Haare in der Suppe!
Axel Retz in Traders Daily
vom 26. Februar 2007 12:00 Uhr
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Vielleicht erinnern Sie sich noch an meinen Dax Daily vom vergangenen Freitag: Ich hatte Ihnen die hohe Korrelation von S&P 500 und Dax gezeigt, darauf hingewiesen und dass sich der S&P 500 gerade an der oberen Begrenzung seines Aufwärtstrendbandes befindet.
Und unterstrichen, dass eine Marke wie die 7.000 nicht im ersten Anlauf genommen werden kann, wohl aber, wenn die von 7.000 ausgehenden Korrekturen nach und nach flacher werden. Zuletzt hatte ich Ihnen geraten, was ich seit Wochen tue: In bestehenden langfristigen Calls engagiert zu bleiben, für kurzfristigere Positionen aber Stopps zu setzen.
Wie üblich, hatte ich meinen Aussagen durch die entsprechenden charttechnischen Belege unterlegt.
Emotionen kochen über
Für manche Bullen war das wohl etwas viel des Guten. Jedenfalls erhielt ich eine E-Mail von Herrn Dr. S. aus der Schweiz, der mir vorwarf, „überall doch noch ein Haar in jeder Suppe zu finden" und fragte „ob da wohl ein Psychiater helfen könnte?". Hoppla!
Auf meine Antwort hin, dass es nicht meine Aufgabe sei, dem Bullen- oder Bärenlager verbale Unterstützung zu leisten und das andere totzuschweigen, wurde die Antwort unfreundlicher:
„Menschen, die Kritik nicht annehmen, sind nichts wert.", stand dort zu lesen und: Das, was Sie machen, ist keine Kunst, das ist nur schädlich und kann jeder Trottel!"
Meine Antwort: „Sorry: Wer hier keine Kritik annehmen kann, steht außer Frage. Ich bin für jede Kritik offen. Es muss auch Gründe dafür geben, dass der Dax Daily eine geradezu explodierende Anhängerschar hat (vermutlich alles Leute, die sich jeden Tag gleich in der Frühe mal ordentlich ärgern möchten?). Die Diktion Ihrer Mail ist so, dass ich Sie auf diesem Weg nicht begleiten mag."
Danach meldete sich Dr. S. postwendend noch einmal, jetzt ohne Anrede und Gruß. Ich gebe die vollständige E-Mail wieder: „Sie sind ein charakterschwacher Mensch und verachtenswert!"
Nein, darauf habe ich dann nicht mehr geantwortet.
Stellt sich die Frage, was eigentlich los ist am Markt. Wenn Sie den Freitags-Daily gelesen haben, haben Sie feststellen können, dass er weder bullish noch bearish war, sondern wie immer versuchte, im Rahmen des Möglichen objektiv zu sein. Was um Himmels Willen kann einen Anleger daran dermaßen auf die Palme treiben?
Herr Dr. S. ist bullish. Gut. Das sind heute die meisten. Aber warum kann man in Rage geraten, nur weil man auf Argumente und unwiderlegbare Charts trifft, die noch nicht einmal das Gegenteil aussagen, sondern lediglich Pro UND Contra abwägen?
Die Börse, liebe Bullen, lebt davon, dass es auch Marktteilnehmer gibt, die ihren „Pessimismus" sogar so weit treiben, dass sie ihre Aktien anderen Anlegern verkaufen – nämlich ihnen. Und zu jeder einzelnen Aktie, die den Besitzer wechselt, gehören nun einmal ein Käufer und ein Verkäufer.
Oder, um es mit dem Sprachbild von Herrn Dr. S. auszudrücken: An der Börse befinden sich im Teller zu jedem Zeitpunkt ebenso viele Haare wie Suppe – sonst könnte sie nicht funktionieren.
Interessanterweise berichteten mir auch zwei Kollegen in der vergangenen Woche von ähnlichen E-Mails: Bullen ebenso wie Bären reagieren anscheinend zunehmend gereizt bis aggressiv, wenn sie etwas lesen, das ihre eigene Markteinschätzung nicht rundherum bestätigt.
Nicht nur Haare in der Suppe!
Apropos „Haar in jeder Suppe", Herr Dr. S.:
In meinem Börsendienst EurXProfits habe ich in der abgelaufenen Woche alle drei noch offenen Trades geschlossen:
Einen Continental-Call (+36,46% in zwei Wochen),
einen DaimlerChrysler Call (+36,17% / + 25,53% in vier bzw. fünf Handelstagen) und einen
DaimlerChrysler Call-OS (+ 55,00% / + 40,00% in vier bzw. fünf Handelstagen).
Minuspositionen gibt es nicht. Und der Dax, wenn Sie einmal nachrechnen, brachte es in der vergangenen Woche mit "Hängen und Würgen" auf einen Zuwachs von 0,5 Prozent. Genau deswegen ist es ja derzeit ja so schwierig, mit Index-Derivaten Geld zu verdienen! Auch das wird sich bald ändern, lässt sich aber nicht erzwingen. Und Emotionen helfen auch nicht weiter.
Am Freitagmorgen vor Handelsbeginn habe ich zwei neue Positionen empfohlen, eine Call- und eine Putposition. Auf welche Dax-Aktien, kann ich hier natürlich nicht verraten, das bleibt den Lesern von EurXProfits vorbehalten. Beide sind vom Start weg in den Gewinn gelaufen.
In meiner Suppe, Herr Dr. S., gibt es neben den Haaren also auch reichlich al dente gekochte Nüdelchen. Man muss beide nur zu unterscheiden wissen. "Charakterschwache, verachtenswerte Trottel" wie ich bringen dafür offensichtlich bisweilen einen ganz guten Blick mit.
Wer sich selbst von diesem guten Blick überzeugen möchte, könnte einmal einen eigenen Blick auf den EurXProfits werfen. Klicken Sie hier.