vor treibt die Risikofreude die Märkte an. Die Aktienmärkte notieren im Plus, die Rohstoffpreise steigen - was will man mehr?!
Was die Risikofreude jedoch augenscheinlich außer Acht lässt, sind weiter steigende US-Treasury-Yields, steigende Hypothekenzinsen und gezielt der steigende Ölpreis.
US-Hypothekenzinsen mit 30-jähriger Laufzeit sind bis Ende letzter Woche bis auf 5,45 % gestiegen, gegenüber einem Tief bei 4,85 % im April. Die Renditen auf US-Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit sind seit Mitte März um mehr als einen Prozentpunkt auf 3,87 % gestiegen.
Und im Angesicht einer Arbeitslosenquote von über 9 % muss man sich nicht nur fragen, wie schnell die US-Wirtschaft überhaupt in eine Erholung übergehen kann, sondern auch wie stark hohe Ölpreise und wieder steigende Hypothekenzinsen den US-Bürger belasten werden.
FED Fund Futures
Dennoch scheinen einige Marktteilnehmer, vornehmlich Spekulanten, schier versessen darauf zu sein eine kommende rasche Erholung sehen zu wollen.
Die FED Fund Future Kontrakte an der CBOT zeigen mittlerweile eine 44%ige Chance, dass die FED ihren Leitzins im kommenden November um 0,5 % anheben wird - gegenüber einer 35%igen Chance im letzten Monat.
Ich persönlich halte derartige Überlegungen für wesentlich verfrüht. Die US-Wirtschaft mag gewissen Anzeichen von Stabilisierung zeigen, aber mitnichten bereits solche die auf eine rasche Erholung hindeuten.
Ähnlich sehen es auch die Primary Dealer (die Großbanken, welche direkten Handel mit der FED treiben). Der Großteil der Primary Dealer geht davon aus, dass mit einer Zinsanhebung frühestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres 2010 gerechnet werden kann.
USD Entwicklung
Nach wie vor beobachten wir zwar die anhaltende USD-Schwäche, dennoch stellt sich mittlerweile die Frage ob es nicht kurz-bis mittelfristig zu einer temporären Änderung dieses Trends kommen kann, im Angesicht einer Stimmungsänderung von der Erwartung tiefer Zinsen/steigende Inflationsraten (USD-negativ) hin zu der Erwartung steigender Zinsen/sinkende Inflationsgefahr.
EUR/USD vermag es aktuell nicht die wichtige Widerstandsmarke bei 1,4125 nachhaltig nach oben zu durchbrechen. Doch erst ein Bruch dieser Marke nach oben, dürfte weitere neue Highs begründen, mit einem ersten Ziel bei 1,45. Umgekehrt könnte allerdings erst ein nachhaltiger Bruch wichtiger Unterstützungsmarken bei 1,3814 und 1,3725 den übergeordneten Aufwärtstrend beenden. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,4070.
Quelle: CFX-Broker
Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die heutige Veröffentlichung des Beige Book und die für morgen zur Veröffentlichung angesetzten US-Einzelhandelsdaten, ebenso wie die ebenfalls für morgen zur Veröffentlichung angesetzten Daten zur urbanen Anlageinvestition in China. Sollten die Wirtschaftsdaten negativ überraschen, dürfte dies den USD zusätzliche Unterstützung bieten.